Mieter in Sorge

Kampf um die Wagnerstraße 1: Abriss verboten – aber die Angst bleibt

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Sie kämpfen um ihr Zuhause: Franziska Bauer, Birgit Sasowski und Marie Banck vor dem Haus Wagnerstraße 1. 

Etappensieg für die Mieter in der Schwabinger Wagnerstraße 1: Die Stadt hat den Abriss des Hauses aus denkmalschutzrechtlichen Gründen für nicht zulässig erklärt. Die Angst, ihr Zuhause zu verlieren, ist den Menschen dadurch aber noch nicht genommen.

München - Die Haustür ziert ein Aufkleber. „Make Schwabing Great Again“, steht darauf. Eine ironische Anspielung auf den Slogan, der US-Präsidenten Donald Trump zum Erfolg führte, aber auch darauf, dass zumindest in diesem Haus schon lange nichts mehr so richtig „großartig“ ist. Denn um die Zukunft der Wagnerstraße 1 tobt seit über zwei Jahren ein Kampf zwischen Mietern und Investor. 2014 wechselte das Haus den Besitzer. Für die Bewohner war lange unklar, was das für ihr Zuhause bedeuten sollte. Bis ihnen ein Brief des Investors ins Haus flatterte. Von einem Abriss und einer Beendigung der Mietverhältnisse war darin die Rede.

Doch so einfach wollten das Mieter und Anwohner der „Wagnerburg“, wie das Haus hier liebevoll genannt wird, nicht hinnehmen. Sie gründeten die Bürgerinitiative „Pro Schwabing“, die sich für den Erhalt des Hauses an der Wagnerstraße 1 und des unmittelbaren Nachbarn, der Wagnerstraße 3, einsetzte.  Denn auch für den Nachbarbau, der der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag gehört, war damals ein Abriss vorgesehen.

Rund 7000 Unterschriften sammelte die Initiative für ihr Anliegen. In Eigenrecherche versuchten die Bewohner, die Denkmalwürdigkeit des Haus nachzuweisen. Auch bei Bezirksausschuss und Behörden wurde Pro Schwabing immer wieder vorstellig. „Das Thema ist natürlich wahnsinnig komplex, und wir sind da ziemlich unwissend hineingeworfen worden“, erzählt Marie Banck, Mieterin in der Wagnerstraße 1. „Aber wir haben auch ziemlich großen Zuspruch von vielen Leuten erhalten.“

Einen ersten Erfolg verbuchte die Gruppe im vergangenen Jahr, als der Gebäudekomplex in das „Ensemble Altschwabing“ aufgenommen wurde. Zu verdanken hatte Pro Schwabing das einer Initiative von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), der auch Abgeordneter im Bezirksausschuss Schwabing Freimann ist. Der Ensemble-Schutz macht einen Abriss zwar nicht unmöglich, knüpft ihn aber an wesentlich strengere Bedingungen.

Lesen Sie hier: Appell von Kabarettist Wolff - „Bitte rettet das alte Schwabing“

Vergangene Woche hat die Stadt nun den Abriss untersagt. Er sei aus denkmalschutzrechtlichen Gründen nicht zulässig, ließ das Planungsreferat den Eigentümer wissen. Das Gebäude, so die Einschätzung der Behörde, sei sanierungsfähig. Damit ist das Neubau-Projekt vom Tisch. Die Bürgerinitiative Pro Schwabing und die Mietergemeinschaft freuen sich über diese Entscheidung und begrüßen sehr, dass die Stadt München die Bedeutung des Gebäudes im Ensemble Altschwabing gewürdigt hat. Doch Jubel will nicht aufkommen, denn gesichert ist die Zukunft der Mieter in der „Wagnerburg“ damit nicht. Der Eigentümer, so befürchten sie, könne darauf abzielen, das Gebäude extrem zu entkernen. Das wäre für das Fortbestehen der Mietergemeinschaft verheerend.

Dass die Mieter nicht wissen, wie es mit ihrem Zuhause weitergeht, geht an die Substanz. „Das ganze Leben wird davon beeinflusst. Viele Pläne für die Zukunft werden dadurch lahmgelegt“, sagt Banck. Dabei ginge es, zumindest aus Sicht von Pro Schwabing, auch anders. Die Gewofag hat inzwischen bekannt gegeben, die Wagnerstraße 3 nicht abreißen zu wollen. Stattdessen soll das Gebäude nun „behutsam und mieterfreundlich saniert“ werden. „Mit der Gewofag gab es wirklich sehr gute und konstruktive Gespräche“, berichtet Birgit Sasowski, Sprecherin von Pro Schwabing. Mit dem Investor aus der Wagnerstraße 1 sei Ähnliches jedoch bisher schwierig gewesen.

Wie lange der Kampf um die Wagnerstraße noch dauern wird, ist derzeit nicht absehbar, aber zumindest Sasowski meint: „Ich bin zuversichtlich“. Vielleicht wird das neue Jahr für die Bewohner der Wagnerstraße 1 also doch noch richtig großartig.

Annika Schall

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