MVG prüft Optionen

Diese drei Möglichkeiten gibt‘s für die Tram durch den Englischen Garten

+
Beispiel Dresden: Hier fährt die Tram auf einem Grasbett. Die Gleise sind laut MVG mit überschaubaren Eingriffen in den Boden errichtet worden.

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) prüft Möglichkeiten für ein Rasengleis durch den Englischen Garten. MVG-Chef Ingo Wortmann kennt entsprechende Varianten aus seiner Ulmer Zeit. 

München - Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) prüft Möglichkeiten für ein Rasengleis durch den Englischen Garten. Vorbild könnten Dresden und Ulm sein. In beiden Fällen wären bauliche Eingriffe minimal. Es gibt aber auch eine rasenlose Variante. Ingo Wortmann hat in seiner Zeit als Chef der Ulmer Verkehrsbetriebe nicht nur ein solches Projekt begleitet. 

Der jetzige Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft hat zudem in Kooperation mit Universitäten verschiedene Rasentypen entwickeln lassen. Rasen, der bei viel Sonne wächst, und Grün, das auch bei Schatten gedeiht. „Der Fehler war damals, dass wir nicht bedacht haben, dass an der Endhaltestelle die Trambahnen lange stehen“, erzählt Wortmann. „Dort ist der Rasen dann nicht gut angewachsen.“ Diese Erfahrungen aber könnten der MVG nun bei der Planung der Tram-Nordtangente zugutekommen.

Die Trasse ist über 13 Kilometer lang und soll von Neuhausen (Romanplatz) über Schwabing bis nach Bogenhausen (St. Emmeram) führen. Der Großteil der Strecke existiert bereits. Es fehlt nur der etwa zwei Kilometer lange Abschnitt zwischen Elisabethplatz und Tivolistraße. Davon verläuft ein Kilometer direkt durch den Englischen Garten. Die MVG favorisiert die Tram gegenüber Bussen. Derzeit frequentieren die drei Linien 54, 150 und 154 den Park. Eine Tram kann 1,8-mal mehr Fahrgäste mit einer Fahrt transportieren.

Tram soll mit Akku fahren

Die Verkehrsbetriebe untersuchen derzeit mehrere Varianten für diesen Bereich. Dabei soll die Tram ohne Oberleitung auskommen und mit einem Akku fahren – idealerweise schon in dem noch zu erschließenden Teilstück außerhalb des Parks, auf der Franz-Joseph-, Martius- und Thiemestraße.

Die Prüfungen sollen im Spätherbst den Bürgern vorgestellt werden. Eine der Varianten sieht auf dem Teilstück im Englischen Garten ein Rasengleis vor. Vorbild könnten Dresden und Ulm sein. Dort rollen bereits Züge über Rasengleise, die mit minimalen Eingriffen eingerichtet worden sind. Diese Gleise kommen mit einer Betonschwelle aus, die 25 Zentimeter hoch ist, darüber wird ein Geotextil gelegt, das wasserdurchlässig ist. Und darüber wiederum wird Rollrasen verlegt, darauf die Gleise.

Gegner der Tram hatten bisher argumentiert, dass eine Trasse durch den Englischen Garten einer „Betonkiste mit mindestens 80 Zentimetern Tiefe“ bedürfe. Laut Wortmann wird auch eine Trassen-Variante ohne Rasengleis geprüft. „Wir sind gefragt worden, was wäre, wenn wir die Strecke einfach schön herrichten.“ 

Rasengleis wird wohl günstiger sein

Die MVG könnte den Belag austauschen, um die Straße mehr wie einen Parkweg aussehen zu lassen. In beiden Fällen würden links und rechts der Trasse Wege für Radfahrer, Fußgänger und nötigenfalls auch für Rettungsfahrzeuge entstehen. Wortmann selbst ist leidenschaftslos. „Wir werden die Variante nehmen, die konsensfähig ist.“ Gleichwohl sei davon auszugehen, dass ein Rasengleis günstiger sei.

Untersucht wird auch, ob die Tram vielleicht sogar unterirdisch fahren kann. Jüngst hatte das Schwabinger Architektenpaar Hermann Grub und Petra Lejeune diesen Vorschlag publik gemacht.

Kein Thema scheint mehr die Frage, ob die Tram auch ohne Akku und Oberleitung auskommen könnte. Unlängst hatte die CSU beantragt, nach Vorbildern in Augsburg und Bordeaux einen alternativen Antrieb prüfen zu lassen. Die Tram in Frankreich etwa stammt vom Hersteller Alstom und fährt mit einer Stromschiene, die 750 Volt Gleichspannung führen kann. In Augsburg funktioniert das ähnlich – allerdings mit überschaubarem Erfolg. „Das hat sich nicht bewährt“, sagt Wortmann. „Der Testversuch in Augsburg ist schon wieder abgebaut worden.“

Sascha Karowski

Auch interessant

Meistgelesen

Bluttat in Harlaching: Angeklagter gesteht Mord - und verrät gruseliges Detail
Bluttat in Harlaching: Angeklagter gesteht Mord - und verrät gruseliges Detail
Computer-Panne am Wahltag? Helfer schildert chaotische Szenen - Verwaltung mit vielen Problemen konfrontiert 
Computer-Panne am Wahltag? Helfer schildert chaotische Szenen - Verwaltung mit vielen Problemen konfrontiert 
„Geht stehlen statt wählen“: 30 Vermummte ziehen randalierend durch Obergiesing - Zeugen gesucht
„Geht stehlen statt wählen“: 30 Vermummte ziehen randalierend durch Obergiesing - Zeugen gesucht
Wegen Auftritt am Wahlsonntag: Kleinkunst-König wütet gegen Ude und Post
Wegen Auftritt am Wahlsonntag: Kleinkunst-König wütet gegen Ude und Post

Kommentare