Lift kaputt, Einbahn-Rolltreppe

Rentner am U-Bahnsteig gefangen - dieser MVG-Mann half ihm heim

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­Senior Helmut Grießmayer (79) hing am Kieferngarten fest, ein Helfer der MVG brachte ihn bis nach Hause

München - Ein Rentner (79) saß am U-Bahnhof Kieferngarten fest, weil der Lift kaputt und die Rolltreppe in die falsche Richtung geschaltet war. Ein MVG-Mann half ihm vorbildlich.

An diesem Tag geht wirklich nichts mehr. Helmut Grießmayer ist erschöpft und der Verzweiflung nahe: „Es war sehr kalt, und mir ging der Sauerstoff aus.“ Der 79-Jährige hat jedoch keine Expedition ins Himalaya-Gebirge hinter sich, aber durchaus eine kleine Odyssee. Nur, weil es mit einer Rolltreppe nicht mehr bergab ging. Geholfen hat dem Senior ein netter Mitarbeiter der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Und zwar weit mehr, als er es hätte tun müssen …

Helmut Grießmayer ist sehr krank, auf eine Sauerstoff-Flasche und den Rollator angewiesen. Am Dienstag war er beim Arzt, fuhr mit der U-Bahn wieder in Richtung Zuhause. An der Haltestelle Kieferngarten steigt der 79-Jährige gegen 16 Uhr aus. Dann der erste Schreck!

Witterungsbedingt schaltet die MVG alle Rolltreppen mit Wechselrichtungen aufwärts. Dafür gibt es auch Gründe (siehe unten). Eigentlich kommen Fahrgäste zwar trotzdem vom Bahnsteig an die Oberfläche – aber nicht am Kieferngarten, denn dort liegt die Haltestelle oberirdisch, überhalb der Straße. Mit Rollator und Sauerstoff-Flasche war daher für Helmut Grießmayer hier Schluss. Keine Rolltreppe abwärts, und der Lift war kaputt. „Es gab wirklich viele Leute, die ihre Hilfe angeboten haben“, sagt der 79-Jährige. „Aber die Sauerstoff-Flasche ist sehr schwer, ich kann auch die Schläuche nicht abnehmen, weil ich darauf angewiesen bin.“ Außerdem kann sich der Senior nur langsam fortbewegen.

Also rief er bei der (MVG) an. Dimitrios Iordanidis (39) vom Serviceteam war innerhalb einer halben Stunde vor Ort, wollte die Rolltreppe mit einem Spezialschlüssel umschalten. Doch das klappte nicht. „Dazu hätte ein Techniker an den Schaltschrank gemusst“, sagt Iordanidis.

Der 39-Jährige entschied sich dann kurzerhand, mit Helmut Grießmayer eine ­U-Bahnstation weiter zu fahren. In Fröttmaning stiegen die beiden in eine U-Bahn stadteinwärts. So kamen beide zwar wieder an der Haltestelle Kieferngarten raus – allerdings auf dem anderen Bahnsteig. Und dort funktionierte der Aufzug!

„Ich habe den Herrn dann noch nach Hause gebracht“, sagt Iordanidis. „Das war das Mindeste, ich habe mir einfach Sorgen gemacht. Herr Grießmayer wirkte schon sehr erschöpft.“

Und der 79-Jährige ist sehr dankbar für die Hilfe, denn die Sauerstoffsättigung in seinem Blut war bereits gefallen.

Aber Grießmayer ärgert sich dennoch. Denn schließlich müsste die MVG doch wissen, wenn ein Aufzug kaputt ist. „Das wird bei uns auch automatisch gemeldet“, sagt Iordanidis. „Und die Monteure kommen auch, so schnell es geht.“ Aber die Störung schlug gegen 16 Uhr auf, da waren die meisten Monteure schon unterwegs – zu anderen Aufzügen, mit denen an diesem Tag nichts mehr ging.

Münchens schönste U-Bahnhöfe

U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Unter Münchens Erde liegen zahlreiche Schmuckstücke. Sehen Sie hier die schönsten U-Bahnhöfe der Stadt. © Bodmer
Der brandneue U-Bahnhof Münchner Freiheit strahlt nach der 20-monatigen Umbauphase in neuen Farben (U 6). © Schlaf
Ein faszinierend helles Stück „Münchner Freiheit“: Der Münchner "Lichtpapst" Ingo Maurer hat der U-Bahnstation mit seiner Farb- und Lichtgestaltung und den Deckenspiegeln Leben eingehaucht. © Schlaf
Transparenz, Offenheit, Freundlichkeit – das ist der neue U-Bahnhof Münchner Freiheit. © Schlaf
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Farbenfroh, freundlich und großzügig: Der Georg-Brauchle-Ring (U 1). © Bodmer
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Die U-Bahn-Station ist nach dem ehemaligen zweiten Bürgermeister Münchens, Georg Brauchle (CSU, 1915 – 1968) benannt. © Bodmer
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Absoluter Hingucker sind die Wandflächen, die der renommierte Künstler Franz Ackermann gestaltet hat. © Schlaf
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Die 3,80 Meter breiten Lampenschirme und die Beleuchtung stammen von Lichtdesigner Ingo Maurer, der auch die neue Münchner Freiheit konzipiert hat. © Bodmer
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Spektralfarben satt und Glasschutz vor den lebenswichtigen Säulen und dunklere Farben Richtung Tunnel: der Candidplatz in Giesing (U 1). © Bodmer
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Es ist nur ein Detail an einer Wand der Station: ein kleiner Schmetterling, auf den Flügeln steht „R. Knoll“ und „A. Wagner“. Dies sind die Namen der beiden Gestalter der Bahnsteigwände. © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Die Säulen der Station sind übrigens lebenswichtig: Der Bahnsteig, der in einer Kurve liegt, muss den Verkehrs- und Erddruck der Oberfläche aushalten – hier kreuzt auch die Candid­brücke am Mittleren Ring. © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Eine faszinierende Mischung aus Hell und Dunkel, eine atemberaubende Architektur – und ein kühnes Konstrukt, durch das Tageslicht in den Schacht fällt: Das ist der U-Bahnhof St.-Quirin-Platz (U1). © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Wenn man die Rolltreppe nach oben fährt, ist die muschelförmige Glaskuppel zu sehen, die den Blick auf einen Park öffnet. © Bodmer
Auch ein Schmuckstück in Münchens Untergrund: Der U-Bahnhof Dülferstraße (U 2). © Bodmer
Die farbenfrohe Wandgestaltung ist von der Münchner Künstlerin Ricarda Dietz, die hohen Rundbögen und die "Orgelpfeiffen" an den Säulen erinnern an eine Kirche. © Bodmer
Auf dem Weg nach oben grüßen die bayerischen Farben. © Bodmer
Die mächtigen Schwingen der Station „Am Hart“ erinnert an einen Windkanal. © Bodmer
Mit seiner blau-weißen Farbgebung verweist die Station auch auf das, was an der Oberfläche ist: dem Forschungs- und Technologiezentrum von BMW. © Bodmer
Der U-Bahnhof "Am Hart" wurde 1993 eröffnet. Geplant wurde er von Hilmer + Sattler und ­dem U-Bahn-Referat. © Bodmer
Die U-Bahnstation "Hasenbergl" (U 2). © Bodmer
Wie ein langes Segel wirkt die Deckenverzierung auf den Betrachter – und vermittelt somit leise: „Wo soll’s hingehen?“ © dpa
Der Bahnsteig hat keine Säulen und ist relativ hoch, der graue Granitbelag wird durch dreieckige Muster aufgelockert und gleichzeitig aufgepeppt. © Bodmer
Es mag schönere, spektakulärere und interessantere Bahnhöfe geben als den in Thalkirchen – aber sagen Sie das mal Kindern! © Bodmer
Die allermeisten werden diese Station zum Lieblingsbahnhof erklären. Und dafür sorgen die Wandbilder von Ricarda Dietz, die am Wochenende aus Tausenden Kinderkehlen ausgiebig kommentiert werden („Elefant! Giraffe!“). © Bodmer
„In keinem Bahnhof sonst wird so klar und deutlich auf die Attraktion an der Oberfläche hingewiesen wie hier in Thalkirchen“, sagt Architektin Cornelia Dissing. Eben auf den Tierpark. © Bodmer
Überhaupt besticht der Ort durch seine Helligkeit und Klarheit. Keine Säulen stören Weg und Blick, nur wenige Bänke behindern die freie Kinderwagenfahrt für frohe Babys. „Es ist ein sehr freundlicher Bahnhof, auch wegen seiner harmonischen Farbgebung“, beobachtet Dissing. © Bodmer
Klarheit ist bei Zweckbauten wichtig. So wie hier: Wo der Ausgang Richtung Tierpark ist, gibt die mächtige, angenehm flache Rampe vor. „An den Rampenwänden mussten andere, unempfindlichere Platten und Materialien verwendet werden als an der Rückwand des Bahnsteiges, da er anfälliger ist. Somit haben die Tiermotive auch ein anderes Erscheinungsbild.“ Wird den Kindern ziemlich egal sein – Hauptsache, hier geht’s weiter mit den Tieren! Gleich sind wir im Zoo! © Bodmer
Die „grüne Lunge“ Münchens im Untergeschoß: Der U4-Bahnhof Böhmerwaldplatz erinnert an einen Wald. © Bodmer
Der Bahnhof wurde am 27. Oktober 1988 eröffnet und strahlt eine besondere Harmonie aus. © Bodmer
Nur ganz am Ende des Bahnsteigs, zum Nebenausgang hin und hinter der Rolltreppe, findet doch noch ein kleines Waldsterben statt: Die armen, weitgehend unbemerkten Säulen sind klein, dürr, fast weiß. Aber wer steht schon so weit hinten im Wald? © Bodmer
Das 15. Wiesn-Zelt: Die U-Bahnstation Theresienwiese U4/U5. © Bodmer
Die Station ­gibt sich ganz Münchnerisch in Gelb und Schwarz – zudem erinnert die Konstruktion an ein Oktoberfestzelt. © Bodmer
Eines von Ricarda Dietz’ Wandbildern – sie stellen typische Szenen auf der Wiesn dar. © Bodmer

Rolltreppen: Darum schaltet die MVG im Winter um

Witterungsbedingt schaltet die MVG alle Wechsel-Rolltreppen im Winter auf Aufwärts-Betrieb. Der Grund. Damit wollen die Techniker vermeiden, dass über die Schuhe der Kunden Rollsplitt und Schnee in die Anlage gelangen. Beides kann die Rolltreppen schädigen. Zu viel Nässe kann bei frostigen Temperaturen außerdem zu Glatteisbildung im Sperrengeschoss führen. Daher laufen manche Anlagen auch nonstop, damit nichts einfriert. Insgesamt hat die MVG 771 Rolltreppen in den U-Bahnhöfen. Die über 400 Rolltreppen zwischen Oberfläche und Sperrengeschoss sind mit Heizungen ausgestattet, die bei entsprechender Witterung aktiviert werden.

Sascha Karowski

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