Melitta und die Millionen-Angst

Nach Bombenräumung: Münchnerin (74) fürchtet finanziellen Ruin

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Zeigt das einstige Idyll: Melitta Meinberger mit einem Foto von ihrem früheren Garten vor der Baustelle.

Vor über anderthalb Jahren wurde unter Melitta Meinbergers Garten hochexplosive Munition beseitigt. Seither steht im Raum, dass die Anwohnerin einen Teil der rund 1,7 Millionen Euro für die Kampfmittelbergung bezahlen soll.

München - Im März 2017 veränderte sich Melitta Meinbergers Leben komplett. Damals wurden bei Grabungen in ihrem Garten am Zwergackerweg in Freimann rund 15 Tonnen Weltkriegsmunition gefunden. Die gefährlichen Fundstücke wurden beseitigt, ein Dutzend scharfer Granaten mussten vor Ort gesprengt werden. Rund 1,7 Millionen Euro kostete die Kampfmittelbergung. Die Stadt hatte die Kosten zwar übernommen – aber nur vorläufig. Lediglich 500 000 Euro trägt sie tatsächlich – darin enthalten sind auch die Kosten für die damalige Hotel-Unterbringung der Anwohner. Den Rest – über eine Million – fordert die Stadt zurück. Womöglich auch von Meinberger.

Stadt wartet auf Post vom Ministerpräsidenten

Zunächst hatte sich die Kommune wegen der Kostenrückerstattung aber an Bund und Freistaat gewandt. Der Bund hat jetzt eingelenkt: Es gebe eine „positive Nachricht“, teilte Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle auf eine Anfrage der CSU-Stadtratsfraktion mit: Von den Aufwendungen in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro übernehme der Bund „einen erheblichen Anteil“. Wie hoch der ist, bleibt allerdings unter Verschluss. Zudem wartet die Stadt auch noch auf Post vom Ministerpräsidenten. Bereits Ende Juli habe OB Dieter Reiter (SPD) an Markus Söder (CSU) geschrieben und ihn gebeten, dass der Freistaat „in diesem besonderen Fall zu einer finanziellen Entlastung der Grundstückseigentümer beiträgt“. Verpflichtet dazu ist der Freistaat nicht.

80.000 Euro für Wiederherstellung des Gartens

Sobald Söders Antwort da ist, will die Verwaltung eine Vorlage zur Verteilung der Kosten erarbeiten und dem Stadtrat zum Beschluss vorlegen. Die Angelegenheit soll in einer nicht-öffentlichen Sitzung behandelt werden. Erst dann wird Meinberger erfahren, ob und wie viel sie zahlen soll. Eine riesige Belastung für die alte Dame. Als Eigentümerin soll sie zudem die Wiederherstellung ihres Gartens bezahlen. Ihr Anwalt Florian Englert schätzt die Kosten auf 80.000 Euro.

Mehr zum Thema: Ein Jahr nach dem Bombenfund - Melittas Leben auf der Baustelle

Englert sagt, dass er von der Stadt über den aktuellen Sachstand noch nicht informiert worden sei. „Ich gehe erst mal davon aus, dass wir meine Mandantin da schon rausbringen werden.“ Man werde zunächst das Ergebnis des Stadtratsbeschlusses abwarten und dann gegebenenfalls in Verhandlungen mit der Stadt treten. „Erst außergerichtlich, nötigenfalls auch gerichtlich.“ Für Englert ist klar, dass der Bund die Kosten tragen muss: „Er ist rechtlich der Nachfolger des Deutschen Reichs. Und bei dem Fund handelt es sich um reichseigene, nicht alliierte Munition.“

Lesen Sie auch: Eine Million Euro: Sie soll für Munitionsfund blechen - und steht vor dem Ruin

Daniela Schmitt

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„Schwabing – mein Viertel“

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