BMW will Halt an Knorrstraße

Kommt jetzt der große S-Bahn-Ring?

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Utopie oder bald Realität? Ein S-Bahn-Ring, der die Wohn- und Gewerbegebiete im Norden erschließt und im Süden Züge halten lässt.

München - Münchens Top-Arbeitgeber BMW fordert einen S-Bahnanschluss bei seinem Technologiezentrum FIZ, das kräftig erweitert werden soll!

Die Forderung kommt wie ein Paukenschlag und könnte neue Bewegung in die Diskussion über die Zukunft des Öffentlichen Nahverkehrs in München bringen: Münchens Top-Arbeitgeber BMW fordert einen S-Bahnanschluss bei seinem Technologiezentrum FIZ, das kräftig erweitert werden soll!

An der Knorrstraße werden in den nächsten 50 Jahren im FIZ von BMW an die 15 000 Arbeitsplätze entstehen (siehe unten). Doch wie sollen die vielen Menschen dort hin kommen? Die Straßen im Münchner Norden sind schon jetzt zu den Zeiten des Berufsverkehrs hoffnungslos überfüllt. Vor allem die Beschäftigten aus der nördlichen Nachbarschaft Münchens haben kaum direkte Anschlüsse im Nahverkehr. Derzeit diskutiert man im Rathaus über einen neuen Autobahnanschuss an die A92, auch eine neue Tram von Am Hart zum Kieferngarten ist im Gespräch, ebenso eine U-Bahn-Verbindung zwischen der U2 und der U6. Die Straßenanbindung kann kein Allheilmittel sein, eine Tram wiederum könnte wiederum nicht Anreiz genug für Pendler bieten, das Auto stehen zu lassen. Die U-Bahn-Spange wiederum droht unrentabel zu sein.

So könnte der neue S-Bahn-Ring aussehen.

Dabei gibt es eine bestehende Bahnlinie, die direkt am FIZ vorbeiläuft – den Nordring der Bahn, der bislang dem Güterverkehr vorbehalten ist. Allerdings sind diese Gleise mit denen der S8 im Osten und der S1 und auch der S2 im Westen verbunden. Fünf der sechs Architektenteams, die am Wettbewerb für die FIZ-Erweiterung im Rennen sind, planen dort einen S-Bahn-Halt. Und Herbert Grebenc, bei BMW zuständig für die Immobilien, sagt zur SZ: „Wir wünschen uns einen S-Bahn-Anschluss.“ Doch derzeit fahren dort keine S-Bahnen, sie könnten aber jederzeit, das bestätigt die Bahn, von Westen und Osten über den Nordring geschickt werden.

Die Rathaus-CSU forderte den Nordring schon vor 20 Jahren, allerdings vergeblich. „Schön, dass BMW endlich Schwung in die Debatte bringt“, so Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste. „Ein Nordring könnte die Stammstrecke ebenso entlasten wie der Südring.“

Paul Bickelbacher von den Grünen geht noch einen Schritt weiter: „Man könnte die Züge auch aus Landshut oder von Augsburg kommend direkt zum FIZ schicken.“

BMW: 15.000 neue Jobs

Auf dem Gelände der ehemaligen Kronprinz-Rupprecht-Kaserne im Münchner Norden will BMW sein bestehenden Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) erweitern. Ursprünglich plante hier die Stadt 1400 Wohnungen. 2011 beschloss der Stadtrat, dass BMW das Gelände für seine Entwicklungsabteilung nutzen darf. Auf 59 Hektar sollen bis 2025 an die 15 000 neue Jobs entstehen. Schon jetzt arbeiten im FIZ rund 20 000 Menschen, insgesamt beschäftigt BMW in München 34 000 ­Mitarbeiter.

Johannes Welte

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