Die tz hakte nach

Tivoli-Tennisanlage: Besteht noch Hoffnung?

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Enzio Rességuier de Miremont (38, r.) kämpft für die Tivoli-Anlage.

München - Enzio Rességuier de Miremont (38) ist Initiator von "Rettet das Tivoli". Besteht noch Hoffnung, dass die Tennis-Anlage bleibt? Die tz sprach mit ihm.

Herr Rességuier, im Zuge des Umbaus des Wilhelms-Gymnasiums hat vor vier Wochen der Stadtrat die Tivoli-Tennisanlage zum Ausweichquartier für die Schüler erklärt. Ab Herbst 2015 werden die gut 600 Schüler dort in großen Containern unterrichtet. Sie und Ihre Mitstreiter haben sich gegen den Standort gewehrt. Haben Sie denn überhaupt noch Hoffnung?

Rességuier: Zunächst waren wir frustriert. Wir hatten uns wochenlang engagiert, nach der Entscheidung im Stadtrat fehlte uns erst einmal die Energie. Aber dann haben uns sehr viele Leute angesprochen und gebeten, dass wir weiterkämpfen. Wir haben mit dem Bezirksausschuss-Vorsitzenden Wolfgang Püschel einen Mitstreiter an unserer Seite und bei der Online-Petition innerhalb kürzester Zeit knapp 2300 Unterschriften gesammelt. Vielleicht besteht die Möglichkeit, nach den Wahlen das Thema noch einmal anzugehen.

Was wäre denn Ihr favorisierter Standort für die Container während der dreijährigen Bauzeit?

Rességuier: Wir halten immer noch den Hirschanger für die bestmögliche Lösung. Das ist das riesige Schulsportgelände im Süden des Englischen Gartens.

Und was spricht dagegen?

Rességuier: Die Stadt verweist auf den Englischen Garten als sakrosanktes Landschaftsschutzgebiet und Naturdenkmal. Dabei ist das kein öffentlich zugängliches Areal, das würde keinen wirklich stören, zumal die Container nur am Rande Platz fänden. Auch handelte es sich hier um eine Interimslösung, während beim Tivoli, der im Übrigen ebenso Landschaftsschutzgebiet ist, danach Bauland geschaffen würde, weil eine Sportanlage immissionsschutzrechtlich nicht mehr genehmigungsfähig wäre.

Wie soll das funktionieren?

Rességuier: Das Gelände ist städtisches Eigentum und als sogenannter Außenbereich im Innenbereich von Bebauung freizuhalten. Nach der vorgesehenen Zeit für die Container könnte man aber dort einen Bebauungsplan für Wohnbebauung beschließen. Ich tippe auf eine Riegelbebauung mit Luxuswohnungen. Dass danach hier wieder Tennis gespielt wird, halte ich für ausgeschlossen. Als problematisch und weiteren Unsicherheitsfaktor für das Aufstellen der hohen Container sehe ich aber neben dem feuchten Untergrund die nötige Entsorgung des Untergrunds.

Wieso, was befindet sich unter der Tennisanlage?

Rességuier: Kesselschlacke, also Sondermüll. Rund 50 Tonnen pro Tennisplatz. Macht insgesamt 350 Tonnen. Wenn Sie bedenken, dass die Entsorgung einer Tonne 400 Euro kostet, ist man nochmal bei 140 000 Euro. Ich befürchte aber, dass es nicht so gut aussieht für uns. Aber wir geben garantiert nicht auf. Die Stadt begibt sich auf sehr unsicheres Terrain und wäre gut beraten, ebenfalls den Hirschanger nochmals intensiv und objektiv zu überdenken. Es ist ja noch eine ganze Zeit hin bis zum Schuljahr 2015/2016.

Florian Kinast

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