Neue Runde im Wirtshaus-Zoff

„Sakrisch Guat“: Sportverein stimmt heute über die Zukunft der Traditionsgaststätte in Freimann ab

Protest vorm Wirtshaus: Mit dabei sind Stadtrat Dirk Höpner (li. hinten) sowie (vorne, v. li.) Walter Hofstetter (Anwohner), Gerlinde Schopf (TS Jahn), Brigitte Fingerle-Trischler (Erste Vorsitzende des Kulturvereins und Leiterin des Stadtteil-Archivs Freimann), Wirt Bernhard Scholl sowie Mitarbeiter und Gäste der Traditionsgaststätte.
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Protest vorm Wirtshaus: Mit dabei sind Stadtrat Dirk Höpner (li. hinten) sowie (vorne, v. li.) Walter Hofstetter (Anwohner), Gerlinde Schopf (TS Jahn), Brigitte Fingerle-Trischler (Erste Vorsitzende des Kulturvereins und Leiterin des Stadtteil-Archivs Freimann), Wirt Bernhard Scholl sowie Mitarbeiter und Gäste der Traditionsgaststätte.

Schwierige Gemengelage in Freimann: Heute stimmt der TS Jahn erneut über den Verkauf seines drei Hektar großen Grundstücks ab.

Der Streit ums Jahn-Sportgelände und die Wirtschaft „Sakrisch Guat“ an der Freisinger Landstraße geht in die nächste Runde: Per Mitgliederbeschluss der Turnerschaft (TS) Jahn wurden die drei Hektar Land samt Wirtshaus eigentlich bereits 2018 an die Bayerische Hausbau (BHG) verkauft. Doch das Landgericht zweifelte den Beschluss Anfang 2021 an, weil zu wenige Mitglieder an der Abstimmung teilgenommen hatten. Daher wird in einer heutigen Mitgliederversammlung erneut abgestimmt.

München-Freimann: Initiative setzt sich für fairen Verkauf der Jahngrundstücke ein

„Unser Vorstand soll endlich die Regeln akzeptieren. Also ganz klar eine Ausschreibung, damit unser gemeinnütziger Breitensportverein einen angemessenen Preis erzielt“, sagt Tilman Steiner (81) von der Initiative für fairen Verkauf der Jahngrundstücke. „Und zweitens eine sinnvolle Aufteilung der zu bebauenden Flächen, damit das Gelände des Jahn nicht zerrissen wird und die Idylle mit der Traditionsgaststätte dem Stadtteil erhalten bleibt.“

Tilman Steiner von der Initiative für fairen Verkauf der Jahngrundstücke.

Über 6000 Freimanner haben eine Petition zum Erhalt der Wirtschaft unterschrieben. Die BHG hatte Bernhard Scholl, dem Wirt des „Sakrisch Guat“, 2019 den Pachtvertrag gekündigt. Nach einem Streit vor Gericht wurde die Kündigung heuer vom Landgericht bestätigt.

Auf dem Gelände der Turnerschaft soll Neubaugebiet erweitert werden

Auf dem Gelände der Turnerschaft will die Hausbau ihr genehmigtes Neubaugebiet an der Freisinger Landstraße Richtung Norden erweitern. 640 Wohnungen sollen hier entstehen, zudem Gewerbe, Grünflächen und vielleicht ein Naturfreibad.

Der Verein verspricht sich vom Verkauf die Finanzierung seines Hallenbaus am Hauptsitz an der Weltenburger Straße (Bogenhausen) sowie Geld für eine neue Halle in Freimann.

Das Wirtshaus „Sakrisch Guat“ ist über 100 Jahre alt.

Da die Gültigkeit des Verkaufs nun aber in der Schwebe hängt, war die BHG zum Zeitpunkt der Kündigung wohl gar nicht Eigentümer des „Sakrisch Guat“. Allerdings will auch der Vorstand des TS Jahn den alten Pachtvertrag nicht aufrechterhalten.

Scharfe Kritik am bisherigen Verkaufsprozess

Von der Bayerischen Hausbau hat der Verein bisher in einer ersten Rate zehn Millionen Euro bekommen. Die Höhe der zweiten Rate hängt von der künftigen Bebauung ab. Doch Kritiker beim TS Jahn sorgen sich, dass für die Halle in Freimann nicht genügend Geld bleibt. „Aufgrund der Bodenwerte ist ein um mindestens zwölf Millionen Euro höherer Verkaufspreis möglich“, sagt etwa Stadtrat Dirk Höpner (60, München-Liste). Es würden sogar hohe Angebote anderer Investoren vorliegen. „Der bisherige Verkaufsprozess ist völlig intransparent und nicht nachvollziehbar“, moniert Höpner.

Vereinsmanager Sven Lommatzsch hält dagegen: Man habe 2018 viele Gespräche mit potenziellen Bauträgern geführt, aber die Bayerische Hausbau habe „das einzig belastbare Angebot gemacht“. Die zehn Millionen Euro seien zudem bereits in den Bau der neuen Sporthalle in Bogenhausen geflossen. Auf der TS-Jahn-Website heißt es: Eine Rückabwicklung der Baumaßnahme an der Weltenburger Straße könnte die Existenz des Vereins vernichten. Für den Bau der Halle in Freimann seien genügend finanzielle Mittel vorhanden, so Lommatzsch.

Wie es mit dem Kult-Wirtshaus und dem Jahn-Gelände weitergeht und ob sich der Streit im Verein legt, wird sich heute Abend bei der virtuellen Abstimmung zeigen.

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