Chefin Anneliese Haberl erinnert sich

Trauer um Eddi vom Chinesischen Turm

+
Eddi Zucknick: Der Chinesische Turm war sein Revier und der dortige Biergarten sein Leben.

München - 40 Jahre lang arbeitete Eddi Zucknick im Restaurant am Chinesischen Turm. Nun ist der legendäre Betriebsleiter im Alter von 79 Jahren gestorben.

Es gab Gäste im Restaurant Chinesischer Turm, die kamen nur wegen ihm: Eddi. Der Mann war wegen seines ausgezeichneten Service und seiner Herzlichkeit allseits beliebt. 40 Jahre lang hielt er der Gastwirtschaft die Treue. Am 22. Juni wäre Eddi Zucknick 80 Jahre alt geworden. Dieser Ehrentag war ihm leider nicht mehr vergönnt, Eddi ist verstorben. „Wir vermissen ihn sehr. Er war der gute Geist, die Seele des Hauses“, sagt Wirtin Anneliese Haberl.

Es war die Art, wie Eddi mit den Menschen umgegangen ist, so Haberl: Seine Stammgäste habe er stets mit ihren Namen angesprochen und selbst ihr Sternzeichen wusste er. Ein Kellner der alten Schule war Eddi: Er hatte seinen Beruf von der Pike auf gelernt. „Er hat alles gesehen, selbst wenn einer Dame die Jacke vom Stuhl gefallen ist“, erinnert sich die Wiesn-Wirtin (Ochsenbraterei). Seine Lieblingsbeschäftigung? Serviettenfalten: „Er konnte 15 verschiedene Formen. Und die mussten alle seine Lehrlinge lernen“, lacht Haberl. Der Chinesische Turm war sein Leben. „Ich denke, wir waren seine Familie, Eddi hat ja leider alleine gelebt“, berichtet Haberl. Hilfsbereitschaft war für Eddi selbstverständlich: „Wollte ein Gast, dass rote Rosen für die Ehefrau an den Tisch gebracht werden, so hat er sie besorgt. Bei Kommunionen musste die Tischdekoration perfekt sein, das Grün der Maiglöckchen genau auf die Servietten abgestimmt sein. Dafür ist er stundenlang am Marienplatz in Geschäften gewesen, um sie zu besorgen.

1974 hatten Anneliese und Hermann Haberl das Restaurant am Chinesischen Turm übernommen. Ihr Mann hatte Eddi zufällig im Holiday Inn bei der Arbeit getroffen. „Du gehörst zu uns“, habe Hermann Haberl gesagt und ihn sofort eingestellt. Eddi war es eine große Ehre, dass er 1976 bei der Winter-Olympiade in Innsbruck Silvia Sommerlath, die zukünftige Königin von Schweden, bedienen durfte. Auch den Service vom runden Ehrentisch, an dem Franz Josef Strauß und seine Frau Marianne saßen, durfte Eddi auf den Faschingsbällen in der Olympiahalle übernehmen. „Wir wussten einfach, Eddi ist der richtige Mann“, sagt Haberl. Auf dem Ostfriedhof hat er vergangene Woche seine letzte Ruhe gefunden.

Tina Layes

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Berufung zurückgezogen: Todesfahrer muss in Haft
Berufung zurückgezogen: Todesfahrer muss in Haft
Video: Das ergaben die Ermittlungen zum OEZ-Amoklauf
Video: Das ergaben die Ermittlungen zum OEZ-Amoklauf

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare