Legionellen-Alarm

Münchnerin klagt gegen Hausverwalter: „Mein Wasser hat mich krank gemacht“

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Notburga von Mendelssohn (62) zeigt die Dusche in ihrem Bad.

München - Die 62-jährige Notburga von Mendelssohn zerrt ihren Hausverwalter vor Gericht. Dieser soll eine schwere Erkrankung der Schwabingerin wegen Pflichtverletzungen mitverursacht haben.

Dass man krank wird durch sein eigenes Haus: Mit diesem Schicksal hätte Notburga von Mendelssohn (62) niemals gerechnet, als sie in die Klementinenstraße zog. Seit vielen Jahren ist sie in Schwabing glücklich. Aber 2013 änderte sich ihr Leben. Aufgrund einer Legionellen-Infektion erkrankte von Mendelssohn schwer. „Ich hatte eine Lungenentzündung“, sagt sie. „Monatelang litt ich unter Fieber, Schwäche und Atemnot. Und das Schlimmste war: Ich wusste noch nicht einmal, wie ich mir das eingefangen hatte.“

Bis sie endlich einen Grund fand: „Mein Wasser hat mich krank gemacht“, sagt sie. „Die Leitungen waren von Legionellen befallen.“ Die Gefahr sei längst bekannt gewesen, glaubt sie. „Doch der Hausverwalter hat mich nicht informiert.“ Ihn verklagt sie nun am Amtsgericht. In dem Zivilprozess, der gestern begonnen hat, fordert von Mendelssohn insgesamt 85 000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld. Denn rund ein Jahr lang konnte sie nach der Infektion nicht mehr arbeiten. Mit ihrem Mann führt sie seit 1988 eine Chirotherapie-Praxis in Johanneskirchen, die auch Sportstars wie Usain Bolt aufsuchen.

Behördliches Duschverbot

Im Prozess geht es um das Jahr 2013. „Es gab sogar ein behördliches Duschverbot. Darüber wurde unsere Mandantin aber erst im Oktober informiert“, sagen die Anwälte Alexander Walther und Martin Klimesch. „Zehn Monate lang war sie also der vollen Gefahr ausgesetzt.“

Bis heute leidet die Schwabingerin unter den gesundheitlichen Folgen. „Ich habe schweres Asthma“, sagt von Mendelssohn. Schuld daran soll auch der Hausverwalter sein. Laut den beiden Klage-Anwälten hat er „schwere Pflichtverletzungen begangen.“ Sie bemängeln auch, dass es keine Trinkwasser-Untersuchung gegeben hat.

Das streitet der Hausverwalter allerdings ab. Zum Prozess gestern war er persönlich geladen und wehrte sich gegen die Vorwürfe. „Mir war kein Fall einer Legionellen-Erkrankung in diesem Haus bekannt“, sagte er. Und argumentierte auch, dass von Mendelssohn sich die Infektion ebenso gut im Urlaub eingefangen haben könnte – und eben nicht in ihrem Haus.

Tatsächlich ist das der entscheidende Punkt vor Gericht: Dass die Erkrankung auf die Wasserleitungen zurückzuführen ist, muss Notburga von Mendelssohn beweisen. Zum einen vom Ursprung her: Dass ein Legionellen-Befall vorgelegen hat. Und auch in der Kausalität: Dass sie durch die Legionellen krank wurde. Laut Richter ist das „nicht so einfach.“ Er schlug einen Vergleich vor, den der Hausverwalter zunächst kategorisch ablehnte. Gegen Ende des Prozesses näherten sich die Parteien dann aber doch an. Wohl auch aufgrund der Tatsache, dass die Grenzwerte für Legionellen den Normwert überschritten haben sollen. Nun will der Richter bis zum 31. Mai ein schriftliches Vergleichsangebot vorlegen. Stimmen beide Parteien zu, erhält von Mendelssohn einen Geldbetrag. Wenn nicht, müssen mehrere Gutachter aussagen.

Das Haus in der Klementinenstraße in Schwabing.

Stichwort: Legionellen

Diese Bakterien leben im Wasser, bis jetzt sind rund 50 Arten bekannt. Gefährlich ist vor allem die oft auftauchende Legionella pneumophila, die Erreger der Legionärskrankheit ist. Sie kann zur mitunter lebensgefährlichen Lungenentzündung führen. Legionellen sind zwischen fünf bis 55 Grad Celsius lebensfähig und kommen etwa in Wassertanks und Boilern, Luftwäschern von Klimaanlagen, Schwimmbädern und Kliniken vor. Die Übertragung findet übers Wasser statt.

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Andreas Thieme

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