Letzter Vorhang fällt

Münchner Kultkino schließt wohl schon im Herbst - Betreiber sichtlich erschüttert

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Vor der Schließung: Im Kino Münchner Freiheit fällt schon bald der letzte Vorhang.

Das nächste Münchner Kino steht vor der Schließung: Für das Filmspielhaus an der Münchner Freiheit ist wohl schon in wenigen Monaten Schluss. Betreiber Thomas Kuchenreuther erfreut sich aber einer anderen Entwicklung.

München - Dieser Mann weiß, wie gutes Kino gemacht wird. Seit Jahren versorgt Thomas Kuchenreuther die Schwabinger Filmfans mit spannenden Stoffen. Gerade wurde ihm beim Münchner Filmfest der Kinoprogrammpreis überreicht. Für sein ABC an der Herzogstraße  ­Wenige Meter weiter betreibt er das Leopold Kino und die Kinos Münchner Freiheit. Letztere jedoch nicht mehr lange. Wie berichtet, steht das Lichtspielhaus vor dem Aus. Kuchenreuther hat einen Insolvenzantrag gestellt.

München: Kultkino muss schließen - Betreiber zeigt sich erschüttert

Zuvor hatte die Sedlmayr Grund und Immobilien AG ihm gekündigt, damit Karstadt den Bereich übernehmen kann, in dem jetzt Kino 1 und Kino 2 untergebracht sind. Weil aber die anderen Säle nur über das ­Foyer dieser zwei zu erreichen sind, können auch sie nicht mehr genutzt werden. Im März 2020 wird es wohl so weit sein. „Vielleicht auch schon früher, möglicherweise im Herbst dieses Jahres“, sagt ein sichtlich erschütterter Kuchenreuther gegenüber der tz.

Steht vor der Schließung: Das Kino Münchner Freiheit muss dem Karstadt-Ausbau weichen.

Kultkino in München schließt - Abschiedsfest möglich - aber nicht sicher

Ob es ein Abschiedsfest geben wird, oder - wie bei den anderen Kinos, die in den vergangenen Jahren schließen mussten - einen Ausverkauf des Inventars, weiß er noch nicht. Er verspricht aber, dass das Ende des Münchner Freiheit nicht das Ende von Filmgenuss in Schwabing sein wird. „Im ABC und im Leopold werde ich meine treuen Kinofreunde weiter versorgen. Das Schwabinger Publikum ist ein besonderes. Durch alle Generationen hindurch“, erzählt er. Und alles andere als Kino-faul: Im vergangenen Jahr erreichten ­Kuchenreuthers Häuser ein Zuschauerplus von fast drei Prozent - „im Gegensatz zum Minus von 18 Prozent der deutschen Kinobranche“.

„Wir bieten weiterhin eine ­Mischung aus Arthouse-Filmen und ­großen, qualitätsvollen Blockbustern“, kündigt Kuchenreuther mit Blick in die Zukunft an. So, wie sie es seit der Gründung des Münchner Freiheit 1994 getan haben. Hat er eine besonders schöne Erinnerung an das Haus aus all den Jahren? Schmunzeln. „Das wären zu viele. ­Zu viele tolle Premieren, zu viele tolle ­Gäste und zu viele tolle Filme. lch ­erinnere mich an alles sehr gern.“ Und voller Wehmut.

Katja Kraft


Und so lebt das Münchner Kino weiter

Das Kino ist tot? Von ­wegen! In München entstehen sogar neue Lichtspielhäuser - in Zeiten, in denen mancher meint, wegen des großen Angebots der Streamingdienste ginge niemand mehr aus dem Haus zum ­Filmeschauen. Ein paar Beispiele, wie die Münchner Häuser Zuschauer ­locken.

► Neues Maxim: Sie haben das drittälteste Kino Münchens vor dem Tod bewahrt: Das Team um Anne Harder betreibt das ehemalige Maxim in Neuhausen seit 2016 als Neues Maxim. „Wir haben das Gefühl, dass die Leute das Familiäre an uns mögen“, sagt Harder. Sie setzen außerdem auf Zusatz- Angebote wie Kasperl-Vorführungen. Die soziale Komponente dürfe nicht vernachlässigt werden. Die habe man beim Schauen zu Hause nicht.

► Mathäser: Das Mathäser bietet seit Mai das erste deutsche Dolby Cinema. Das sensationellste Hörerlebnis aller Zeiten im Kino wird immer wieder versprochen. In diesem Fall muss man sagen: Es ist ziemlich nah dran an dem, was man perfekt nennen könnte. Der Ton scheint im Raum um den Zuschauer zu schweben. Gerade bei Filmen, in denen er eine dramaturgische Rolle spielt, verschafft das ein ­neues Erleben von Kino. Man wird in den Film hineinkatapultiert. Einen schlechten Film rettet das ­allerdings nicht.

► Arri Astor Lounge: „Der alte Charme des Arri ist erhalten geblieben, aber wir haben mit modernen Ideen und ein bisserl Luxus das Dornröschen wieder wachgeküsst“, erklärt Betreiber Hans-­Joachim Flebbe das Konzept des neuen Kinos im ehemaligen Arrikino in der Türkenstraße. Beinfreiheit, Begrüßungsdrink - da wird jeder Kinobesuch zum besonderen Event.

Diese Kinos machten schon dicht

Vor dem Kino Münchner ­Freiheit war das Gabriel dran: Im April dieses Jahres schloss das älteste Film­theater der Welt, das durchgehend bespielt wurde, seine Türen für immer. Doch neben diesem kleinen Kino an der Dachauer Straße traf es in den vergangenen Jahren ­weitere Münchner Lichtspielhäuser. Das Filmcasino am Odeonsplatz schloss 2011, die Trauer darüber können einstige Fans bei Cocktails in der angrenzenden Bar verdrängen. Bereits ein Jahr ­zuvor musste das Tivoli an der Neuhauser Straße schließen. Das Atlantis an der Schwanthalerstraße, auf ­Originalfassungen spezialisiert, beendete sein ­Programm 2012. Das Eldorado in der Sonnenstraße gab ­Ende 2016 auf.

In Thailand haben Kinobesucher den Schreck ihres Lebens bekommen - denn im Saal saß eine echte Leiche.

Im Münchner Stadtteil Schwabing - Freimann rumort es gewaltig. Bürger fordern einen neuen Stadtteil - sie wollen raus aus Schwabing.

zg/kjk

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