Kritik vom Bund Naturschutz

„Pseudo-Naturschutzgebiet“ Fröttmaninger Heide?

So soll das Naturschutzgebiet Fröttmaninger Heide nach Vorstellung der Regierung von Oberbayern gestaltet werden. Einige Zonen sollen für Erholungssuchende tabu sein.

München - Der Erholungsanspruch der Bürger und der Schutz der Natur: Zwischen diesen beiden Gütern muss der Stadtrat immer wieder abwägen, so auch bei der von der Regierung von Oberbayern geplanten Umwidmung der Fröttmaninger Heide in ein Naturschutzgebiet.

Bei dem 347 Hektar großen Areal handelt es sich um eine der größten Grasheiden des Landes mit einer einzigartigen Vielfalt seltener Tiere und Pflanzen. Gleichwohl wurde die Heide, vormals militärisches Übungsgelände, über Jahrzehnte von der Bevölkerung zur Erholung genutzt. Vielen Bürgern stoßen die Pläne der Regierung sauer auf, denn künftig soll ein großer Teil der Flächen nicht mehr betreten werden dürfen, die Heide in verschiedene Zonen unterteilt werden. Auch das Mitführen von Hunden wird im künftigen Naturschutzgebiet strengen Regeln unterworfen werden. Viele Anwohner kritisieren die Pläne der Regierung als zu drastisch, nicht zuletzt in Hinblick auf die drohenden Bußgelder von bis zu 25 000 Euro.

Die Proteste haben offenkundig Wirkung gezeigt, denn der Stadtrat will die Anliegen der Bürger stärker berücksichtigen als zunächst geplant. In die heutige Vollversammlung wird die CSU einen Änderungsantrag einbringen, der außer den Grünen von allen Fraktionen unterstützt wird. So soll der Zwang, Hunde an der kurzen Leine zu führen, gelockert werden. „Auch wenn es im menschlichen Zusammenleben leider immer Negativbeispiele und Ausnahmen gibt, darf die liberale Haltung der Landeshauptstadt München, die sich im bayerischen ’Leben und leben lassen’ ausdrückt, nicht zu einer Begrenzung des Freizeitverhaltens für Menschen mit Hund führen“, heißt es in dem Antrag. Wer einen Hundeführerschein erwirbt, soll sein Tier in bestimmten Bereichen auch ohne Leine laufen lassen dürfen.

Nicht nur Hundehaltern wollen CSU und SPD entgegenkommen, auch Spaziergängern. Gewisse Bereiche, in denen bislang ein Betretungsverbot vorgesehen war, sollen deshalb doch für die Naherholung zur Verfügung stehen. Das Wegenetz innerhalb des Naturschutzgebietes müsse gemäß Antrag einerseits ein „intensives Naturerlebnis für Besucher“ ermöglichen. Andererseits diene es dazu, Besucher von wertvollen und empfindlichen Flächen fernzuhalten. Um diesen beiden Funktionen gerecht zu werden, sei es unabdingbar, die Qualität der Wege zu verbessern. Insbesondere müssten die künftig zum Betreten vorgesehenen Wege durch ihren Belag deutlich von den zahlreichen Trampelpfaden unterscheidbar sein, schreibt die CSU in ihrem Antrag, die von einem „gangbaren Kompromiss“ spricht.

Der Bund Naturschutz kritisiert unterdessen die CSU-Initiative und warnt vor einem „Pseudo-Schutzgebiet“ Fröttmaninger Heide. Der Änderungsantrag reduziere das geplante Naturschutzgebiet auf eine reine Hundewiese. „Freilaufende Hunde sind nicht mit den Schutzzielen eines Naturschutzgebietes vereinbar“, sagt BN-Vorsitzender Christian Hierneis.

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