Architektenpaar erhebt Vorwürfe gegen die MVG 

Neue Idee: Tram soll den Englischen Garten in einem Tunnel unterqueren

+
Der Tram-Tunnel soll weitgehend der bestehenden Bustrasse folgen und auch von Bussen und Sankas befahren werden können. In der Animation: Die Tunneleinfahrt an der Thiemestraße.

Das Thema Tram durch den Englischen Garten bleibt in München ein heißes Eisen. Jetzt kommt eine neue Alternative auf den Tisch, bei der das Ganze unter der Erde verschwindet.

Mit Tunneln kennt sich das Architektenpaar Petra Lejeune und Hermann Grub aus. Ihre Idee für die Untertunnelung des Mittleren Rings unter dem Englischen Garten wird bald Realität. Jetzt haben die Architekten eine neue Tunnel-Idee: Die geplante Garten-Tram soll ebenfalls unterirdisch fahren!

Eine oberirdisch verkehrende Tram hält Grub für einen Riesenfehler. „Das wäre nicht mehr wieder gut zu machen“, befürchtet der Architekt. Der MVG unterstellt er eine Salami-Taktik. „Zunächst stellt sie ein hübsches Rasengleis vor – und dann kommen nach und nach weitere Bauten dazu“, schätzt Grub. So müssten seiner Ansicht nach an den zehn Fußgängerquerungen Umlaufgitter eingebaut werden.

Lesen sie auch: Spektakulärer Plan für 4,5-Kilometer-Seilbahn mitten durch München

Sein Gegenentwurf: Die Tram soll unter der Erde verschwinden. „Ein solcher Tunnel ist machbar und finanzierbar“, ist sich Grub sicher. Er hat Mehrkosten von 15 Millionen Euro gegenüber der ursprünglich geplanten oberirdischen Variante errechnet.

„Plan B“ nennen Grub und Lejeune den Tunnelplan – ihren Plan A halten sie selbst nicht für realistisch. Der wäre: Keine Tram – und auch keine Busse, die durch den Garten gondeln. „Auch die gehören nicht in den Park“, meint Lejeune. Diese Variante passe aber nicht mehr in die heutige Zeit. „Durch die hohe Stickstoffbelastung und den anschwellenden Verkehr stößt jede Erweiterung des ÖPNV erstmal auf positive Resonanz“, meint Lejeune.

Die Gartentram ist für Grub ein wahres Schreckensszenario: „Die neuen Trambahnen sind ewig lang und hoch, das sind echte Monster.“ Von den Stadtwerken fordern die Architekten eine „seriöse Kostenaufstellung“.

Das könnte Sie auch interessieren:  Tram oder U-Bahn im Münchner Norden? Stadtrats-CSU legt sich fest

Dafür sei es allerdings noch zu früh, stellt MVG-Sprecher Matthias Korte klar: „Die Planung läuft noch, in bestimmten Punkten sind wir noch bei der Grundlagenermittlung. Jetzt Zahlen für einzelne Abschnitte zu nennen, wäre unseriös.“ Die MVG geht grundsätzlich davon aus, dass ein Tunnelbauwerk teurer wäre als eine oberirdische Strecke, zumal im Tunnel Folgekosten entstünden, etwa durch den Einbau eines Zugsicherungssystems. Ein weiteres Problem seien die massiven Tunnelrampen. Korte: „Unsere Baufachleute schauen sich den Plan aber gerne noch genauer an.“ 

Das Architektenpaar Hermann Grub und Petra Lejeune.

Das hat die Stadt im Park vor

Seit beinahe hundert Jahren streiten Stadt und Freistaat über eine Tram durch den Englischen Garten. Die Stadt wollte schon früh im vorigen Jahrhundert Schwabing und Bogenhausen mit einer Tram verbinden, der Freistaat als Hausherr lehnte das immer ab. Das hatte sich im vergangenen Sommer geändert. Der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer gab den Widerstand auf, der Stadtrat beschloss im Januar die Prüfung der Trasse. Die MVG favorisiert Rasengleise auf fünf bis sechs Metern Breite und einen vier Meter breiten Radweg. Die Gartentram ist Teil der geplanten Nordtangente von Neuhausen bis Bogenhausen. Die Fertigstellung des Projekts dürfte frühestens bis 2025 möglich sein.

Auch interessant

Meistgelesen

Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 
Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 
Münchner lockt mit lebenslanger Döner-Flatrate - wenn Sie ihm diesen kleinen Gefallen tun
Münchner lockt mit lebenslanger Döner-Flatrate - wenn Sie ihm diesen kleinen Gefallen tun

Kommentare