Ende nach 90 Jahren?

Münchner Kinder-Paradies droht das Aus - Leiterin schonungslos: „So schlimm wie jetzt war es noch nie“

Auf einer Schaukel im Garten vor der Kita St. Albert in Freimann sitzt Vize-Chefin Suyin Majthenyi.
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Kita St. Albert in Freimann: Vize-Chefin Suyin Majthenyi hofft, dass bald Verstärkung fürs Team kommt.

Der riesige Garten des Kindergartens St. Albert in Freimann ist ein Traum für den Nachwuchs und eine Seltenheit in München. Noch toben hier 50 Kinder zwischen drei und sechs Jahren herum. Aber wie lange noch?

  • Der Kindergarten mit dem riesigen Garten ist ein Paradies.
  • Der St. Albert-Kindergarten in Münchner Stadtteil Freimann steht nach 90 Jahren vor dem Aus.
  • Es gibt ein Problem und es ist so schlimm wie noch nie. Kein Einzelfall in München.

München - Nach 90 Jahren droht der Kita St. Albert in Freimann das Aus. Ihr fehlt Personal. Kein Einzelfall in München*! Vier Erzieherinnen kümmern sich bei St. Albert um die Kinder. Zwei Stellen sind seit über sechs Monaten ausgeschrieben. „Die Stellen könnten ab sofort besetzt werden, doch es gab bislang lediglich eine Handvoll Bewerber“, sagt Leiterin Angela Scheuerer. „Wir hatten schon früher Personalprobleme, aber so schlimm wie jetzt war es noch nie.“ Keiner der Bewerber sei ein ausgebildeter Erzieher gewesen.

Die Zeit drängt, im kommenden Frühjahr verabschiedet sich die Leiterin in den Ruhestand. Die stellvertretende Chefin Suyin Majthenyi hofft, dass bis dahin zumindest eine Stelle besetzt werden kann. „Sonst müssten wir die Kita schließen“, sagt sie. „Leidtragende des Personalmangels sind immer die Kinder.“ An Veranstaltungen und Ausflüge sei bei der derzeitigen Situation überhaupt nicht zu denken.

München: Kinder-Paradies vor dem Aus - „Es muss ein Umdenken stattfinden“

„Es muss ein Umdenken stattfinden“, sagt Angela Scheuerer. „Das Geld für Kitas ist da und es werden ständig neue gebaut“, sagt die Leiterin. „Aber wer soll die Kinder betreuen?“ 12,3 Prozent aller Stellen in städtischen Kitas sind unbesetzt. Vereinzelt müssen Einrichtungen deshalb Öffnungszeiten reduzieren. Bis 2023 werden in Bayern rund 30.000 Fachkräfte in Krippen, Kindergärten und Horten fehlen.

Personalmangel ist ein Problem

Große Probleme gibt es auch in St. Albert, wenn eine der Erzieherinnen krank wird. „Wir können uns eine Krankheit überhaupt nicht leisten, weil man im Hinterkopf hat, welche Probleme ein Fehlen auslöst“, erzählt Suyin Majthenyi. „Die Personalsituation macht aber auf Dauer krank.“ Zudem steige der psychische Druck. „In vielen Fällen endet dies im Burnout. So geht die Freude am Beruf verloren.“ Immerhin: Der Lohn hat sich in den vergangenen Jahren nach oben entwickelt. Dank der sogenannten München-Zulage und einer Arbeitsmarktzulage gibt es für frisch ausgebildete Erzieher ein Einstiegsgehalt von über 3500 Euro brutto.

St. Albert gibt die Hoffnung nicht auf: Interessierte pädagogische Kräfte können sich unter kath-kiga-st.albert@kabelmail.de melden. (Michael Hellstern) *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Einen Kita-Platz in München zu finden gleicht einem Lottogewinn. Krippenplätze für die Kleinsten sind offenbar Mangelware. Eine junge Familie erlebt eine traurige Odysee - „da ging es zu wie am Stachus“. In München bittet Ministerpräsident Markus Söder zu einem nicht ganz alltäglichen Termin. Wichtige Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie sollen bewertet werden.

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