Das Tamtam um die Tram durch den Englischen Garten

Geplante Tram-Nordtangente: Söder lässt die Stadt abblitzen

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Ohne Oberleitung soll die Akku-Tram zwischen Tivoli- und Thiemestraße auskommen.

Die Tram-Nordtangente durch den Englischen Garten steht vermutlich auf dem Abstellgleis. Einmal mehr hat sich OB Dieter Reiter (SPD) bei Finanzminister Markus Söder (CSU) für das Projekt eingesetzt. Doch der Minister sperrt sich und will lieber weiter auf den Bus setzen.

München - Der einstimmige Auftrag des Stadtrats-Plenums rang OB Dieter Reiter ein knappes Lächeln ab: Er möge sich sich im leidigen Trassen-Streit erneut mit Finanzminister Markus Söder (CSU) ins Benehmen setzen. „Ich habe den Staatsminister schon mehrfach angeschrieben“, sagte Reiter. „Ich mache das aber gerne ein weiteres Mal, weil es ein wichtiges Projekt ist.“

Die Verbindung zwischen Elisabethplatz und Tivolistraße soll zu einem Teil auf Rasengleisen durch den Englischen Garten führen. Der gehört dem Freistaat, vertreten durch das Finanzministerium. Im bis dato letzten Schreiben vom Dezember 2016 bot der OB dem Minister an, sich gemeinsam die mögliche Trasse anzusehen. Das Schreiben blieb unbeantwortet, ebenso wie eine Nachfrage unserer Zeitung, warum Söder auf den Brief aus dem Münchner Rathaus nicht reagiert hat.

Der Freistaat, soviel immerhin ließ Söder mitteilen, lege Wert auf einen zusammenhängenden, ungeteilten Englischen Garten. „Gleise und Fahrkörper können zudem zur Gefahr für Kinder, Spaziergänger und Tiere werden“, heißt es.

Söder: „Massive bauliche Eingriffe nötig“

Streckenverlauf der Tram durch den Englischen Garten.

Bis dato war stets die störende Oberleitung als wichtigstes Argument ins Feld geführt worden. Dieser Einspruch ist obsolet, denn die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) will eine Akku-Tram einsetzen, die den Teilabschnitt durch den Englischen Garten ohne Oberleitung bewältigt. Nun argumentiert Söder, dass „auch bei einer batteriebetriebenen Tram ohne Oberleitungen massive bauliche Eingriffe nötig“ wären. So müssten technische Einbauten wie zweigleisige Schienenkörper, Signalanlagen, Beleuchtungsmasten, Verkehrs- und Warnschilder, Umlenkgitter an den querenden Fuß-, Rad- und Reitwegen vorgenommen werden.

„Hinzu käme eine Verbreiterung der Straße aufgrund der dann notwendigen seitlichen Radwege und Inanspruchnahme seitlicher Flächen wegen der Verlegung der bisher unter der Busstraße verlaufenden Hauptwasserleitung.“

Zwar glaubt die MVG, die Tramtrasse auf der bestehenden Straße errichten zu können, auf der die Buslinien 54, 150 und 154 den Park durchqueren. Doch diese Straße ist Söder ohnehin schon zu breit. Im November 2016 hatte der Minister vorgeschlagen, die Busstraße neu zu gestalten. „Dadurch kann die größte innerstädtische Parkanlage der Welt weiter aufgewertet werden.“ Das Konzept sieht vor, die Linienführung nach historischen Dokumenten zu korrigieren, die Straße auf die Mindestbreite zurückzubauen und den Belag farblich an die Parkwege anzupassen.

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema: „Emotionen statt Argumente“

Pikant: Für dieses Vorhaben müsste sich Söder mit der MVG und im letzten Schritt mit OB Reiter und der Stadt einig werden. Die MVG hatte zwar Gesprächsbereitschaft signalisiert, favorisiert jedoch weiterhin die Nordtangente. „Wir halten daran fest, dass eine Trambahn durch den Englischen Garten für alle das Beste wäre“, sagt MVG-Sprecher Matthias Korte. „Sie hätte einen besonders hohen verkehrlichen Nutzen, weil mit einem nur zwei Kilometer langen Lückenschluss eine rund acht Kilometer lange Tangentialverbindung von Neuhausen-Nymphenburg bis nach Bogenhausen möglich wäre.“

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