Öffentlicher Buchschrank

Der kleine Buchverkehr am Nordbad

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Uni-Dozent Martin Lau (34) greift beherzt zu: „Hier gibt’s für jeden Geschmack etwas“.

Das Buch lebt! Das beweist zumindest der öffentliche Bücherschrank vorm Nordbad in Schwabing. Fast alle finden das Projekt gut.

Das Buch zählt zu den bedrohten Arten? Pah! Der neue Hanser-Chef Jo Lendle hat ja gesagt, dass der Buchmarkt noch immer so viel Umsatz macht wie Kino, Musik und Computerspiele zusammen – fast zehn Milliarden Euro im Jahr. Und wie sehr das Buch lebt, kann man an jeder Ecke sehen. In unserem Fall: Ecke Elisabeth-/Schleißheimer Straße vorm Nordbad in Schwabing.

Hier steht Münchens erster Bücherschrank, den der Verein Offene Bücherschränke Schwabing-West ins Leben gerufen hat und aufpasst, dass kein Schund – Publikationen von Rechten oder Sekten – platziert wird. Läuft das Projekt gut, sollen weitere Bücherschränke im Viertel folgen.

Der Erfolg scheint den Machern recht zu geben. Wir waren am Donnerstag vor Ort und sahen staunend, dass immer wieder Menschen stehenbleiben, Bücher mit nach Hause nehmen und ihre eigenen in den Schrank stellen – so soll das sein, so muss das sein. Bücher von allen für alle.

Und wie kommt’s an? Alle bis auf eine Ausnahme finden die Aktion toll: Martin Lau (34) ist Uni-Dozent und ist sicher, dass das Projekt in Schwabing gut klappt: „Gerade hier haben ja viele Buchhandlungen schließen müssen.“ Ingrid Schneider (74) ist extra aus Berg am Laim gekommen, um Bücher zu bringen und welche mitzunehmen. Gisela Seeberger (80) ist ein Bücherwurm, liebt Thriller und liest mindestens zwei Schwarten pro Woche. „Da ist für jeden was dabei“, schwärmt sie.

Skeptisch ist Wolfgang Boelter (56). Der Produktmanager sagt: „Ich stelle mit Erschrecken fest, dass viele etliche alte Bücher auf diese Weise entsorgen. Die Qualität lässt nach, und ich bin mir sicher: Nächste Woche stehen hier Körbe voller alter Bücher herum!“

M. Bieber

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