Einen Tag lang für Fußgänger geöffnet

Der Isar-Boulevard kommt – zumindest ein bisschen

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Von der Stadtautobahn zum Fußgänger-Boulevard will Benjamin David den Straßenzug am westlichen Isarufer machen – zumindest für einen Tag.

Der Isar-Boulevard kommt wohl doch – aber zunächst nur als Test. Der Verein Isarlust möchte die Straßen entlang des Flusses, zwischen Brudermühlbrücke und Kennedybrücke einen Tag lang für Fußgänger öffnen.  Rathaus-Politiker scheinen einverstanden.

München - Sperrung dürfe man nicht sagen. Sagt Benjamin David. „Wir wollen ja nichts sperren, sondern im Gegenteil die Isar-Parallele für Fußgänger öffnen.“ Das hatte der Vorsitzende des Vereins Isarlust mit den Urbanauten bereits 2013 gemacht, an einem Tag war die Wittelsbacherstraße im Abschnitt zwischen Wittelsbacher- und Reichenbachbrücke den Fußgängern vorbehalten. Eine Wiederholung gab es bislang nicht, 2015 war der Isar-Boulevard aus Kostengründen nicht zustande gekommen. „Wir wollten die Veranstaltung an vier Tagen, also an zwei Wochenenden durchführen, die Kosten hätten wir nicht refinanzieren können, weil wir keine Gastronomie anbieten und auch keine Sponsoren auf kommerziellen Bühnen haben wollen“, sagt David.

Für dieses Jahr nun hat David, diesmal mit dem Verein Isarlust, das Konzept verändert, freilich auch befeuert durch die aktuelle Debatte über einen dauerhaften Isar-Boulevard (wir berichteten). Der temporäre soll nur an einem Samstag oder Sonntag angeboten werden, dafür aber länger werden – von der Brudermühlbrücke bis zum Ende der Ifflandstraße, eine Strecke von insgesamt 4,5 Kilometern. Die Kosten will David hauptsächlich mit Zuschüssen der Bezirksausschüsse und einer Crowdfunding-Kampagne decken.

4,5 Kilometer hat David als potenzielle Boulevard-Strecke ausgemacht.

Der Verein hat dazu am Freitag drei Anträge gestellt. Unter anderem eben für einen temporären Isar-Boulevard, sonntags von 10 bis 18 Uhr oder samstags von 14 bis 22 Uhr. „Das ist die verkehrsärmste Zeit“, sagt David. Vorstellbare Tage wären der 6. oder 7. Juli sowie als Ersatztermine der 13. oder 14. Juli. Der Isar-Boulevard wird zudem als Kunstprojekt, beziehungsweise als Versammlung unter freiem Himmel beantragt.

Am Montag soll in den Fraktionen beraten werden. Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) sagte auf Anfrage: „Ich begrüße die Idee sehr, dass die Isar für die Münchner eine möglichst große Nutzungsqualität hat. Und für einen Tag werden Autos dann mal ausweichen müssen. Ich werde der Fraktion am Montag vorschlagen, dem Projekt zuzustimmen.“ Eine Aussage über eine dauerhafte Einrichtung eines Boulevards entlang der Isar sei daraus aber nicht abzuleiten. „Es geht jetzt ausschließlich um einen Tag“, sagt Frank. Mit der Einrichtung eines dauerhaften Boulevards beschäftigt sich der Stadtrat wohl Mitte März.

SPD kann sich die Idee „grundsätzlich vorstellen“

Die Grünen würden sowohl der dauerhaften als auch der temporären Flaniermeile zustimmen. „Jeden Versuch, im Sommer oder im Frühjahr mal auszuprobieren, wie es ist, den Menschen die Strecke als Flaniermeile zurückzugeben, begrüßen wir“, sagt Grünen-Chef Florian Roth. Die SPD kann sich die Idee auch „grundsätzlich vorstellen“, wie Fraktionschef Alexander Reissl sagt. „Die Frage ist, was dann dort passiert? Wer flaniert denn bitte nur an Rechtsanwaltskanzleien vorbei? Das halte ich für ein wenig sinnfrei.“

Der Verein Isarlust will aber keine Bühnen oder Gastronomie, es soll kein zweiter Corso Leopold werden. Isarlust-Chef David sagt außerdem, es sei wichtig, „dass Anwohner weiterhin zu ihren Häusern kommen oder Tiefgaragen angefahren werden können. Die Querung über die Brücken, also der Ost-West-Auto-Verkehr, ist weiterhin möglich.“ Man könnte auch sagen, die Straßen werden nicht gesperrt. Aber das ist darf man ja nicht.

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