Täter seit Mittwoch vor Gericht

Messer-Attacke! Student schwebte in Lebensgefahr

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Das Roxy in der Leopoldstraße: Hier geschah die Tat.

München - Erst pöbelten sie ihn in einer Schwabinger Bar an, dann stach einer der beiden Männer den Studenten Juri K. (Name geändert) in die Brust. Jetzt startete der Prozess.

Nervös knetet Jakob S. seine Hände, bis die Knöchel weiß hervorstehen. Dann senkt er den Kopf und spricht leise: „Mein Kumpel war in Gefahr, ich hatte Angst. Ich stach nur zu, um ihm zu helfen.“ So erklärte der 20-jährige am Mittwoch vor Gericht seinen Mordversuch! In der Schwabinger Bar Roxy hatte er Juri K. (24, Name geändert) am 22. April 2014 mit einem Schweizer Taschenmesser attackiert (wir berichteten). Die Klinge traf den Studenten mitten in die Brust und verletzte eine Arterie.

„Der Mann schwebte in Lebensgefahr. Nur eine Not-Operation hat ihn gerettet. Sie müssen endlich dazu stehen, was Sie getan haben“, schimpft Jugendrichter Reinhold Baier im Prozess gestern. Denn Jakob S. als auch sein Kumpel Mamadou S. (19), angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchen sich mit ihren Aussagen gegenseitig zu decken – aber widersprechen sich immer wieder.

Wegen versuchten Mordes angeklagt: Jakob Sc. (20, r.). Mamadou S. (l.) rangelte mit dem Opfer.

Vor der Tatnacht hatten sich beide angeblich im Westpark getroffen, tranken Bier und rauchten einen Joint. Abends fuhren sie ins Roxy, um feiern zu gehen. Gegen 2.57 Uhr geraten sie laut Anklage in Streit mit Juri K., der vor der Bar raucht. „Hau ab“, schreit Mamadou S. immer wieder. Im anschließenden Gerangel soll Jakob S. seinem Opfer mitten auf der Leopoldstraße wuchtig in die Brust gestochen haben. „Es war nur eine kurze Bewegung nach vorne. Ich wollte ins Bein treffen. Es ging alles sehr schnell“, behauptet S. zitternd auf der Anklagebank. „Mit dem Messer wollte ich den Typen nur verwunden, aber niemals töten.“ Wie er das Messer hielt, wohin sein Stich traf, wohin er dann geflohen ist: All das erzählt der Angeklagte immer wieder anders – und reizt den Richter.

Noch in der Tatnacht stoppt ein Streifenwagen die beiden in einer Schwabinger Seitenstraße. „Ich habe einen abgestochen“, sagte Jakob B. laut Polizeiverhör. In seiner Wohnung finden Beamte mehrere Messer und einen Totschläger. Er selbst sagt: „Ich gehe Konflikten aus dem Weg.“

Nicht in diesem Fall: Von dem Angriff trug Juri K. eine üble Narbe davon. „Ich weiß nicht, wie ein Streit so eskalieren kann. Ich rangelte mit dem einen, da stach der andere mich in den Bauch.“ Blut lief an seinen Beinen hinab. „Mir wurde warm und schwindelig. Ich stand unter Schock.“ Eine Woche blieb er in der Klinik.

Vor Gericht nimmt Juri K. am Mittwoch die Entschuldigung der beiden Täter an. Ihnen droht Knast.

Andreas Thieme

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