Jetzt drohen höhere Mietpreise

GBW-Schock: Konzern verkauft 4500 Wohnungen

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Die GBW-Briefe gingen u.a. an die Mieter in der Clemensstraße.

München - Die GBW verkauft in und um München 11.000 Wohnungen. Der Mieterverein ist geschockt und die Mieter plagen Existenzängste. Auch Noch-OB Ude ist verärgert.

Ausverkauf bei der GBW! Der Mieterverein muss einmal mehr Alarm wegen der einstmals sozialen Wohnungsgesellschaft schlagen. 32.000 Wohnungen in Bayern, davon 11.000 in und um München: Viele Mieter plagt die Existenzangst, seit die Bayerische Landesbank nach ihrem Milliarden-Debakel das Unternehmen an ein Konsortium unter Führung des Patrizia-Konzerns verhökert hat. Offenbar nicht zu Unrecht: 1500 Wohnungen darf die GBW nach der so genannten „Sozialcharta“ im Jahr abstoßen – und so kommt es in den nächsten drei Jahren laut Mieterverein nun auch. 4500 Apartments werden zum Verkauf stehen. Die Mieterschützer fürchten: Vor allem lukrativen Immobilien in den Ballungsräumen wie München und Nürnberg werden verkauft!

Die GBW bestätigt das nicht direkt: „Wir prüfen kontinuierlich, wo wir Wohnungen und Wohnanlagen verkaufen. Der An- und Verkauf von Wohnungen gehört seit vielen Jahren zum aktiven Portfoliomanagement“, erklärt eine Sprecherin. Details über laufende und zukünftige Verkäufe gebe es nicht.

Ude: "Freistaat hat Kasse gemacht – und der Mieter zahlt die Zeche"

Der Mieterverein ist geschockt: „Genau das, was wir befürchtet haben, ist nun eingetreten. Die GBW-Mieter müssen um ihre Wohnungen fürchten. Die vielgelobte Sozialcharta bringt den Menschen überhaupt nichts. Sie müssen nun mit Modernisierungen und massiven Mieterhöhungen rechnen!“, warnt die Vorsitzende Beatrix Zurek (SPD).

Finanzminister Markus Söder (CSU) betont dagegen, dass die Sozialcharta für die Mieter auch im Fall von Wohnungsverkäufen weiter gelte. „Die Sozialcharta gibt es, und die muss eingehalten werden“, sagte Söder in München. „Verkauf bricht nicht Recht.“ Die Landesbank hatte die GBW verkauft, um einen Teil ihrer Zehn-Milliarden-Spritze an den Freistaat zu erstatten.

Das ärgert Noch-OB Christian Ude: „Der Freistaat hat Kasse gemacht – und der Mieter zahlt die Zeche.“ Immerhin: Wenn Immobilien in München versilbert werden sollen, hat die Stadt ein Vorkaufsrecht – mit fünf Prozent Preisaufschlag! Bislang hat die Stadt es mehrfach genutzt: Jetzt scheinen die nächsten Häuser in Schwabing auf den Stadtsäckel zuzukommen …

Das sind die Sorgen der Mieter

Das GBW-Schreiben an die Mieter in der Clemensstraße klingt wie die Werbung einer Bausparkasse: „Der Erwerb einer Wohnung hat viele Vorteile. Die Finanzierungszinsen sind so niedrig wie noch nie.“ Dabei will die Immobiliengesellschaft vorfühlen, wie viele zum Kauf bereit wären. Die tz sprach mit den Mietern über die Briefe und ihre Sorgen.

Bea

Wohnung wird zu teuer

Brigitte (67) und Dietrich Breuning (74) sind seit Jahrzehnten GBW-Mieter.

Nach der Rückkehr aus dem Urlaub bekamen Brigitte (67) und Dietrich Breuning (74) einen Schreck. Im Postkasten lag der GBW-Brief mit dem Angebot, ihre Mietwohnung kaufen zu können. „Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet. Nach dem Verkauf vor einem Jahr hieß es, dass alles so bleibt“, erzählt das Rentner-Paar. Die Breunings haben auf dem Antwortschreiben zwar Interesse am Kauf bekundet, glauben aber nicht, dass sie sich die Immobilie leisten können. „Die Quadratmeterpreise in diesem Viertel bewegen sich bei rund 5500 Euro. Unsere 100-Quadratmeter-Wohnung wird wahrscheinliche eine halbe Million Euro kosten“, befürchtet Dietrich Breuning. Er und seine Frau leben seit drei Jahren in der Clemensstraße. Auch davor waren sie schon 36 Jahre lang GBW-Mieter. „Bisher waren wir immer zufrieden“, sagen die beiden.

Noch ist der Mietpreis erträglich

Mangold Marther lebt seit fast 30 Jahren zusammen mit seiner Frau in der GBW-Wohnanlage.

Seit fast 30 Jahren leben Mangold Marther (76) und seine Frau (72) bereits in der Schwabinger GBW-Anlage. „Wir fühlen uns hier wohl. Ein Umzug kommt nicht in Frage“, sagt der Rentner. Vor einigen Tagen flatterte auch ihm das Angebot der GBW ins Haus. „Ich habe dort angerufen, um mich über den Kaufpreis zu informieren, aber man konnte mir keine Auskunft geben. Nur, dass wir erst in ein paar Monaten mehr erfahren“, erzählt er. Bisher bezahlt der Rentner für seine 85-Quadratmeter-Wohnung 720 Euro Kaltmiete. „Das liegt im erträglichen Rahmen. Auch mit einer Erhöhung könnte ich noch leben“, sagt Marther. Angst vor astronomisch hohen Mietpreisen hat er nicht: „Ich hoffe einfach, dass die Stadt noch eingreifen kann.“

Ich habe schon damit gerechnet

Eine Überraschung war das neuste Schreiben der GBW für Irene Jahn wahrlich nicht. „Wir haben uns gleich nach dem Verkauf der Wohnungen über die Patrizia informiert und damit gerechnet, dass sie hier Gewinn machen will. Der Brief bestätigt das nur“, sagt die 48-jährige Zahnärztin.

Zahnärztin Irene Jahn

Bisher haben sie und ihr Ehemann (62) nicht darauf geantwortet. „Natürlich haben wir überlegt, ob ein Kauf möglich ist. Aber wir gehen davon aus, dass die Wohnungen hier über dem eigentlichen Wert verkauft werden sollen“, meint Jahn. Denn der Wohnblock wurde bereits in den 50er-Jahren gebaut und ist nicht kernsaniert.

Familie Jahn lebt schon seit 1995 in der Clemensstraße. „Wir fühlen uns in der Anlage sehr wohl. Hier lebt es sich fast wie in einem kleinen Dorf“, sagt die Mieterin. Der Kaufpreis für die Sechs-Zimmer-Wohnung könnte aber leicht eine halbe Million Euro übersteigen. „Das können wir uns nicht leisten, obwohl wir gut verdienen“, sagt Jahn. Sie hat sich nun an den Mieterverein gewandt.

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