Happy End für Mutter-Tochter-Gespann

Hilferuf aus Schwabing erhört: Neue Wohnung für Jara S. und ihre Tochter - „Ein Geschenk des Himmels“

In ihrer neuen Bleibe: Jara S. (r.) und ihre Tochter Nina richten sich neu ein.
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In ihrer neuen Bleibe: Jara S. (r.) und ihre Tochter Nina richten sich neu ein.

Eine 76-jährige Frau muss nach 64 Jahren ihre Wohnung in Schwabing verlassen, in der sie mit ihrer behinderten Tochter (46) wohnt. Jetzt gibt es eine glückliche Wende.

  • Eine 76-jährige Frau muss nach 64 Jahren ihre Wohnung in Schwabing verlassen, in der sie mit ihrer behinderten Tochter (46) wohnt – wegen Eigenbedarfs.
  • Ein emotionales Video ruft zur Hilfe auf.
  • Jetzt hat das Mutter-Tochter-Gespann ein neues Zuhause nicht weit von ihrer Ursprungs-Wohnung gefunden (Update vom 15. November).

Update vom 15. November 2020: Es war eine Geschichte, die viele Herzen berührte und viele Menschen wütend machte: Im September berichtete der Münchner Merkur vom Schicksal der 76-jährigen Jara S., die mit ihrer behinderten Tochter Nina (46) gezwungen wird, nach 64 Jahren aus ihrer Wohnung in Schwabing auszuziehen. Nun aber gibt es gute Nachrichten: Dank des Merkur-Artikels haben Jara und Nina S. eine neue Wohnung gefunden.

Seit 1956 – Jara S. war damals zwölf Jahre alt – hatte sie an der Viktor-Scheffel-Straße gelebt. Zunächst mit ihren Eltern, nach deren Tod weiter mit ihrer Tochter Nina. Doch der Vermieter starb, die neue Vermieterin aus der Schweiz beansprucht wie berichtet die Wohnung für ihren Sohn. Es kam zum Gerichtsstreit, Jara S. verlor. Das Dilemma: Sie fand keine neue Unterkunft.

Ein Glück, dass sie auf gute Freunde zählen kann: Michel May (37), der Sohn von Jaras Nachbarn Rudi, drehte einen emotionalen Film über Jaras verzweifelte Lage, der sich im Internet rasant verbreitete. „Jara ist ein Stück Schwabinger Geschichte“, heißt es in dem Film, „ihr droht Entwurzelung und Obdachlosigkeit!“

Viele Wohnungsangebote waren zu teuer oder zu weit weg

Einige Vermieter boten daraufhin Jara S. Wohnungen an. „Aber sie waren alle an anderen Enden Münchens oder zu teuer – ich kann keine 2700 Euro Miete zahlen, und ich will Nina nicht aus ihrer gewohnten Umgebung reißen“, erzählte sie dem Merkur.

Manchmal aber, da hat auch das Glück seine Hand im Spiel! Eine ältere Dame mit großem Herzen nämlich sah zufällig eine Zeitung liegen, blätterte darin und blieb an Jaras Geschichte hängen. Wie es das Schicksal will, hatte diese Dame eine Wohnung zu vermieten. Es ist eine helle, freundliche Traumwohnung ganz in der Nähe, mit einer humanen Miete – und Jara und ihre Tochter können dort nun einziehen. „Vielen Dank, Ihre Zeitung hat uns sehr geholfen“, sagt die 76-Jährige glücklich.

Ein bitterer Nachgeschmack bleibt allerdings noch – hohe Zahlungsforderungen der alten Vermieterin etwa. Die Freude über das neue Zuhause aber überwiegt. Das wird auch viele Leser freuen – denn einige hatten sich bei uns erkundigt, wie Jaras Geschichte ausgegangen ist. Sogar eine 89-jährige Dame, die früher in Schwabing wohnte und nun seit 67 Jahren in den USA lebt. Online hatte sie von Jaras Wohnungssuche gelesen, zeigte viel Mitgefühl und erinnerte sich daran, wie sie selbst einst als Oberschülerin an der Viktor-Scheffel-Straße vorbei lief, als Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg München erschütterten.

Nachdem der Merkur der alten Dame vom Happy End für Jara und Nina geschrieben hatte, antwortete sie glücklich: „Vergelt’s Gott, das ist wirklich wie ein Geschenk des Himmels!“

Hilferuf wühlt Schwabing auf: Frau soll nach 64 Jahren aus Wohnung ausziehen - „Ich bin wütend!“

(Erstmeldung) München - Wo ist die Menschlichkeit in München geblieben? Das fragt man sich manchmal – wenn man von Geschichten wie dieser hört: Eine 76-jährige Frau muss nach 64 Jahren ihre Wohnung in Schwabing verlassen, in der sie mit ihrer behinderten Tochter (46) wohnt – wegen Eigenbedarfs der Vermieterin. Aber: Es gibt noch Mitgefühl und Hoffnung! Ein Münchner hat ein sehr emotionales Video von den Frauen gedreht und es online gestellt, um für sie zu kämpfen! Hunderte haben es gesehen und wollen helfen.

1956 war es, als die Eltern von Jara S. mit dem damals zwölfjährigen Mädel in die Zwei-Zimmer-Wohnung in der Viktor-Scheffel-Straße zogen. Die Eltern verstarben, Jara blieb – über die Jahre sind ihr hier feste Wurzeln gewachsen. Mit ihrer 1974 geborenen Tochter Nina ist der Lebensmittelpunkt der ehemaligen Chefsekretärin hier im ersten Stock des schönen alten Gebäudes. 

München: Jara S. muss wegen Eigenbedarfs raus aus ihrer Wohnung

Aber der Vermieter stirbt, die Tochter in der Schweiz erbt die Wohnung. Vor zwei Jahren bekommt Jara S. einen Brief: Kündigung wegen Eigenbedarfs! Der Sohn der neuen Eigentümerin soll einziehen. „Das war ein Schock!“ Es kommt zur Gerichtsverhandlung, doch die Richterin gibt der Vermieterin Recht. In einem Monat müssen Jara und Nina nun endgültig aus der Wohnung. Sie haben aber noch keine neue gefunden: „Heuer war es wegen Corona extrem schwierig, eine Wohnung zu kriegen“, sagt die 76-jährige. Viele Absagen hagelte es auch wegen ihres Alters! „Ich bin zu alt, um eine neue Wohnung zu kriegen, aber nicht zu alt, um aus meiner alten geworfen zu werden.“ Jara hofft auf Aufschub der Räumung, und auf eine Wohnung (unbedingt in Schwabing oder Milbertshofen!) – 1200 Euro könnte sie höchstens zahlen.

Nun kommt Michel May (37, Betreiber eines Onlineshops für Biotextilien, www.aizomebedding.com) ins Spiel: Dessen Vater Rudi (80) ist Jaras Nachbar. Als er von ihrer verzweifelter Lage hört, produziert der Hobbyfilmer May einen Film, der ans Herz geht. Jara erzählt darin von ihrer glücklichen Zeit in Schwabing, Szenen der wilden Nächte im Kult-Viertel wechseln sich ab mit dem bangen Blick in die Zukunft. „Jara ist ein Stück Schwabinger Geschichte“, heißt es im Film. „Ihr droht Entwurzelung und Obdachlosigkeit.“

Zig Münchner haben den Film gesehen. Ihre Kommentare sind voller Mitgefühl: „Schrecklich!“, oder: „Ich bin wütend!“ Ob sich durch den Film eine neue Wohnung für Jara und Nina finden lässt? Wer helfen kann, bitte melden: schwabingsucht@gmail.com. Hier geht‘s zum Video bzw zum Facebook-Post.

Das sagt der Mieterverein dazu:

„Hier scheint eine echte Notlage vorzulegen. Die Mieterin hätte es in ihrem Alter, mit begrenzten finanziellen Mitteln und einer Tochter mit Behinderung auf dem extrem angespannten Münchner Mietmarkt eh schon sehr schwer, eine Wohnung zu finden. Nun kommt noch die Corona-Krise hinzu, in der Besichtigungen nur erschwert möglich waren und teilweise noch sind und in der viele Vermieter auch erst noch abwarten, wie sich die Lage entwickelt, bevor sie ihre Wohnungen wieder anbieten. Eine juristische Möglichkeit, der Frau zu helfen, wäre, zu versuchen, die Vollstreckung der Räumung zu stoppen – ein sogenannter Vollstreckungsschutz.

Das ist möglich, wenn die Räumung unter Würdigung des Schutzbedürfnisses der Gläubigers, also der Wohnungseigentümerin, eine Härte bedeutet, die mit guten Sitten nicht vereinbar ist. Ein Schuldner muss den Vollstreckungsschutzantrag spätestens zwei Wochen vor dem Räumungstermin stellen. Er wird nur in wenigen Fällen gewährt, aber in diesem Fall könnten durchaus Chancen bestehen. Sollte der Mieterin der Vollstreckungsschutz gewährt werden, könnte sie auf einen Aufschub des Auszugs von zwei bis drei Monaten hoffen. Doch auch dann hätte sie wahrscheinlich extreme Schwierigkeiten, eine neue bezahlbare Wohnung zu finden.

Die Lage auf dem Mietmarkt in München ist brutal: Gerade ältere Mieter mit kleiner Rente haben so gut wie keine Chance, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Das bekommen wir in unseren Beratungen immer wieder von den Mitgliedern gespiegelt. Oft können diese Mieter mit der Schnelligkeit des Marktes auch gar nicht mithalten: So werden viele Wohnungen nur im Internet angeboten. Auch wohnen diese Mieter oftmals seit Jahrzehnten in ihren Vierteln und werden durch einen Umzug entwurzelt und verlieren ihre sozialen Kontakte.“

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