Anwohner sind besorgt

Das ist Münchens gefährlichster Radweg

+
Hier wird’s gefährlich: Radlfahrer in beiden Richtungen, dazu der Fußweg.

München - Es ist ein frischer Tag im Herbst – leichter Wind, die Straße ist feucht. Ausgerechnet hier, wo wir eh schon an Münchens wohl gefährlichstem Radweg stehen!

Von beiden Seiten rauschen Radler vorbei, Fußgänger sind oft im Gänsemarsch unterwegs. Der Grund: Eine Großbaustelle auf dem ehemaligen Met­ro-Gelände direkt gegenüber. Vor etwa drei Monaten hat das Kreisverwaltungsreferat den stadtauswärts führenden Radweg auf die gegenüberliegende Straßenseite (Johann-Fichte-Straße bis Leopoldstraße 207) verlagert. Die Folge: Radverkehr in zwei Richtungen und weniger Platz für Fußgänger.

Anwohner Walter Betz wurde angefahren.

Die Anwohner machen sich Sorgen. „Die Radfahrer sind viel zu schnell unterwegs! Wir erleben hier täglich mindestens eine brenzlige Situation“, klagt Hans S. (49). Mit dieser Meinung ist er nicht allein. „Ich wurde angefahren und dann auch noch wüst beschimpft“, klagt Walter Betz (62). „Zum Glück bin ich in dieser Situation nicht gestürzt. Die Mountainbiker sind hier viel zu schnell unterwegs. Das waren sie natürlich früher auch – jetzt haben die Fußgänger aber keine Ausweichmöglichkeiten mehr.“ Auch in einem Ärztehaus an der Straße ist man verärgert. „An der Situation muss sich etwas ändern“, sagt Hausmeister Stefan Brünner. „70 Prozent unserer Patienten sind über 50, der Großteil hat eine leichte Gehbehinderung – besonders für die Rollstuhlfahrer ist die neue Regelung eine Zumutung.“ Früher stand hier noch dazu ein Fahradständer: ein großes Ärgernis!

Die Baustelle auf dem ehemaligen Metro-Gelände.

Immerhin: Der Radlständer ist mittlerweile entfernt worden – aber eng und gefährlich bleibt’s. Und am gegenläufigen Radweg will das KVR nicht rütteln. „Wir werden die Situation im Auge behalten, so gut es geht“, sagt KVR-Sprecherin Daniela Schlegel. Die Regelung wird voraussichtlich noch mehrere Monate beibehalten. Bis dahin müssen sich die Anwohner mit der Situation zufrieden geben. Die Anwohner fürchten: Es wird bestimmt bald einen Unfall geben – an Münchens wohl gefährlichsten Radweg.

Ohne Rücksicht

Dieter Jackels (63), Lufthansa-Angestellter, München: "Die Radfahrer schießen hier vorbei und nehmen keine Rücksicht. Bis jetzt ist noch nichts wirklich Schlimmes passiert, das wird aber sicher kommen. Ich denke, dass es im Winter mit dem Schnee noch schlimmer wird. Seit 28 Jahren wohne ich jetzt hier – aber so was habe ich noch nie erlebt. Ich finde, man sollte den Autos eine Spur nehmen, damit hier wieder Platz ist."

Und sowas nennt sich Radlhauptstadt

Philip Schmedes (35), Fahrradkurier, München: "Ichmusste an dieser Stelle schon mal richtig scharf bremsen, sonst wäre sicher was passiert. Es ist einfach so eng hier. Ich habe wirklich kein Verständnis dafür, dass es so gelöst würde. Auf der anderen Seite ist doch immer noch genug Platz! In der eigentlichen Radlhauptstadt München herrscht noch dringender ­Verbesserungsbedarf. Das Problem ist, dass auch die Fußgänger nicht über die Regelung hier Bescheid wissen."

Sarah Brenner, Florian Fussek

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit

Kommentare