Wende im Streit um Lärm

Eltern-Kind-Zentrum Schwabing: Dramatischer Aufstand der Mamas

Demo vor dem Gerichtsgebäude: Die Mütter mit ihren Kindern.

Sie wollen doch nur spielen – und mit ihren Mamas und anderen Kindern Spaß haben. Doch auch nach sieben Jahren Gerichtsstreit steht die Zukunft des Eltern-Kind-Zentrums (Elki) Schwabing auf der Kippe.

München - Bislang sah das Münchner Landgericht Elki im Recht. Ein Rentner-Ehepaar klagte jetzt erneut über zu viel Lärm. Jetzt könnte der Fall eine dramatische Wende nehmen. Eine Gruppe von Müttern hatte sich mit ihren Zwergerln und selbst gebastelten Schildern extra zu einer kleinen Demo vor dem Gericht getroffen. Der Kampf um den Erhalt von Elki könnte sich aber noch drei weitere Jahre hinziehen, erklärt Anwalt Alexander Erb (Anwaltskontor) auf tz-Nachfrage. Vordergründig gehe es jetzt gar nicht mehr so sehr darum, ob die Kinder zu laut sind – sondern darum, ob das Eltern-Kind-Zentrum überhaupt eine Genehmigung für eine derartige Einrichtung hat!

In der Nutzungsordnung des Wohnhauses steht demnach zwar, dass Gewerbeflächen grundsätzlich erlaubt sind. Das Eltern-Kind-Zentrum ist nach Auffassung des Gerichts aber „kein Laden“. Alexander Erb ist der Meinung, das Gericht mache sich die Entscheidung zu einfach: „Wir werden auf jeden Fall in Berufung gehen. Denn wir sind der Meinung, dass die Nutzung für alle gewerblichen Zwecke erlaubt ist.“

Bereits im Jahr 2012 landete der Fall vor Gericht. Damals entschied das Landgericht noch zu Gunsten von Elki. Doch die Kläger – zu der Zeit noch acht Anwohner – gingen in Berufung. Das Oberlandesgericht schob den Fall zurück ans Landgericht – mit der Auflage, Beweise für eine Beeinträchtigung durch zu viel Lärm zu liefern. Das ist nun hinfällig.

Das Elki ist ein Treffpunkt von Eltern oder Großeltern mit Kindern aller Nationen ab 0 Jahren. „Wir haben eine bunte Mischung an Angeboten“, erklärt Vorsitzende Lara Mosdal. Die Angebote umfassten Teilzeit-Kinderbetreuung, Flohmärkte, Kurse (wie Musik oder Zumba) bis hin zu Spielgruppen, ehrenamtlich geführt von Müttern. „Wir sind eine kleine Integrations-Maschine“, erklärt Mosdal. Finanziert werde das Zentrum zum Teil vom Stadtjugendamt und vom Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS), sowie von eigenen Aktionen, Caféeinnahmen oder kleinen Beiträgen der Eltern.

Was es von anderen Mütterzentren in München unterscheidet: Die Teilnahme an den offenen Treffs ist kostenlos. Mosdal: „Wir sind eigentlich auch in der Gegend sehr beliebt, fast alle – bis auf die Kläger – sind happy mit uns.“

Anwalt Alexander Erb ist sicher: „Das Urteil wird kommen.“ Er und das Elki wollen aber nicht aufgeben: „Ich bin überrascht, wie so eine Wende zustande kommt!“ Aber für eine Einrichtung, die Kindern und Eltern zugute kommt, lohne es sich, weiterhin zu kämpfen.

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