Wegen ungenügender Dämmung

Efeu-Oase in Schwabing soll zerstört werden: Nachbarn wollen kämpfen

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Eine grüne Oase hat Vera Stühler in ihrem Schwabinger Garten geschaffen. Um die Efeu-Fassade des Nachbarhauses links will sie kämpfen.

Sie könnte als Musterbeispiel für Stadtbegrünung dienen. Doch eine prächtig mit Efeu bewachsene Fassade in Schwabing soll nun zerstört werden, um Wärmeschutz anzubringen. Die Nachbarn wehren sich.

München - Genau wie ihre Großeltern vor 97 Jahren sitzt Vera Stühler gerne auf ihrer Terrasse in der Isoldenstraße 1 (Schwabing) und beobachtet die Fledermäuse an der efeuumrankten Wand des Nachbarhauses. Nun soll die 40 Zentimeter dicke Begrünung durch ein modernes Wärmedämmsystem ersetzt werden. Die Eigentümergemeinschaft – vertreten durch die Sollner Grundbesitzverwaltung GmbH – will die Ostwand des Mehrfamilienhauses isolieren. Sie will Stühler per Gerichtsverfahren zwingen, ihr grünes Biotop zu entfernen. „Man hört ja ständig von irgendwelchen bösen Nachbarschaftsstreitigkeiten“, sagt Stühler. „Aber dass ich selbst mal in einen verwickelt sein könnte, hätte ich nicht für möglich gehalten.“

Genau 45 Jahre ist es jetzt her, dass die beiden westlich an Stühlers Grundstück angrenzenden Villen abgerissen und durch das Mehrfamilienhaus ersetzt wurden. Nun blickte die Familie auf eine 14 Meter hohe tote Wand. „Der Anblick des weißen Ungetüms ist schon für meine Eltern unerträglich gewesen“, erzählt Stühler. Deshalb habe die Familie mit dem Bauträger ausgehandelt, die Wand mit Efeu zu begrünen. „Leider ist die Vereinbarung damals nicht ins Grundbuch eingetragen worden.“ Heute, ungezählte Arbeitsstunden und tausende Euro später, ist aus der weißen Wand eine grüne Oase geworden. Ein Paradies für Eichhörnchen, Spechte und Fledermäuse. Damit das auch so bleibt, hat Stühler versucht, ihren Nachbarn die Wärmedämmung auszureden. Erst mündlich, dann schriftlich – „ohne Erfolg“. Christian Pfeffer von der Sollner Grundbesitzverwaltung schildert die Sache anders. Auch die Gebäudeeigentümer hätten vor einiger Zeit versucht, eine gütliche Einigung zu erzielen. Dies sei aber „an überzogenen finanziellen Forderungen der Nachbarin gescheitert.“ „Es ist bedauerlich, dass zum einen bezahlbarer Wohnraum mit moderaten Nebenkosten gefordert wird, zum anderen aber sinnvolle Energieeinsparungsmaßnahmen durch gerichtliche Auseinandersetzungen unnötig hinausgezögert werden“, so Pfeffer. Der Rest des Hauses sei schon modernisiert, nur die Ostwand sei noch nicht gedämmt. Die Fassade nach der Dämmung erneut zu begrünen sei nicht vorgesehen – „und auch nicht gewünscht“, sagt Pfeffer unmissverständlich.

„Totaler Quatsch“, findet Stühler. Ihrer Ansicht nach ist die Dämmung „völlig überflüssig“. Schließlich hätte der frühere Architekt „sogar der Eigentümergemeinschaft versichert, dass der östliche, von der Wetterseite abgewandte Gebäudekomplex keine Dämmung braucht.“ Außerdem habe sie sich bei der Münchner Umweltorganisation Green City beraten lassen und erfahren, dass Efeu hervorragende isolierende Eigenschaften besitzt. Auch wenn ihr wohl ein schwieriger Prozess bevorsteht, will Vera Stühler um ihre grüne Oase kämpfen. „Der einzige Weg zur Mauer führt durch meinen Garten“, sagt die Schwabingerin. „Und den lasse ich mir von niemandem kaputt machen.“

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