Streit um Pappel-Allee

Macht Radschnellweg an der Leopoldstraße die Bäume platt? Grüne werfen der SPD Kahlschlag vor

Prägen das Bild an der Flaniermeile: Die Pappeln links und rechts der Leopoldstraße
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Prägen das Bild an der Flaniermeile: Die Pappeln links und rechts der Leopoldstraße.

Um die Pappel-Allee an der Leopoldstraße ist im Bezirksausschuss Schwabing-Freimann ein Streit entbrannt. Der geplante Radschnellweg benötigt Platz, weshalb auch einige Bäume zur Disposition stehen. Die Grünen werfen der SPD Kahlschlag vor – und wehren sich.

  • Die Pappeln gehören schon seit jeher zum Straßenbild der Leopoldstraße.
  • SPD und Grüne uneinig: Müssen die Bäume für den neuen Radschnellweg weichen?
  • Auch das Thema Klimaerwärmung spielt bei der Planung eine Rolle.

München/Schwabing - Für den geplanten Radschnellweg entlang der Leopoldstraße müssen bereits 840 Parkplätze weichen. Die SPD-Fraktion hatte nun in einem Antrag gefordert, dass notfalls auch Pappeln gefällt werden müssten. Es solle keine Denkverbote geben.

Die Pappeln gehören seit jeher zu der Prachtstraße in der Verlängerung der Ludwigstraße. Sie waren bereits Teil des Konzepts des Architekten Friedrich von Gärtner (1791 bis 1847) für das Siegestor, das er auf Anweisung Ludwigs I. nach dem Vorbild des römischen Konstantinsbogens plante. Damals, 1840, ließ Gärtner die Baumreihen schon bei den zwei Schalenbrunnen am „Universitätsforum“ beginnen. Als Ende des 19. Jahrhunderts eine Trambahn-Linie durch das Siegestor über die Leopoldstraße nach Schwabing geführt wurde, wurden die Pappeln aus Platzgründen rund um das Tor gefällt.

SPD kontra Grüne: Müssen die Pappeln der „Fahrrad-Autobahn“ weichen?

„Die jetzigen Bäume stehen dort seit 50 bis 60 Jahren, einige sind nachgepflanzt“, sagte dagegen BA-Chef Werner Lederer-Piloty (SPD) in der aktuellen BA-Sitzung. „Eine Pappel am Straßenrand wird rund 60 bis 80 Jahre alt. Dies bedeutet, dass die Bäume am Ende ihrer Laufzeit sind. Bis dort wirklich geplant wird, vergehen sowieso noch einmal zehn Jahre.“ Die Grünen konterten mit einem eigenen Antrag, in dem sie sich dafür aussprachen, die Pappeln zwischen Münchner Freiheit und Rheinstraße für „tabu“ erklären zu lassen. Bei der anschließenden Abstimmung mussten sie sich jedoch der Mehrheit beugen. Die Pappeln sollen nun zumindest noch „nach Möglichkeit“ bleiben.

Werner Lederer-Piloty (SPD).

„Wenn tatsächlich eine Mehrheit im Stadtrat diesen Radschnellweg befürwortet, dann müssen eben auch die Bäume weichen“, sagte Patric Wolf (CSU). „Man kann nicht einerseits sagen, dass man unbedingt einen Radschnellweg will, und auf der anderen Seite, dass es keinen Platz gibt.“ Lars Mentrup (SPD) argumentierte damit, dass die gefällten Bäume wieder nachwachsen würden.

Barbara Epple (Grüne) ließ sich davon jedoch nicht überzeugen. „Pappeln brauchen jahrelang, bis sie so groß werden wie die Bäume an der Leopoldstraße“, entgegnete sie. „Sie prägen das dortige Ortsbild. Zudem werden Bäume unterschiedlich alt. Es gibt für sie also keine Laufzeit.“ Ekkehard Pascoe (Grüne) pflichtete ihr bei: „Der Kahlschlag der SPD würde über Jahre hinaus den Charakter der Flaniermeile verunstalten. Man würde sie nicht wiedererkennen.“

Diskussion um die Pappel-Allee nur „viel Lärm um nichts“?

Auf Anfrage hieß es aus dem städtischen Planungsreferat, dass die dem Beschluss für den Radschnellweg zugrunde liegende Machbarkeitsstudie gezeigt habe, dass „die Bäume der hochwertigen Pappelallee an der Leopoldstraße nicht gefällt werden müssen“. Generell werde der Schutz von Parks, Grünanlagen und Bestandsgrün bei der Erarbeitung „besonders hoch gewichtet“. Möglicherweise ist die Diskussion im Bezirksausschuss also unter „Viel Lärm um nichts“ abzuhaken.

Einig war sich das Gremium immerhin darin, zwischen Siegestor und Rheinstraße Nachpflanzungen zu prüfen. „Die Stadt benötigt für die zukünftig zu erwartenden höheren Temperaturen in der Stadt mehr Schattenspender“, formulierte Bernhard Dufter (Grüne) in seinem Antrag. Dafür sollten auch die vorhandenen Lücken in der Baumallee wieder geschlossen werden, um diese zu stärken. Fest steht bereits, dass bei der Verschönerung des Umfelds am Siegestor im kommenden Jahr wieder haushohe Pappeln bis zu den Kopfbauten der Universität gepflanzt werden.

Zudem votierte der BA dafür, eine einzelne Pappel in der Leopoldstraße 57 besser zu schützen. Die dort parkenden Kleinlaster würden das Parkverbot um den Wurzelbereich der Pappel ignorieren. Deshalb sei die Erde dort plattgefahren und der Baum gefährdet.

Mehr zum Thema: Neue Radl-Autobahn von der Innenstadt nach Garching

Michael Hellstern

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