1000 Kunstwerke

Gericht: Presse bekommt Liste der Gurlitt-Bilder

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Ein Gericht hat entschieden, dass die Presse eine Lister der Gurlitt-Bilder bekommt.

Augsburg/München - Ein Gericht hat entschieden, dass die Presse eine Lister der Gurlitt-Bilder bekommt. Die Ermittler müssen sie herausgeben.

Die Staatsanwaltschaft muss der Presse nach einem Gerichtsbeschluss eine Liste der beschlagnahmten Gurlitt-Bilder zur Verfügung stellen. Ein Reporter hatte vor dem Augsburger Verwaltungsgericht darauf geklagt, dass er von den Ermittlern eine Aufstellung der Werke des Münchner Kunstsammlers Cornelius Gurlitt (81) mit genauer Bezeichnung und Angabe der Abmessungen erhält. Wie das Gericht am Freitag mitteilte, erging eine einstweilige Anordnung, dass dem Journalisten aufgrund des Auskunftsanspruches nach dem Pressegesetz die Liste auszuhändigen sei. Die Entscheidung ist aber noch nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft hatte in Gurlitts Schwabinger Wohnung mehr als 1000 Kunstwerke sichergestellt. Knapp 600 davon stehen im Verdacht, Raubkunst aus der Nazizeit zu sein. Der Reporter einer Münchner Zeitung hat auch Anspruch darauf, dass ihm mitgeteilt wird, bei welchen Bildern potenzielle Eigentümer ermittelt und kontaktiert wurden. Den Antrag, auch die Namen dieser möglichen Eigentümer bekanntzugeben, lehnte das Gericht allerdings ab.

Kunstfund in München - Chronologie

Kunstfund, München, Gurlitt
22. September 2010: Der Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt wird auf einer Zugfahrt von Zürich nach München kontrolliert. Zollfahnder schöpfen Verdacht, es könne ein Steuerdelikt vorliegen. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
28. Februar 2012: Gurlitts Wohnung in München wird durchsucht. Die Fahnder entdecken rund 1400 Gemälde, Aquarelle, Lithografien, Drucke und Zeichnungen vor allem aus der klassischen Moderne. Der Fund wird geheim gehalten, die Berliner Kunstexpertin Meike Hoffmann mit der Erforschung der Herkunft beauftragt.3. November 2013: Das Nachrichtenmagazin „Focus“ bringt den Fall an die Öffentlichkeit und sorgt damit für eine Sensation. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
4. November: Regierungssprecher Steffen Seibert sagt, die Bundesregierung habe „seit mehreren Monaten“ von dem sensationellen Fund gewusst. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
5. November: Die Staatsanwaltschaft Augsburg, die gegen Gurlitt ermittelt, und die Kunsthistorikerin Meike Hoffmann geben eine Pressekonferenz. Fotos einiger weniger Kunstwerke werden gezeigt. Der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz sagt, man wolle die Bilder weiter unter Verschluss halten. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
6. November: Vor allem wegen des Verdachts, viele der gefundenen Werke seien Nazi-Raubkunst, wächst die internationale Kritik am Vorgehen der Behörden. „Wir wollen so schnell wie möglich eine Liste der Werke in der Sammlung veröffentlicht sehen“, fordert Anne Webber von der Commission for Looted Art in Europe mit Sitz in London. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
7. November: Nach immer lauterer Kritik wollen Bund und Bayern schnell Klarheit über den spektakulären Kunstfund schaffen. Das Haus von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) plädiert für eine Veröffentlichung der 1400 Werke. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
8. November: Der Provenienzforscher Willi Korte fordert die rasche Einsetzung einer Taskforce zur Erforschung des Kunstschatzes. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
11. November: Außenminister Guido Westerwelle (FDP) warnt vor einem Schaden für Deutschlands Ansehen. Am Abend werden schließlich die ersten 25 Werke auf der Plattform „lostart.de“ eingestellt. Eine Taskforce wird eingesetzt, sie soll die Herkunft der Bilder erforschen. Laut Staatsanwaltschaft können 380 Werke dem zugeordnet werden, was die Nationalsozialisten „Entartete Kunst“ nannten. Bei 590 Werken müsse überprüft werden, ob sie den rechtmäßigen Eigentümern in der Nazi-Zeit verfolgungsbedingt genommen wurden. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
13. November: Die „Süddeutsche Zeitung“ hat Cornelius Gurlitt vor seiner Wohnung abgepasst und zitiert ihn mit dem Kommentar: „Das alles ist eine große Büberei.“ © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
14. November: Hunderte weitere Gemälde des Münchner Kunstschatzes sollen im Internet zu sehen sein. Dies kündigt die Leiterin der Taskforce, Ingeborg Berggreen-Merkel, an. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
15. November: Der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) dringt auf eine Verständigung mit Gurlitt. Eine einvernehmliche Lösung sei im Interesse aller. © dpa

Wie das Gericht am Freitag

Die Staatsanwaltschaft hatte sich unter Berufung auf das Steuergeheimnis geweigert, die Informationen rauszugeben. Gegen Gurlitt wird wegen eines möglichen Steuerdelikts ermittelt. Für die Verwaltungsrichter ist das nicht ausreichend. Das Steuergeheimnis stehe der Herausgabe der Liste nicht entgegen, da es abzuwägen sei gegen die Pressefreiheit. Das Gericht betonte, dass am Fall Gurlitt „ein erhebliches und zwingendes öffentliches Interesse“ bestehe.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen die Gerichtsentscheidung umgehend Beschwerde eingelegt. Nun muss der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in München entscheiden, ob die Liste herausgegeben wird.

Die Grünen kritisierten, dass die bayerischen Behörden immer noch keine Sensibilität für die Anliegen der NS-Opfer und ihrer Nachkommen zeigten. Der kulturpolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Sepp Dürr, sagte, dass die Öffentlichkeit als Störfaktor gesehen werde und nicht als Unterstützung, um Licht in die Herkunft der Kunstwerke zu bringen. Er sprach von einem „stümperhaften Vorgehen“.

dpa

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