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Ist Schwabing Münchens Szene-Viertel?

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Schwabing gilt immer noch als Szene-Viertel mit hoher Kneipen-Dichte.

München - Schwabing gilt als DAS Szene-Viertel Münchnens. Das hippe Image ist für die Bewohner aber nicht der Hauptgrund, warum sie gerne dort leben. Das sagen die Schwabinger im Stadtteil-Check:

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Noch immer zehrt Schwabing vom Mythos des hippen, kulturellen Münchner Zentrums. Zur Zeit des Prinzregenten Luitpold und zwischen den Weltkriegen genossen Deutschlands Vorzeige-Literaten wie Thomas Mann, Rainer Maria Rilke oder Oskar Maria Graf ihr kühles Bier oder ihren Kaffee in den legendären Kneipen wie dem "Alten Simpl".

1962 erlangte das Viertel auf Grund der sogenannten Schwabinger Krawalle nationale Bekanntheit, als sich aufgebrachte Bürger nach der Verhaftung von Straßenmusikern Schlachten mit der Polizei liefern. Im Zuge der Achtundsechziger-Bewegung prägten wenig später Miniröcke, lange Haare und politisierende Studenten das Stadtteilbild. Seither ist das Image Schwabings verbunden mit einer hohen Kneipendichte. Außerdem ist Schwabing Heimat der meisten Live-Musikbühnen und Theater in München.

Dieses Klischee haftet den beiden Stadtbezirken Schwabing-West und Schwabing-Freimann noch immer an. Wenn man allerdings die Antworten der Schwabinger im Stadtteil-Check studiert, dann kommt man schwerlich zu dem Eindruck, dass es die Menschen allein wegen der Kultur dorthin zieht.

Schwabing: Teures Szene-Viertel im Zentrum

Schwabing: Teures Szene-Viertel im Zentrum

Viel wichtiger in der Wahrnehmung der Bewohner sind die attraktive Lage im Zentrum Münchens und die Nähe zum Englischen Garten oder zum Olympiapark. Freizeit, Natur und schnelle Verkehrsanbindungen zählen heute mehr als das Hipster-Image.

Die attraktive Lage im Zentrum bringt natürlich einen Riesen-Nachteil mit sich, den ein Großteil der Bewohner auch massiv beklagt: Schwabing ist richtig teuer. Aber lassen wir die Schwabinger selbst zu Wort kommen! Im Stadtteil-Check haben tausende Münchner bereits ihre Einrdücke geschildert.

Der Pluspunkt ihres Viertels sei eindeutig "die Nähe zu den Parks - dem Petuelpark, dem Lutipoldpark, dem Olympiapark und dem Englischen Garten", betont eine Frau (41) aus Schwabing-West. Bei den Mieten, so moniert sie, langen die Vermieter auch ganz ordentlich und zuweilen unverschämt hin. "Die Mieten sind im Vergleich zur Ausstattung einer Wohnung überhöht. Ich würde bei einem entsprechenden Mietpreis auch eine entsprechende Ausstattung erwarten. Leider wird in München die knappe Wohnungssituation maßlos ausgenutzt."

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Ein 67-Jähriger, dem die "großen" Zeiten des "szenigen" Schwabings noch ein Begriff sein dürften, meint: Das Viertel hat seinen Glanz noch nicht ganz eingebüßt. "Es ist halt immer noch, wenn auch nur in absoluter Vedünnung, das alte, aufregende Schwabing." Was ihm missfällt: "Dass alle Zugezogenen aus Bad Kyritz an der Knatter nicht zu Schwabingern werden, sondern Kyritzer bleiben."

Offenbar ist die Abneigung gegenüber Neu-Münchnern, die aber nicht zu Münchnern werden wollen, gerade bei den alteingesessenen Schwabingern häufig anzutreffen. Ein 57-Jähriger schätzt zwar die "immer noch gemischte Bevölkerung aus echten Münchnern und Zugereisten". Trotzdem mag er es nicht, dass "die Zugereisten - also die Preußen - überhand nehmen". Zudem findet er es beklagenswert, dass es immer weniger Miet- und dafür immer mehr Eigentumswohnungen gibt.

Die vielen Schwabinger Lokale mit eigenem Charme preist eine 29-Jährige. Sie mag "die Fülle an tollen Bars und Kneipen, die nicht 'typisch München' sind." Als Mankos in Schwabing benennt sie zu hohe Mieten und zu wenig Parkplätze.

Ein 24-Jähriger ist total begeistert von seinem Viertel, in dem er lebt. Ihm gefällt einfach "das einzigartige Leben in Schwabing". Kritikpunkte? "Da gibt es nichts." Er ist offenbar wunschlos glücklich.

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Das Schwabinger Flair schätzen vor allem die Jüngeren. "Wenn mich Freunde aus anderen Stadtteilen besuchen kommen, wird oft gesagt, dass Schwabing-West in ihren Augen die Bohème von München darstellt.", schreibt ein 25-Jähriger. Aber auch ihn stören die Wohnkosten in seinem Viertel. "Die extrem hohen Mieten in Schwabing und die Knappheit an verfügbaren Wohnungen sind Schwachstellen, die man leider in Kauf nehmen muss, wenn man in der Gegend wohnt bzw. wohnen bleiben möchte."

Wer die Münchner Kultserie "Monaco Franze" kennt, der weiß natürlich, dass der "ewige Stenz" Franz Münchinger vor 30 Jahren meinte, dass Schwabing eher out sei. Dem widerspricht ein 31-Jähriger (der die Serie vermutlich nicht mehr bei der Erstausstrahlung verfolgt hat): In Schwabing könne er "in einer quirligen Metropole wie auf dem Land leben". Er betont: "Lieber Monaco, Schwabing ist überhaupt nicht out." Ihn stört allerdings der Drogenkonsum - oder, wie er es nennt: "die Suchtler am Wedekindplatz".

Fazit: Schwabing ist lässig und für Fans von Grünanlagen, die zudem eine gute Verkehrsanbindung schätzen, ein idealer Wohnort. Nur: Leisten muss man sich Schwabing eben auch können!

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fro

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