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„Viertel hat sich komplett geändert“: Bewohner sorgen sich um ihr Schwabing – Ladensterben sticht ins Auge

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Alt-OB Christian Ude sowie die SPD-Stadträte Anne Hübner und Lars Mentrup.
Alt-OB Christian Ude sowie die SPD-Stadträte Anne Hübner und Lars Mentrup. Das Areal vor der Pfarrkirche St. Ursula am Kaiserplatz soll schöner werden, fordern SPD-Politiker. © Oliver Bodmer

Dieser Stadtteil hat Weltruf. Mit Schwabing verbinden nicht nur Münchner Aufbruch, Innovation, Freiheit. Aber ist es heute wirklich noch ein lebendiges Fleckerl mit dem Geist und Gefühl von früher?

München - Das treibt die SPD um, die mit Alt-OB Christian Ude vor Ort erfahren wollte: Was wird aus unserem Schwabing?

Am Infostand an der Ecke Hohenzollern-/Friedrichstraße unterhalten sich die SPD-Stadtratsmitglieder Julia Schmitt-Thiel und Lars Mentrup mit Anwohnern. Ihr Ziel: Wir machen Schwabing noch schöner. Dabei geht’s etwa um den Platz vor der Pfarrkirche St. Ursula. „Da sich im Sommer sehr viele Menschen vor der Kirche aufhalten, möchten wir die Betonwüste schöner gestalten“, erklärt Mentrup, der selbst in Schwabing wohnt. Dafür sei mehr Begrünung notwendig und ein Brunnen angedacht.

München: SPD-Politiker wollen „Betonwüste schöner gestalten“

Ein weiteres Thema: die Umgestaltung der Hohenzollernstraße. Durch immer mehr Autos bleibe Fußgängern kaum noch Platz. Die SPD möchte den Verkehr deshalb partiell einschränken. Busse und Radler sollen weiterhin fahren können, Fußgänger aber mehr Raum bekommen. Der Plan könnte auch den kleinen Läden helfen: „Früher waren die Touristen in der Kaufingerstraße und die Münchner in der Leopold- und Hohenzollernstraße. Hier gab es die besonderen Sachen“, erinnert sich Lars Mentrup. Aber kleinere, einzigartige Läden würden heute oft verdrängt.

Seit 40 Jahren an der Hohenzollernstraße: Alexander Bertrand in seinem Laden für Berufsbekleidung.
Seit 40 Jahren an der Hohenzollernstraße: Alexander Bertrand in seinem Laden für Berufsbekleidung. © Oliver Bodmer

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München: „Es war mal gemütlicher und entspannter“, sagt eine Schwabingerin

Ähnlich sieht es Claudia Hubner (59), die seit knapp 35 Jahren in Schwabing wohnt. „Es war mal gemütlicher und entspannter. Die Leute haben mehr miteinander geredet.“ Ihr Stammlokal: das Café Extrablatt auf der Leopoldstraße - mittlerweile Bar Giornale. „Mein Highlight war, als Roman Polanski mal neben mir saß.“ Trotzdem liebt sie ihr Viertel: „Da sind die schönen Jugendstilhäuser, viele Galerien und Kneipen, die das Flair noch bewahren.“ Die jüngeren Leute hielten sich jetzt mehr und mehr Richtung Wedekindplatz auf.

Claudia Hubner.
Claudia Hubner. © Oliver Bodmer

„Früher war hier alles sehr bunt gemischt, mittlerweile ist es ziemlich gleichförmig geworden - das Viertel hat sich komplett geändert, ist schon fast ein wenig eingeschlafen“, meint auch Alexander Bertrand (69), der seit 40 Jahren sein Geschäft, spezialisiert auf Berufsbekleidung, in der Hohenzollernstraße hat. „Die Vielfalt fehlt mir heute. Das hat früher unterschiedlichste Leute angezogen“, sagt er.

Die Schwabingerin Jerma Tulewei.
Die Schwabingerin Jerma Tulewei. © Oliver Bodmer

Das bestätigt Jerma Tuleweit (28), die seit fünf Jahren in Schwabing lebt und seit zehn Jahren dort arbeitet. „Das Ladensterben fällt auf“, erzählt sie. Dafür seien immer öfter Immobilienmakler vertreten. Auch die Bewohnerschaft habe sich grundlegend verändert, meint die 28-Jährige. „Ich habe das Gefühl, dass hier in Schwabing nur mehr eine sehr reiche Gesellschaftsschicht wohnt“, sagt sie. Auch untereinander gebe es so gut wie keinen Kontakt. „Das finde ich wirklich schade“. (Marie-Theres Wandinger)

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