Dr. Jan N. vor Gericht

Der Feuer-Arzt bedrohte Nachbarn mit Messer

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Links: Dr. Jan W. (50) am Dienstag in Anstaltskleidung vor Gericht – das Verfahren wegen Bedrohung wurde eingestellt. Rechts: Rauchschwaden dringen aus der Dachgeschosswohnung in der Clemensstraße.

München - Mit gesenktem Kopf sitzt Dr. Jan N. (50) auf der Anklagebank. Ganz leise antwortet er auf die Frage der Richterin nach seinem Familienstand: „Noch verheiratet.“ Noch.

Jan N., einst ein gut beschäftigter Hausarzt, hat in den vergangenen Tagen alles verloren. Seit Donnerstag sitzt er in Stadelheim in Untersuchungshaft. Er soll seine eigene Wohnung in Schwabing angezündet haben (tz berichtete). Jetzt wird klar: Der Mediziner steht nicht zum ersten Mal im Fokus der Ermittler. Dass er nur fünf Tage nach seiner Festnahme gestern vor Gericht erscheinen musste, hat nämlich nichts mit dem Verdacht der schweren Brandstiftung zu tun – sondern damit, dass Jan N. vor Monaten einen Nachbarn mit einem Messer bedroht haben soll.

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Das Opfer des Vorfalls am 15. Juli kam am Dienstag ebenfalls zum Prozess ins Amtsgericht. Wie der Münchner Merkur berichtet, erinnert sich der 44-Jährige noch gut. Vor dem Wohnhaus an der Clemensstraße traf er gegen 23.30 Uhr auf Jan N., der ihn beschimpfte – und plötzlich mit einem Messer in der Hand auf ihn zukam. Offenbar hatte er sich über das Parkverhalten seines Nachbarn geärgert. „Ein paar Zentimeter weiter, und ich hätte das Messer im Bauch gehabt“, schildert der. Er erstattete Anzeige wegen Bedrohung, der Fall sollte gestern verhandelt werden. Doch angesichts des neuen Verfahrens wegen Brandstiftung kam es gar nicht erst dazu. Die Richterin stellte den Bedrohungs-Fall nach wenigen Minuten ein. Begründung: „Das bevorstehende Verfahren birgt eine erhebliche Straferwartung.“

Der Haftbefehl wegen der schweren Brandstiftung bleibt von dieser Entscheidung unberührt, Jan N. sitzt also weiterhin in U-Haft. Die Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass der Arzt am Abend des 22. Januar den Kleiderschrank im Schlafzimmer mit einem Feuerzeug angezündet hat. In der 120-Quadratmeter-Wohnung lebte er mit seiner Frau (31) und dem gemeinsamen Kind (2) zur Miete. Kurz bevor das Feuer ausbrach hatten Nachbarn aus der Wohnung im dritten Stock lauten Streit gehört, dann fuhren Frau und Kind davon.

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Der 44-Jährige, der von Jan N. bedroht worden ist, hat solche Szenen öfter beobachtet: „Es gab ständig Geschrei in der Wohnung“, sagt er. Schon einmal sei die Polizei mit mehreren Wagen vor Ort gewesen, alarmiert von der Ehefrau. Immer wieder sei es im Treppenhaus zum Streit zwischen der Familie und anderen Nachbarn gekommen: „Das Verhältnis war von Anfang an schwierig.“ Jan N. sei von Seiten der Vermieterin mittlerweile gekündigt worden. Die Nachbarn sind froh, dass ihnen bei dem Brand nichts passiert ist: „Er hat in Kauf genommen, dass wir sterben“, sagt der 44-Jährige.

Ann-Kathrin Gerke

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