Nordfriedhof

Trauerfeier für Rolf Boysen: Abschied vom Theaterkönig

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Rolf Boysen war eines der bekanntesten deutschen Theater-Gesicher.

München - Seine Trauerfeier am Nordfriedhof hätte Rolf Boysen wohl gefallen. Sie hatte allen Ernst und alle Würde, die diesem ganz Großen unter den Schauspielern zukommt.

Auf dem Sarg, ein kleines, weißes Liliengesteck, dazu sein schwarzer Schal und die Baskenmütze. Genau – damit haben wir unseren geliebten und bewunderten Rolf Boysen oft gesehen.

Rolf Boysen verstarb am 16. Mai in München.

Seine Trauerfeier am Nordfriedhof hätte ihm wohl gefallen. Sie hatte allen Ernst und alle Würde, die diesem ganz Großen unter den Schauspielern zukommt, aber auch heitere Augenblicke, wenn die Trauer-Redner von ihren persönlichen Boysen-Momenten sprachen. Und diese Stunde wurde, auch dies hätte Boysen gemocht, zu einem großen „Klassentreffen“ der Münchner Theaterleute. Sie alle hatten ihn ja nicht nur uneingeschränkt bewundert, sondern geliebt.

Denn Boysen war freundlich und nahbar, immer offen fürs Gespräch. Ein Flensburger, auch wenn er seinen Wert kennt, macht kein Gewese um sich.

Dr. Hans-Georg Küppers und Münchens OB Dieter Reiter.

Zum ersten Mal musste Dieter Reiter als OB in Sachen Kultur ans Rednerpult und schlug sich sehr anständig. Dieter Dorn, Boysens langjähriger Intendant und Leib- und Magen-Regisseur – die beiden sprachen künstlerisch die gleiche Sprache – ging auf die spezielle Eigenart von Boysen ein: Aus dem Text Schicht um Schicht Menschen aufzubauen, Widersprüche nicht einzuebnen, sondern stehen zu lassen (Shylock) und zu zeigen, warum gerade dieser oder jener Mensch so und nicht anders handeln konnte.

Witwe Marianne Boysen mit Sohn Pierre in der Aussegnungshalle im Nordfriedhof.

Das Wunder Boysen beruhte auch darauf, dass er ein Denker, ein Intellektueller war, was seine Kunst nicht austrocknete. Sein Umgang mit Texten und Sprache ist legendär. Deswegen hatte Michael Krüger, der Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, einen Trost: den „tragbaren Boysen“. Die vielen CD’s nämlich, auf denen dieser Sprechkünstler mit Lust große Literatur von Aischylos, Homer, Vergil, Dante und dem Nibelungenlied bis zu Kleist-Novellen gesprochen hat. Es wird einen Ansturm darauf geben, denn diese Stimme, wenn man sie schon nicht mehr auf der Bühne hören kann, gibt auch auf der Konserve noch eine Ahnung vom puren Leben. Die Dramaturgin Laura Olivi hat alle diese Literatur-Einspielungen mit ihm zusammen erarbeitet und erzählte von den letzten Rezitationsabenden im Residenztheater mit einem tief berührten Publikum.

Brigitte Fassbaender ließ von der Schauspielerin Corinna Beilharz eine Dankadresse verlesen und zitierte den Mozart der „Entführung“, in der Boysen einst in Wien, der Bassa Selim war, mit dem Wort: „Was ist der Tod? Ein Übergang zur Ruh’“.

Die sonst immer düstere Friedhofshalle mutete freundlich an, weil die Tür weit offen stand: Dort saßen fünf Musiker um Roger Jannotta und stellten damit den Bezug zum Theater her.

Als alles vorbei war, konnte sich die Boysen-Gemeinde nicht trennen. Wer weiß? Vielleicht stehen sie alle immer noch draußen, reden über sich und ihre Pläne, freuen sich, einander zu sehen und miteinander über diesen wundervollen, geliebten, verehrten Rolf Boysen zu sprechen

Beate Kayser

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