Konzern will sichtbarer werden

Microsoft plant die neue Arbeitswelt

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Schweben über der Baugrube: Microsoft-Deutschland-Chef Christian Illek (r.) und Investor Helmut Röschinger.

München - Microsoft baut mit Hochdruck an seiner neuen Deutschlandzentrale in München. Im Mai 2016 soll das Gebäude an der A9 – nahe den Zwillingstürmen – bezugsfertig sein. Am Dienstag wurde der Grundstein in der elf Meter tiefen Baugrube gelegt.

Für Microsoft hat die Verlegung der Firmenzentrale von Unterschleißheim nach München drei große Gründe: das Bekenntnis zum Standort München, ein zukunftsweisendes Arbeitsumfeld für die Mitarbeiter und schließlich die Sichtbarkeit für Kunden. So fasste es Deutschland-Chef Christian Illek bei der Grundsteinlegung zusammen. Sichtbar für viele Autofahrer wird die Glasfassade der siebenstöckigen Baukörper auf alle Fälle sein. Das neue Betriebsgelände liegt unweit der Autobahn in der Parkstadt Schwabing. Verwantwortlicher Planer und Eigentümer des Grundstücks ist der Bauträger Argenta, der die Immobilie an Microsoft vermieten wird und auch die Parkstadt entwickelt hat. Man habe lange gesucht, um den richtigen Mieter zu finden, sagte Helmut Röschinger, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe. Der Mietpreis blieb geheim. Die Investitionen für die Baumaßnahme betragen laut Röschinger mehr als 100 Millionen Euro.

Illek betonte, bei der Gestaltung der insgesamt 26 000 Quadratmeter Bürofläche (das entspricht etwa dreieinhalb Fußballfeldern) stehe eine moderne Arbeitsumgebung für die 1900 Beschäftigten im Mittelpunkt.

Zukunftsweisendes Arbeiten bedeutet für ein IT-Unternehmen wie Microsoft immer weniger stationäre Arbeitsplätze. Illek sprach „von offenen Bürowelten ohne feste Arbeitsplätze und mit großzügigen Meetingräumen“. Unlängst hatte Microsoft eine Betriebsvereinbarung geschlossen, wonach es den Beschäftigten selbst überlassen ist, ob sie von unterwegs, von zu Hause oder vom Büro aus arbeiten. Auch feste Arbeitszeiten gibt es nicht. Vernetzt sind die Mitarbeiter über eine Cloud, in der alle Unternehmensdaten gespeichert sind. Für den IT-Manager Illek sieht so das Büro der Zukunft aus, „eine neue Welt des Arbeitens“ mit lichtdurchfluteten Begegnungszonen und begrünten Terrassen.

Während die Stadt München sich über die Ansiedlung des Weltkonzerns freut, ist es für den Gewerbestandort Unterschleißheim einRückschlag. Microsoft zählt dort zu den großen Gewerbesteuerzahlern. Von einem Betrag im einstelligen Millionenbereich ist die Rede. Der Leiter des Münchner Wirtschaftsreferats, Josef Schmid (CSU), nannte den Neubau indes ein „wichtiges Signal für den Wirtschaftsstandort“. Dass sich ein Weltkonzern aus so einer innovativen Branche bewusst entscheide, nach München reinzugehen, könne auch eine Strahlkraft auf andere Unternehmen entwickeln. München sei keine Insel der Glückseligen, so Schmid. „Wir müssen uns darum bemühen, dass wir die Arbeitsplätze auch morgen und übermorgen hier haben.“

Der zweite Bürgermeister betonte aber vorsorglich, dass der Umzug des Konzerns nichts mit einer möglichen Rückkehr des Rathaus-Computerbetriebssystems von Linux auf Microsoft zu tun habe. Schmid hatte in den vergangenen Wochen immer wieder kritisiert, dass es mit dem Linux-System zu Problemen komme. Die Stadt prüft derzeit eine Rückkehr zu Windows, dem Betriebssystem von Microsoft. Christian Illek sagte: „Es würde uns natürlich freuen, aber die Entscheidung liegt bei der Stadt München.“

Klaus Vick

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