Alarmierende Entwicklung

Das harte Los der Wohnungslosen: Von der Straße ins Heim

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Immer weniger Menschen können sich eine eigene Wohnung leisten.

Nach Jahren der Obdachlosigkeit teilt sich Manfred Jäth in Freimann nun ein Zimmer mit einem jungen Afghanen. Die Kosten übernimmt das Sozialamt. Der Alltag im Männerwohnheim ist trist.

München - Eine eigene Wohnung – das ist ein Grundrecht, das sich immer weniger Menschen leisten können. Um auf diese alarmierende Entwicklung aufmerksam zu machen, findet heute der Tag der Wohungslosen statt. In München hat sich die Zahl der Wohnungslosen nach Angaben des Sozialreferats in den Jahren 2008 bis 2017 mehr als verdreifacht. Und: Aktuell haben 8777 Münchner kein eigenes Zuhause, sondern wohnen in Notunterkünften. 

Leben in einer Notunterkunft: „Oft kann ich nachts nicht schlafen“

Einer von ihnen ist Manfred Jäth. Die tz hat ihn in Freimann besucht. Jäth sitzt am Tisch. Unter der Dachschräge stehen zwei Betten. Im rechten schläft er. Das linke gehört seinem Mitbewohner. „Er schnarcht. Oft kann ich deshalb nachts nicht schlafen“, sagt der 69-Jährige. Recht viel mehr weiß er nicht von dem jungen Afghanen. Dass Jäth glücklich war, ist lange her. Es war in dem Leben mit seiner Frau. „Sie hat gutes Geld bei der Bank verdient, ich habe mich um den Haushalt gekümmert.“ Doch 2015 schlug das Schicksal zu: „Meine Frau ist an einer Herzkrankheit gestorben.“ Plötzlich musste Jäth alleine für die Miete aufkommen und geriet in Rückstand. Bitter: Es kam zur Zwangsvollstreckung, er verlor die Wohnung und landete auf der Straße. 

Obdachlos: Pfandflaschensammeln als Einnahmequelle

Fast drei Jahre war Manfred Jäth obdachlos, zog durch ganz Deutschland. Er wusch sich in Zügen und sammelte Pfandflaschen. „Ich habe zwischen fünf und zehn Euro am Tag gemacht.“ Geld, von dem er sich Essen kaufte. Aber nie Alkohol. „Ich wollte überleben“, sagt der 69-Jährige. Seit April wohnt er in dem Wohnheim in Freimann. 100 Männer sind auf drei Etagen untergebracht. Ein Einzelzimmer haben nur wenige. „Es gibt auch Drei- und Vierbettzimmer“, sagt Heimleiter Detlef Rothe. Auf den Gängen befinden sich Gemeinschaftsduschen und Toiletten. Zwei Küchen gibt es im Haus. Doch Manfred Jäth ist selten da. Er steht früh auf, fährt in die Stadt, verkauft ab und zu die Biss-Zeitung. Ein Zuverdienst. 

Sozialamt übernimmt Kosten für Unterbringung der Wohnungslosen

Das Sozialamt übernimmt die Kosten für die Unterbringung der Wohnungslosen, sofern Sie es selbst nicht können. Pro Person im Schnitt 510 Euro monatlich. Jäth bezieht Grundsicherung: 206 Euro. 400 Euro hat er für Kleidung, Essen und Hygieneartikel übrig. Eine eigene Wohnung ist sein größter Traum. Alle sechs Wochen geht Jäth zum Amt – er würde sogar eine Wohnung für 720 Euro im Monat bezahlt bekommen. Doch am Mietmarkt hatte er bislang kaum Chancen. „Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf!“

Im Münchner Dreimühlenviertel könnten Mieter ihre Wohnung verlieren. Sie hoffen, dass die Stadt ihnen mit dem Vorkaufsrecht beisteht. Das tat sie zuletzt häufiger.

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