Szenenapplaus für „Separatisten“

Aufruhr bei Bürgerversammlung: Verzweifelte Münchner fordern eigenen Stadtteil

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Ist Schwabing-Freimann zu groß? Bürger fordern einen neuen Stadtteil - unter anderem Antragssteller Walther Mantel.

In einem Münchner Stadtteil rumort es gerade gewaltig. Bürger fordern einen neuen Stadtteil - sie wollen raus aus Schwabing. Was steckt eigentlich dahinter?

München - „Dieser Stadtbezirk ist viel zu groß!“, ruft Walther Mantel in den Saal der Bürgerversammlung Freimann. „Wir werden weiter wachsen, spätestens wenn das neue Stadtviertel auf dem Gelände der Bayernkaserne zu Freimann stößt. Wir brauchen einen eigenen Stadtbezirk.“ Für seinen Vorschlag erhielt er Szenenapplaus. Die Mehrheit der rund 350 Besucher auf der Bürgerversammlung unterstützte auch bei der Abstimmung den Antrag.

Schwabing - Freimann: „Die beiden Stadtteile haben völlig unterschiedliche Probleme“

Walther Mantel lebt seit Jahrzehnten in Freimann und engagiert sich für mehr Gerechtigkeit für das Viertel. „Die beiden Stadtteile haben völlig unterschiedliche Probleme. Schwabing ist bis auf einige kleinere Projekte fertig gebaut. In Freimann dagegen haben wir noch viele Gestaltungsmöglichkeiten.“ Insgesamt würden aber in den lokalpolitischen Debatten die Freimanner Themen viel zu kurz kommen, dabei gebe es viele Probleme im Münchner Norden. Die schwierige Verkehrsanbindung der ehemaligen Bayernkaserne sei eines davon. „Alle sprechen immer davon, dass wir uns als Bevölkerung miteinander verzahnen müssen. Ein möglicher Ort der Begegnung, wie das beantragte neue Schwimmbad für die Bayernkaserne, wird dann aber abgelehnt und auch vom Bezirksausschuss nicht weiter verfolgt.“ Ein eigener BA könnte laut dem ehemaligen IT-Ausbilder dazu führen, dass sich mehr Freimanner Bürger im Stadtviertel engagieren.

Schwabing - Freimann: Wer bekommt den Vorzug?

Insbesondere warf Walther Mantel dem Bezirksausschuss (BA) vor, dass bevorzugt Schwabinger Themen bearbeitet würden: „Das liegt vielleicht daran, dass die meisten BA-Mitglieder in Schwabing wohnen und nur wenige in Freimann. Es ist naheliegend, dass man dann die Freimanner Themen nur mit halbem Herzen verfolgt.“

Die Kritik kommt – wenig überraschend – im BA nicht so gut an. Das langjährige Mitglied Petra Piloty (SPD) sagt auf Anfrage, dass in fast jeder Bürgerversammlung in Freimann derartige Kritik geäußert würde. Doch auch dieses Mal habe es Gegenstimmen gegeben. „Allein dies zeigt doch, dass der BA Schwabing nicht bevorzugt“, sagt Piloty und meint sogar: „Wir beschäftigen uns zu fast 70 Prozent mit Freimanner Themen.“

Patric Wolf (CSU) wohnt in der Osterwaldstraße und damit unmittelbar an der Grenze zwischen Schwabing und Freimann. Seit 1996 ist er im BA dabei und kann ebenfalls keine Schwerpunktsetzung feststellen. „Wir haben im BA einen eigenen Regionalausschuss Freimann. Dieser spricht vor jeder Sitzung die Freimanner Themen noch einmal genau durch.“ Zudem werde selbst beim Budget auf eine genaue Aufteilung zu gleichen Teilen geachtet.

Großer Stadtbezirk in München bringt auch Vorteile

Allerdings gibt es auch innerhalb des BAs andere Meinungen: Für Horst Engler-Hamm (Freie Wähler) könnte der Fokus tatsächlich häufiger auf Freimann liegen: „Ich kann den Antrag der Bürger verstehen.“ Barbara Epple (Grüne) glaubt dagegen, dass das Vorurteil der Freimanner Benachteiligung wenig Substanz hat. „Wenn man sich die Tagesordnungen der letzten Jahre anschaut, dann ist das Verhältnis absolut ausgeglichen.“ Zudem gebe es viele Vorteile eines großen Stadtbezirks. Themen, die beide Stadtviertel betreffen, wie der Münchner Radschnellweg, könnten grenzübergreifend besprochen und schnell beschlossen werden.

Mit 31 Mitgliedern ist der BA Schwabing-Freimann aktuell einer der größten. Die Anzahl richtet sich jeweils nach der Einwohnerzahl in den Bezirken. Nur fünf der 25 Ausschüsse haben mehr Mitglieder. Bei einer Teilung würden Schwabing und Freimann beide zu den kleinsten BAs zählen. Etwa wie Altstadt-Lehel, das mit aktuell 15 Mitgliedern den kleinsten BA hat.

Damit hätten die Abspaltungsbefürworter allerdings kein Problem. Dafür würden sich in einem reinen Freimanner BA alle Mitglieder für alle Belange voll interessieren, glaubt Mantel. Sein von der Bürgerversammlung befürworteter Antrag muss nun zumindest von der Stadtverwaltung geprüft werden.

Michael Hellstern

Ein Münchner Familienvater ist verzweifelt: Ein Dieb fährt mit dem geklautem VW-Bus der Familie durch die Stadt und baut dann einen Unfall.

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