Finanzrahmen von 160 Millionen Euro

Neuer BR in Freimann: Das sind die Siegerentwürfe

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Intendant Ulrich Wilhelm (l.) und Roland Scheble (M.), Leiter der Strategieabteilung.

München - Der Bayerische Rundfunk wird künftig hauptsächlich in Freimann ansässig sein. Seit Sonntagnachmittag stehen zwei verschiedene Entwürfe zur Auswahl, wie das Mega-Projekt aussehen wird.

Die Zukunft des Bayerischen Rundfunks wird in Freimann stehen. Dort, wo jetzt schon große Teile des Bayerischen Fernsehens ansässig sind, werden in den kommenden Jahren ein hochmodernes Aktualitätenzentrum mit einem multimedialen Newsroom sowie ein sogenanntes Wellenhaus gebaut. Dort sollen die Hörfunkprogramme des BR ihren Sitz haben. Ziel des Ganzen ist es, die Bereiche Fernsehen, Hörfunk und Online aufs Engste mitein­ander zu verzahnen, um in Zukunft ökonomischer, schneller und zeitgemäßer arbeiten zu können. Zurzeit verteilt sich der BR noch auf drei Standorte: die Arnulfstraße in der Innenstadt, Unterföhring und Freimann. Der Standort Unterföhring wird – das stand bereits fest – nach und nach verkauft, das Gebäude in der Innenstadt soll erhalten bleiben und vermehrt für Veranstaltungen genutzt werden. Und in Freimann wird sich eben das Allermeiste abspielen.

Um die besten Architekten für dieses Mega-Projekt zu finden, hatte der BR einen EU-weiten Ideen- und Realisierungswettbewerb ausgeschrieben. 61 Bewerbungen seien eingegangen – am Sonntag wurden bei einem Pressegespräch die beiden Siegerentwürfe vorgestellt: Sie kommen von den Büros Fritsch und Tschaidse (München) und kadawittfeldarchitektur (Aachen) mit Atelier Thomas Pucher (Graz). In den kommenden zwei Monaten will der BR entscheiden, welcher Entwurf in die Tat umgesetzt wird.

„Beide Siegerentwürfe sind sehr unterschiedlich und haben jeweils große Stärken“, sagte BR-Intendant Ulrich Wilhelm beim Pressegespräch und erläuterte, warum sich der – gebührenfinanzierte – Sender entschieden hat, nicht das Bestehende zu sanieren (was kostengünstiger gewesen wäre), sondern komplett neu zu denken und zu bauen: „Vor dem Hintergrund des ausgeprägten Medienwandels und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten fiel die Abwägung zugunsten eines Neubaus aus“, so der BR-Chef. Eng vernetztes Arbeiten erfordere entsprechende Workflows, also Arbeitsabläufe. Hierfür müssten auch baulich die optimalen Rahmenbedingungen geschaffen und die Qualität des Arbeitsumfelds der Mitarbeiter gesichert werden. Die medienübergreifende Zusammenführung der Redaktionen sei unerlässlich, wenn man den sich rasant verändernden Mediennutzungsgewohnheiten Rechnung tragen wolle. „Damit investieren wir in die Zukunft und schaffen zusätzlichen Spielraum, um die Qualität unserer Inhalte weiter zu erhöhen“, so Wilhelm. Ob die Zusammenführung von Redaktionen auch einen Stellenabbau bedeutet, dazu äußerte sich Wilhelm am Sonntag nicht. Größer wird der BR durch die Veränderungen aber sicher nicht werden.

Zu den Kosten: Der BR hat einen Finanzrahmen von 160 Millionen Euro an reinen Baukosten angesetzt, die über 25 Jahre finanziert werden sollen. Belastet wird der Etat erst ab dem Jahr 2019. Und der Zeitplan? Die neuen Gebäude in Freimann sollen nach derzeitigem Projektstand bis 2021 baulich realisiert werden. Wie die beiden Entwürfe im Detail aussehen, erklärt die tz. Beide ­Varianten sehen sowohl komplette ­Neubauten als auch ­Sanierungen bestehender Gebäude vor.

Variante 1

Variante 1 von Gerhard Wittfeld und Kilian Kada (Kadawittfeldarchitektur) aus Aachen und dem Atelier Thomas Pucher aus Graz.

Ein crossmediales Zentrum am Campus Freimann – das ist die Vision von Gerhard Wittfeld und Kilian Kada (Kadawittfeldarchitektur) aus Aachen, die für ihren Vorschlag mit dem Atelier Thomas Pucher aus Graz und den Landschaftsarchitekten von Greenbox (Köln) zusammengearbeitet haben. Sie legen Wert auf Nachhaltigkeit. „Im Landschaftsschutzgebiet der Isar-Aue ist unser Anspruch, den Fußabdruck der Neubauten so klein wie möglich zu gestalten, um die Qualitäten der Parkanlage und der Grünräume am Fluss zu bewahren“, sagen die Architekten, die auch das Adidas-Gebäude in Herzogenaurach entworfen haben. Gleichzeitig sei das Ziel, das trimediale Aktualitätenzentrum mit dem Wellenhaus und dem zentralen Studiogebäude als „journalistisches Dreieck“ raum­ökonomisch zu bündeln. Heißt: Kurze Wege zwischen TV, Hörfunk und Online sollen garantiert sein. Den Mitarbeitern will man attraktive Arbeitsplätze bieten. „Es geht immer um den Menschen“, so Wittfeld. In einer guten Atmosphäre lasse sich besser und effektiver arbeiten. Insgesamt solle der Entwurf „unprätentiöse Eleganz“ ausstrahlen und die Aufbruchstimmung des BR nach außen tragen.

Variante 2

Variante 2 der Münchner Architekten Rüdiger Leo Fritsch und Aslan Tschaidse.

Zwei Plattformen, die wie Flöße in der Aue schwimmen, mit dazwischen liegenden „Sprechblasen“ für Sondergebäude – so formulieren die Münchner Architekten Rüdiger Leo Fritsch und Aslan Tschaidse ihre Idee vom neuen BR am künftigen Hauptstandort in Freimann. Ein Herzstück ihres Entwurfs ist die „Medienstraße“, die zu einem „Erlebnisraum“ werden soll, zu einem kommunikativen und lebendigen Zentrum für Mitarbeiter und Besucher – und die als „Magistrale“ dienen soll, eine Art Korridor für das Aktualitätenzentrum und das Wellenhaus. Insgesamt soll ein „einprägsamer und unverwechselbarer Mediencampus“ entstehen, der zudem urban geprägt sein soll.

Die Fritsch + Tschaidse Architekten GmbH, die für den BR-Entwurf mit einem Landschaftsarchitekten aus Stuttgart zusammengearbeitet hat, entwarf in München unter anderem das Zentrum für Energie und Information der Technischen Universität in Garching.

Übrigens: Alle Entwürfe werden vom gen Montag (11 Uhr) an bis einschließlich Sonntag, den 3. Mai, im Veranstaltungssaal im Foyer des BR-Funkhauses von 8 bis 18 Uhr in einer öffentlichen Ausstellung präsentiert.

Stefanie Thyssen

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