Stammgäste sorgen sich ums Drugstore

"Dieses Stück Schwabing darf nicht sterben"

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Nader Saffari will das Werk seines verstorbenen Vaters Jonny fortführen.

München - Seit 1967 gibt es das Lokal in der Feilitzschstraße 12. Doch ob das Drugstore noch lange weiterbesteht, ist unklar.

Dieser grüne Schriftzug über den Fenstern, psychedelisch verzerrt: Man muss an die 60er-Jahre denken, wenn man am Drugstore vorbeigeht. Aber wir reden da nicht bloß von ein paar Buchstaben – wir reden von einem Stück Schwabinger Tradition. Seit 1967 gibt es das Lokal in der Feilitzschstraße 12. Doch ob das Drugstore noch lange weiterbesteht, ist unklar. Stammgäste machen sich Sorgen: Nachdem Pächter Jonny Saffari (78) starb, müssen seine Familie und der Eigentümer, die Maierbräu, die Zukunft klären. Sohn Nader Saffari (47) will kämpfen: „Dieses Stück Schwabing muss weiterleben!“

Vor 48 Jahren hatten die persischen Brüder Anusch und Temur Samy das Drugstore am Wedekindplatz eröffnet. Das Lokal – Café, Restaurant, Bar und Disco – wurde zum beliebten Treff für Schauspieler und Sänger im wilden Schwabing. Zu Gast unter anderen: Mick Jagger, Liza Minnelli, Romy Schneider.

Nachdem Anusch bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, führte Cousin Jahangir „Jonny“ Saffari das Geschäft weiter. „Mein Vater war ein Vollblutgastronom“, sagt Nader, „er wollte unbedingt den 50. Geburtstag seines Lokals feiern.“ Doch der beliebte Wirt starb am 4. Oktober im Alter von 78 Jahren an Krebs.

Nader möchte das Lebenswerk seines Vaters weiterführen. Doch der Fotograf und Kamermann muss erst den Nachlass regeln. „Das ist sehr schwierig“, sagt er. Problem: In vier Monaten läuft der Pachtvertrag für das Drugstore aus, in dessen ersten Stock mittlerweile keine Disco mehr ist, sondern das Theater Heppel & Ettlich.

Jonny Saffari.

Diese Woche möchte er mit dem Eigentümer, der Maierbräu in Altomünster, verhandeln. In der Brauerei kann der Geschäftsführer noch nicht sagen, ob das Kultlokal eine Zukunft hat. „Das Drugstore war gut geführt – und es gibt auch einen potenziellen Nachfolger“, sagt Christoph Maier. „Aber noch kann man nichts Konkretes sagen. Wir würden uns jedoch wünschen, dass dieses Traditionslokal in ähnlicher Form weiterbesteht.“

Das wünschen sich auch viele Stammgäste – und ein weiterer Kult-Schwabinger, der Fotograf Wolfgang Roucka (74). Mit seiner Galerie ist er 30 Meter neben dem Drugstore beheimatet. „Ich habe 1966 eröffnet, das Drugstore ein Jahr später. Seitdem war ich Stammgast bei Jonny.“

Das Drugstore, so hofft er, soll nicht so enden wie die Kultkneipe Schwabinger 7 ein paar Meter weiter vorn, die 2011 abgerissen wurde. Jetzt steht an ihrer Stelle ein Bio-Supermarkt. Als Zeichen für die Tradition will Roucka am 17. November die Laterne der 2014 verstorbenen Schwabinger Gisela am Wedekindplatz aufstellen. „Damit unser altes Schwabing weiterhin leuchtet.“

M. Williams

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