Ab November bezahlt die Stadt

Kälteschutz: Obdachlose sollen künftig gratis zur Bayernkaserne fahren können

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Ab November beginnt wieder das Kälteschutz-Programm der Stadt in der Bayernkaserne. 

Ab November beginnt wieder der Kälteschutz. Ab da sollen Obdachlose mit Gratistickets für U-Bahn, Bus und Tram zur Bayernkaserne gelangen, wo sie die kalten Nächte verbringen können. 

Am 1. November beginnt wieder der Kälteschutz – mit bedeutenden Verbesserungen: Künftig sollen alle Obdachlosen Gratis-Tickets zur Bayernkaserne erhalten. Damit will das Sozialreferat erreichen, dass weniger Menschen draußen übernachten und womöglich erfrieren. Am Donnerstag berät dazu der Sozialausschuss.

Lockert den Kurs: Sozialreferentin Dorothee Schiwy.

Vergangenen Winter schliefen pro Nacht durchschnittlich 333 Menschen im Kälteschutz, insgesamt waren es 60.346 Übernachtungen. Laut Sozialreferat bedeutet dies im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang – während zugleich immer mehr Obdachlose auch bei Minusgraden nachts im Freien blieben: in Hauseingängen, Unterführungen, Zelten, unter Brücken. Dies stellte die Arbeitsgruppe Wildes Campieren fest. Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) schreibt in der Vorlage: „Problematisch ist, dass immer mehr potenzielle Kälteschutz-Klienten das Übernachtungsangebot nicht nutzen, weil sie sich die Fahrkarte von der Innenstadt zur Bayernkaserne – Hin- und Rückfahrt 5,60 Euro – nicht leisten können oder wollen.“

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Viele fuhren Schwarz, um dorthin zu kommen

Seit Jahren wird das Thema von vielen Seiten angesprochen. Laut der Beratungsstelle „Schiller 25“ des Evangelischen Hilfswerks sagen viele Klienten, sie könnten keine Fahrkarte bezahlen. Den Satz „no ticket – no sleeping“ (kein Ticket – kein Schlafen) hörten die Mitarbeiter oft. Zudem haben viele Obdachlose durch wiederholtes Schwarzfahren Schulden angehäuft. OB-Gattin Petra Reiter, Schirmherrin des Netzwerks Wohnungslosenhilfe, hatte sich für Freifahrscheine ausgesprochen, „damit die Menschen nicht kriminalisiert werden“. Die Rathaus-Grünen hatten im Januar einen Antrag gestellt. Gratis-Tickets gab es bisher nur in Härtefällen für alte oder sehr kranke Menschen.

Nun sollen alle Obdachlosen, die ohne Rechtsanspruch auf Unterbringung hier leben – knapp die Hälfte waren zuletzt Rumänen und Bulgaren –, spezielle Tickets bekommen, die nur für diese Strecke und nur in einem bestimmten Zeitfenster gelten. Wegen dieser Einschränkungen kann die MVG sie für 1,66 Euro pro Stück bereitstellen. Die Stadt kalkuliert mit 500 Personen pro Nacht, insgesamt 90.000 Übernachtungen. Die Gesamtkosten von rund 300.000 Euro für diesen Winter sollen aus dem Restbudget des Kälteschutzes gezahlt werden und danach dauerhaft beantragt werden.

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Auch Alleinstehende dürfen jetzt länger bleiben

Noch etwas wird leichter: Bisher wurden Alleinstehende von der Schiller 25 jeweils für drei, Familien für sieben Tage eingewiesen. Künftig erhalten auch Alleinstehende eine Einweisung für sieben Tage.

Lockert Schiwy damit den einst harten Kurs ihrer Amtsvorgängerin Brigitte Meier (SPD) – und schafft sie damit nicht neue Anreize für Armutszuwanderer? „Hier geht es um eine pragmatische Lösung“, sagte sie unserer Zeitung. „Von Anreizeffekten zu sprechen, wäre hier sehr weit hergeholt.“ Tatsächlich könne das Kälteschutzprogramm „nur dann vollumfänglich nützlich sein, wenn die Betroffenen es auch tatsächlich nutzen“. Der Kälteschutz läuft bis einschließlich April täglich von 17 bis 7 Uhr.

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Christine Ulrich

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