Stuttgart: Gericht will Diesel-Fahrverbot ab Januar

Stuttgart: Gericht will Diesel-Fahrverbot ab Januar

Er hortete den Kunstschatz

Hier geht Gurlitt in Schwabing einkaufen

+
Cornelius Gurlitt in einem Schwabinger Einkaufszentrum.

München - Bisher waren nur Bilder von seinen gehorteten Kunstwerken zu sehen. Nun gibt es auch ein Foto von dem Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt, wie er durch die Münchner Innenstadt spaziert.

Hier kauft Herr Gurlitt ein. Einkaufen und die Gurlitt-Dynastie, das hat ja eine gewisse Tradition. Der Vater des 79-jährigen Cornelius Gurlitt, Hildebrand, handelte fürs Dritte Reich mit Kunst. Güldene Zeiten waren das. Mittlerweile ist eher Golden Toast angesagt, die kleine Packung. Cornelius Gurlitt, jener elegante Rentner, der in seiner Schwabinger Wohnung einen unglaublichen Bilderschatz von 1406 Werken mit einem Schätzpreis von einer Milliarde Euro hortete, scheint außerdem Fanta gerne zu mögen. In seinem Einkaufskorb finden sich weiterhin Zitronen und Bananen.

Allerdings: Kultur verpflichtet, käuflich erworben sind die Lebensmittel natürlich nicht in einem Discounter, sondern dem Feinkostladen Perfetto im Karstadt, Leopoldstraße 82, an der Münchner Freiheit.

Apropos Freiheit: Wie es mit Deutschlands berühmtesten, bis vor Kurzem unauffindbaren Kunst-Phantom weitergeht – die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt ja wegen Steuerhinterziehung und Unterschlagung –, ist noch ein großes (Bilder-)Rätsel. Gut möglich, dass durch die vertrackte Rechtsprechung der Bilder-Erbe seine Schätze behalten kann. Denn: Ein Gesetz, das ihn zur Rückgabe etwaiger Nazi-Raubkunst verpflichtet, existiert nach wie vor nicht.

Die kostenlose tz-online.de-App:

App für iPhone/iPad

App für Android

Die kostenlose merkur-online.de-App:

App für iPhone/iPad

App für Android

Deutschlands einstiges Kunst-Phantom, von dem die Augsburger Staatsanwaltschaft partout den momentanen Aufenthaltsort nicht wissen wollte, hat Journalisten aus ganz Europa heiß gemacht. Das französische Magazin Paris Match veröffentlichte als erstes einen Schnappschuss Gurlitts, die SZ hat ihn vor der Haustür erwischt. Viel sagen wollte Gurlitt nicht, die Öffentlichkeit scheut er wie der Teufel das Weihwasser. Nur so viel: Mit dem Taxi, seinem bevorzugten Verkehrsmittel, ist er mit Rollkoffer am Dienstag aufgebrochen. „Keine Sorge, ich komme bald zurück“, beruhigte der Grandseigneur der Gemälde. „Ich bin auf dem Weg nach Würzburg zum Arzt.“

Und was er zum Medienecho sagt, das er hervorgerufen hat? Ganz altmodisch: „Das alles ist eine große Büberei.“ Soll heißen: ein Bubenstreich. Fragt sich, wer der Bube ist – die Medien oder Gurlitt.

Kaufender Gurlitt, raufende Politik: Der Druck auf die Augsburger Behörden mit ihrer Verschleierungs- und Häppchentaktik bei der Veröffentlichung der Gemälde wächst weiter. Eine von der Regierung eingesetzte Task Force aus mindestens sechs Fachleuten unterstützt nun das Berliner Forschungsteam um Meike Hoffmann, der Berliner Anwalt und Kunstexperte Peter Raue appelliert auf eine schnellstmögliche Einigung mit Cornelius Gurlitt: „Eine Grundsatzvereinbarung könnte jetzt die Rückgabe der Kunstwerke an berechtigte jüdische Familien sehr vereinfachen.“

Und Gurlitt? Hat in die saure Zitrone gebissen: „Ich habe alles der Staatsanwaltschaft übergeben“, sagt er der SZ. Und die macht seitdem Millionen Menschen sauer.  

M. B. / We

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht
Ganz schön schräg: Palme löst Polizeieinsatz auf Odeonsplatz aus
Ganz schön schräg: Palme löst Polizeieinsatz auf Odeonsplatz aus

Kommentare