Kritik am Verfahren

Fall Gurlitt: Mollath-Anwalt ist misstrauisch

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Freiheit erkämpft: Gustl Mollath (l.) mit Anwalt Gerhard Strate.

München - In den Fall Cornelius Gurlitt schaltet sich nun der Anwalt von Justiz-Opfer Gustl Mollath ein. Er äußert gegenüber der tz enorme Bedenken und findet dieses Verfahren "höchst ungewöhnlich".

Der Fall Cornelius Gurlitt: Seit der Besitzer des millionenschweren Kunstschatzes von Schwabing unter Betreuung steht, hagelt es Kritik an der bayerischen Justiz! Kommentatoren in seriösen Internetforen wittern einen handfesten Skandal – und auch Gerhard Strate, der Anwalt von Justiz-Opfer Gustl Mollath, äußert gegenüber der tz enorme Bedenken: „Dieses Verfahren ist höchst ungewöhnlich, es gibt zu jedem Misstrauen Anlass!“

Gurlitt, der am heutigen Samstag 81 Jahre alt wird, liegt seit einigen Tagen im Krankenhaus. Am 12. Dezember öffnete die Polizei seine Wohnung am Artur-Kutscher-Platz, nachdem der Sammler nicht auf das mehrmalige Klingeln reagiert hatte (tz berichtete). Dem 80-Jährigen fehlte zwar nichts, dennoch wurde er in der Folge „vorsichtshalber“ in ein Krankenhaus gebracht.

Tatsache ist: Gurlitt befindet sich nicht freiwillig in der Klinik! Denn nach Angaben des Amtsgerichts-Präsidenten Gerhard Zierl veranlassten dort die Ärzte, den etwas eigenwilligen Patienten unter Betreuung zu stellen. „Damit er in der Klinik bleibt“, wie Zierl betont. Die Maßnahme sei aus „gesundheitlichen Gründen“ erfolgt. Und deshalb gebe es an dem Verfahren auch keinerlei Anlass zur Kritik: „Wir handelten ausschließlich im Sinne des Betroffenen“, so Zierl.

Nazi-Raubkunst: Werke aus dem Gurlitt-Fund

Nazi-Raubkunst: Werke aus dem Gurlitt-Fund

Vier der insgesamt 25 Werke aus dem spektakulären Münchner Kunstfund, die seit 11.11.2013 online einsehbar in der Lostart-Datenbank aufgelistet sind. Juristen nehmen an, dass es sich bei den Bildern um Nazi-Raubkunst handelt. © dpa
Hans Christoph: "Paar", Aquarell, 1924. © dpa
Eugène Delacroix: "Conversation mauresque sur une terrasse", undatierte Bleistiftzeichnung. © dpa
Carl Spitzweg: "Das Klavierspiel", Zeichnung, um 1840. © dpa
Antonio Canaletto: "Sa. Giustina in Prà della Vale" in Padua, Druckgrafik, 1751/1800. © dpa
Max Liebermann: "Reiter am Strand", Gemälde, 1901. © dpa
Christoph Voll: "Mönch", Aquarell, 1921. © dpa
Fritz Maskos: "Sinnende Frau", Druckgrafik, 1922. © dpa
Conrad Felixmüller: "Paar in Landschaft", Aquarell, 1924. © dpa
Wilhelm Lachnit: "Mann und Frau am Fenster", Aquarell, 1923. © dpa
Otto Griebel: "Die Verschleierte", Aquarell, 1926. © dpa
Antonio Canaletto: "Sa. Giustina in Prà della Vale" in Padua, Druckgrafik, 1751/1800. © dpa
Ludwig Godenschweg: "Männliches Bildnis", undatierte Druckgrafik. © dpa
Otto Dix: "Dompteuse", Aquarell, 1922. © dpa
Auguste Rodin: "Etude de femme nue debout, les bras relevés, les mains croisées au-dessus de la tête", undatierte Zeichnung. © dpa
Bonaventura Genelli: "Männlicher Akt", undatierte Zeichnung. © dpa
Erich Fraaß: "Mutter und Kind", Aquarell, 1924. © dpa
Henri Matisse: "Sitzende Frau / In einem Sessel sitzende Frau", Gemälde, um 1924 © dpa
Wilhelm Lachnit: "Mädchen am Tisch", 1923. © dpa
Marc Chagall: "Allegorische Szene", Gemälde. © dpa
Bernhard Kretschmar: "Straßenbahn", Aquarell. © dpa
Christoph Voll: "Sprengmeister Hantsch", Zeichnung, 1922. © dpa
Théodore Rousseau: "Vue de la vallée de la Seine", undatierte Zeichnung. © dpa
Ludwig Godenschweg: "Weiblicher Akt", undatierte Druckgrafik. © dpa
Die Bilder sind außerdem zu sehen unter www.lostart.de. © dpa

Der auf Betreuungsrecht spezialisierte Münchner Anwalt Alexander Frey sagt: „Der ganze Schlammassel wäre Gurlitt erspart geblieben, hätte er rechtzeitig eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung verfasst.“ In diesem Fall hätte Gurlitt einen Anwalt seines Vertrauens wählen können. So aber ist Gurlitt bis zur Fertigstellung eines Gutachtens einem Anwalt ausgeliefert. Dieser Betreuer bestimmt etwa auch über das Vermögen Gurlitts. Die Sammlung mit über 1400 Kunstwerken hat die Staatsanwaltschaft Augsburg im Frühjahr 2012 beschlagnahmt. Gurlitt will alle seine Bilder zurück.

Mollath-Anwalt Strate hält den Beschluss „für eine Botschaft, die kein Vertrauen erweckt“. Die Internet-Kommentare sind noch drastischer formuliert – drei Beispiele aus faz.net: „Gestern Mollath, heute Gurlitt, morgen Du?“, schreibt Manfred M. „In Deutschland wird das Betreuungsrecht über alle Maßen strapaziert. Da müssen endlich Riegel vorgeschoben werden“, meint Veronika P. Und Carlos A. vermutet „eine dubiose Verbindung zwischen Ärzten und Richtern“.

Eberhard Unfried

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