Heftige Kritik auch von der CSU

Schwabinger Mieter mit den Nerven am Ende: „Stadt lässt uns gnadenlos absaufen“

Viel zu lange schon Land unter: In Schwabing kämpfen einige Anwohner mit vollstehenden Kellern.
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Viel zu lange schon Land unter: In Schwabing kämpfen einige Anwohner mit vollstehenden Kellern.

Seit über einem Jahr stehen in Schwabing rund 40 Keller unter Wasser. Trotz einer stattgegebenen Petition unternimmt die Stadt nichts. Ab Donnerstag soll aber neuer Schwung in die Sache kommen.

München - Das dauerhafte Röhren einer Wasserpumpe stört die Stille. Der modrige Geruch von kaltem, feuchtem Beton liegt in der Luft. Anwohner und Lokalpolitiker stehen mit Gummistiefeln in einem Mini-See – dort, wo eigentlich Autos parken sollten. Seit gut einem Jahr drückt hier an der Genter- sowie an der Osterwaldstraße (Schwabing*) immer wieder Grundwasser in die Keller.

Viele Anwohner sind verzweifelt. Jeden Tag werden sie aufs Neue mit dem Problem konfrontiert. Es gibt kein Entkommen: Die Keller von rund 40 Gebäuden sind hier, wie berichtet, überflutet, nachdem der Grundwasserspiegel in einem Jahr um rund 50 Zentimeter stieg. Die Gründe dafür sind vielfältig: etwa Verdichtung durch Neubauten, Aufstau am Regenüberlaufkanal. Die Anwohner sind sich aber einig: So kann es nicht weitergehen. Sie fordern die Stadt München* auf, zu handeln.

München: Anwohner bezahlen Pumpen aus eigener Tasche - Landtag winkt Petition durch

Dass Keller volllaufen, ist in dem denkmalgeschützten Haus an der Genter Straße, das 1971 vom preisgekrönten Milbertshofener Architekten Otto Steidle gebaut wurde, schon seit 2015 der Fall. Seit Mai 2020 ist der See im Tiefgeschoss aber der Dauerzustand. „Am 10. Juni 2020 stand auch bei uns in der Osterwaldstraße das Wasser im Keller“, erzählt Hausbesitzer Wolfgang Dirrigl. Sein Großvater hatte das Haus 1938 errichtet. 1987 kam ein Lagerraum dazu. Nie gab es Probleme, bis Juni 2020. Für tausende Euro ließ Dirrigl alles sanieren und von einer Spezialfirma abdichten. Doch die Maßnahmen müssen pausieren. Seit zwei Wochen sind die Wände schon wieder feucht. Er schimpft: „Die Stadt lässt uns gnadenlos absaufen.“

Die Anwohner haben schon einiges gegen den Hochwasser-Horror unternommen. Aus eigener Tasche bezahlten sie Pumpen. Einer Petition gab der Bayerische Landtag einstimmig statt. „In meinen zweieinhalb Jahren im Landtag ist das nur dieses eine Mal passiert“, sagt Christian Hierneis, der umweltpolitische Sprecher der Grünen. Damit wird die Stadt aufgefordert, die Überflutung zu stoppen. Aber: Nichts ist passiert – seit genau 131 Tagen.

CSU spricht von „Multiorganversagen“

Von Multiorganversagen spricht Robert Brannekämper (CSU). Der Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst droht, wegen der Schädigung eines Denkmals Strafanzeige gegen das Baureferat zu stellen.

Vonseiten des für das Grundwasser zuständigen Referats für Klima- und Umweltschutz heißt es, „die Starkregenereignisse haben sich nicht negativ auf die Wasserstände im Bereich Genter Straße ausgewirkt. Die Pegelstände befinden sich nach wie vor im erwartbaren Schwankungsbereich.“ Welche Maßnahmen nun von wem ergriffen werden, soll in einem Mediationsverfahren, das am Donnerstag startet, erörtert werden. - PHILLIP PLESCH - *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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