Naturschützer sind besorgt

Fröttmaninger Heide: Warum Goldfische das Ökosystem bedrohen

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Tümpel in der Fröttmaninger Heide sind keine geeignete Heimat für Goldfische. Im Gegenteil: Die Zierfische können dazu beitragen, dass bereits gefährdete Tierarten, die hier einen Rückzugsort gefunden haben, aussterben. Tiere in Naturschutzgebieten auszusetzen, ist deshalb verboten.

400 Goldfische sind aus einem Tümpel in der Fröttmaninger Heide gefischt worden. Der Heideflächenverein Münchner Norden schlägt Alarm: Die illegal eingesetzten Tiere seien eine Gefahr für das Naturschutzgebiet und die dort lebende, sehr seltene Wechselkröte.

München - Als das Wasser aus dem seichten Tümpel in der Fröttmaninger Heide abgepumpt war, kamen sie zum Vorschein: Eimerweise Goldfische. 400 Stück waren es am Ende. Spaziergänger hatten die Tiere, die eigentlich in heimische Aquarien oder Teiche gehören, vergangenes Jahr im Herbst im Naturschutzgebiet im Münchner Norden entdeckt. „Sie sind ein riesiges ökologisches Problem“, sagt Christine Joas, Geschäftsführerin des Heideflächenvereins. „Sie bedrohen die seltene und gefährdete Population der Wechselkröte in der Heide.“ Die Fische fressen den Laich und die Larven, aber auch die Kaulquappen von Amphibien – und sie können sich auf andere Gewässer der Heide ausbreiten.

Weil die Goldfische erstaunlicherweise auch die strenge Frostperiode im Winter im Schlamm am Boden des Tümpels überstanden hatten, wurden sie in den vergangenen Tagen vom Biotoppfleger Christian Köbele vom Landesbund für Vogelschutz abgefischt. An anderer Stelle dürfen sie nicht ausgesetzt werden. Einzig die Reptilienauffangstation und Zoos nehmen Goldfische auf – letztere allerdings zur Verfütterung.

Vermeintliche Tierliebe bringe manchen Teichbesitzer dazu, Goldfische in Amphibientümpeln auszusetzen, sagt Martin Hänsel, Vize-Chef des Bund Naturschutz München. Fische einzusetzen könne jedoch ganze Ökosysteme zerstören. „Diese Menschen ahnen gar nicht, was sie für einen Schaden anrichten“, betont Hänsel. Erst vor zwei Jahren sei dasselbe im Kammmolch-Biotop in der Aubinger Lohe passiert, berichtet er. Damals wurden 500 Goldfische abgefischt. „Eine kleine Anzahl reicht schon aus, um den Erfolg jahrelanger Schutzbemühungen für Frösche, Kröten und Molche zunichte zu machen.“

Der Biotoppfleger Christian Köbele hat in den vergangenen Tagen für den Heideflächenverein 400 Goldfische aus einem der Tümpel gekeschert, aus dem er das Wasser abgelassen hatte.

Joas appelliert an alle Tierhalter: „Wir hoffen sehr, dass jetzt nicht noch mehr Leute auf die Idee kommen, Fische auszusetzen.“ Hänsel mahnt, wer sich ein Tier anschaffe, müsse sich der dauerhaften Verantwortung dafür bewusst sein. „Im Notfall muss man seine Goldfische eben weiterverkaufen oder verschenken“, sagt er. Nach der Naturschutzgebietsverordnung ist es verboten, in Gebieten wie der Fröttmaninger Heide Pflanzen einzubringen und Tiere auszusetzen. Wer sich nicht daran hält, wird polizeilich verfolgt. Der Heideflächenverein bittet Besucher der Heide sogar, sich an die Polizei zu wenden, wenn sie Menschen dabei beobachten, wie diese Tiere aussetzen.

Ausgesetzte Haustiere leben auch anderswo in der Stadt, meist sorgen sie aber nicht für größere Probleme. So gibt es etwa im Westpark einige Hauskaninchen, die sich aber in die Wildkaninchenpopulation eingefügt haben, wie Hänsel weiß. „Da gibt es keine Probleme.“ Einst als Haustier gekaufte Rotwangenschildkröten lebten in einigen Gewässern der Stadt, die tief genug sind, berichtet Hänsel weiter. „Auch hier halten sich die Auswirkungen in Grenzen.“ In Laim habe er außerdem selbst schon Bekanntschaft mit einem wild lebenden Halsbandsittich gemacht, sagt der Tierschützer – ein Papagei, der sicher einmal ein Zuhause hatte.

Die illegal ausgesetzten Fische hatten trotz Dauerfrost und Eisdecke den Winter im Schlamm des Tümpels überlebt.

Der heimischen Vogelwelt zum Problem werden könnten dagegen eingeschleppte Waschbären. Vereinzelt sollen sie auch in der Landeshauptstadt leben, die Feuerwehr hat wohl schon einzelne Exemplare aus misslicher Lage befreit. „Wenn ihre Population zunimmt, könnten sie als Kletterer und Allesfresser bei den Münchner Vögeln richtig aufräumen“, warnt Martin Hänsel.

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