Pop-up-Restaurant

Restaurant „Fleischkonsum“: Herz auf dem Teller

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Für sein Pop-up-Restaurant hat Vincent Fricke eine lange Tafel anfertigen lassen. Im Untergeschoss des „Holzkranich“ in Schwabing serviert er drei Wochen lang ungewöhnliche F leischstücke, etwa Herz, Zunge oder Ochsenschwanz. 

Koch Vincent Fricke plädiert mit seinem Pop-up-Restaurant für bewussten Fleischkonsum – und serviert Innereien.

München - Es ist nicht mehr in aller Munde: Fleisch. Viele Menschen verzichten heutzutage auf den Konsum, in der Stadt eröffnen immer mehr vegetarische oder gar vegane Restaurants. Sich bewusst zu machen, was man isst, ist auch Koch Vincent Fricke ein Anliegen. Allerdings will der 30-Jährige, der schon im Steak-Restaurant „Theresa“ hinterm Herd stand, nicht auf tierische Produkte verzichten. Sein Pop-up-Restaurant trägt nicht umsonst den Namen „Fleischkonsum“. Allerdings bereitet er Stücke vom Tier zu, die sonst oftmals keine Verwendung finden: Herz, Zunge und Backe landen bei ihm auf dem Teller.

„Ich glaube, auch damit treffe ich einen Nerv“, sagt Fricke. „Wenn man alles vom Tier verwerten würde, würde man den Fleischkonsum auch schon erheblich reduzieren.“ In den meisten Restaurants werde nur Filet angeboten. „Aber was passiert mit dem Rest?“

Magen und Herz würden oft zu Hundefutter verarbeitet – oder landeten im Müll. Das will Fricke nicht hinnehmen. Er versucht, seine Gäste mit einer raffinierten Zubereitung zu überzeugen. „Viele kennen Zunge nur total verkocht von ihrer Großmutter und werden überrascht sein, dass sie ganz fantastisch schmecken kann.“ Drei Wochen lang serviert der junge Koch außergewöhnliche Fleischmenüs in einem angemieteten Kellerraum in Schwabing. Die Gäste können wählen zwischen drei, vier oder fünf Gängen (39/45/49 Euro). Eintrudeln können sie zwischen 19 und 21 Uhr, bis 23 Uhr darf dann an einer mit Kerzen beleuchteten Tafel geschlemmt werden. Auf dem Menü steht als erster Gang etwa eine Brühe vom Schweinekopf mit gebackenem Kinn, karamellisiertem Knoblauch, Eiernudeln und Erbsen. Ein weiterer Gang liest sich so: Bachlappen, Backe, Knochenmark, Gemüse und Kartoffeln.

Bis zu 25 Leute bewirtet Fricke pro Abend. Eine Besonderheit in seinem kleinen, feinen Keller-Restaurant: „Das, was gegessen wird, ist nicht alltäglich, dadurch kommen die Leute ins Gespräch.“ Auch wenn es manche Gäste ein wenig Überwindung koste, die ungewohnten Gerichte zu probieren – „alle tun es, viele fragen nach und lassen sich etwas dazu erklären“, sagt Fricke. Und damit ist ein Teil seiner Mission ja schon erfüllt.

Das Restaurant „Fleischkonsum“ ist noch bis 23. März im Untergeschoss des „Holzkranich“ an der Georgenstraße 105 zu finden. Eine Reservierung ist notwendig. Telefonnummer: 0177/ 728 86 67; E-Mail an bairischstew@gmail.com

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