Immer mehr Geschäfte schließen

Alt-OB Ude ist besorgt: Ladensterben an der Hohenzollernstraße

Schon geschlossen oder bald zu: Diese Bilder zeigen nur einige Beispiele aus der Hohenzollernstraße. 

Die Hohenzollernstaße ist ein Herzensstück Schwabings. Doch mittlerweile verschwinden immer mehr kleine Läden in dem Gebiet. Der Online-Handel zieht den kleine Läden die Kunden ab - die Mieten steigen gleichzeitig ungebremst.

Die Hohenzollernstaße ist ein Herz­ensstück Schwabings. Die Leute, das Quirlige, die kleinen Geschäfte… Doch wenn man in diesen Tagen von der Leopoldstraße in Richtung Kurfürstenplatz schlendert, merkt man: Da hat sich zuletzt viel geändert. Immer mehr kleine, inhabergeführte Läden stehen leer oder müssen bald schließen. Wo sich Boutiquen, Feinkosthändler und Schuhgeschäfte aneinanderreihten, macht sich Leere breit. Statt Werbetafeln für neue Produkte sehen wir große Schilder in den Schaufenstern. „Totaler Räumungsverkauf“ , „Alles muss raus“ und „Zu vermieten“ lesen wir da. Diejenigen Ladenbesitzer, die diesem Trend trotzen, wissen, wieso ihre Nachbarn immer weniger werden. Susanne Welsch, Inhaberin der Boutique Auftritt, sagt: „Das Ganze hat schon vor einigen Jahren begonnen, aber momentan wird es wirklich schlimm hier. Eines der Probleme ist, dass die großen Konzerne und Discounter viel Ware für wenig Geld anbieten. Ich halte mich nur noch durch meine langjährigen Stammkundinnen und meinen umfangreichen Service.“ Und Ingrid Staab, Betreiberin der 1937 gegründeten Strumpf-Tante, sagt: „Wie sollen sich manche denn hier noch halten bei den Mietpreisen? In einigen Häusern sind die Mieten exorbitant. Man muss Großverdiener sein, um sich das noch leisten zu können.“

Juwelier Marvin Amersdorffer (27) findet: „Dass hier so viele wegmüssen, ist klar. Der Online-Handel nagt am Umsatz. Die Leute sehen im Schaufenster eine Uhr und schauen gleich im Handy nach, ob es einen Anbieter im Netz gibt, bei dem sie sie billiger bekommen. Wo werden sie dann wohl einkaufen…?“

Susanne Welsch von der Boutique „Auftritt“ sagt: „Jetzt wird es wirklich schlimm“

Nicht nur die Ladenbesitzer sehen die Veränderungen als großes Problem. Alt-Oberbürgermeister Christian Ude (71, SPD) ärgert sich vor allem über die Hausbesitzer: „Manche Eigentümer meinen, dass ein Haus in Schwabing förmlich eine Goldgrube sein muss. Je näher man dann noch an die Leopoldstraße kommt, umso aberwitziger sind die Mietpreise. Und da stehen wir dann vor der Katastrophe, dass es für gewerbliche Mietverhältnisse keinen Mieterschutz gibt, nicht mal der Wucherparagraf kann da noch greifen. Der Wahnsinn daran ist, dass die damit Schwabing kaputtmachen und entwerten. Wenn irgendwann nur noch große Ketten in der Hohenzollernstraße sind, hat das Viertel keinen Eigencharakter mehr und zieht auch nur noch Massenpublikum an.“

Ingrid Staab von der Strumpf-Tante beklagt „exorbitante Mieten“ in einigen Häusern

SPD-Kollege Albrecht Schmidt (72), Mitglied des Bezirksausschusses, sagt: „Ich vermute, dass die Mieterhöhungen und der Strukturwandel im Einzelhandel schuld an dem Ladensterben in der Hohenzollernstraße sind…“

Felicitas Bogner

Das sagt der Experte

Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbandes Bayern, bestätigt, dass kleine Läden in den Stadtteilen zunehmend unter Druck geraten. Der Online-Handel und der Trend in Richtung Filialisten beschleunige diese Gefahr. Doch Ohlmann spricht auch von Krokodilstränen. „Die Münchner stimmen mit ihrem Einkaufsverhalten ab.“ Klar sei, dass die Schere zwischen Groß und Klein immer weiter auseinandergehe. kv

Alt-OB Christian Ude lebt in Schwabing

Lesen Sie auch: Komplex wird abgerissen, 53 entsetzte Mietparteien müssen raus: „Unanständiges Vorgehen“

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