So wehren Sie sich dagegen

Vorsicht! Hier rufen falsche Polizisten an

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Wilfried P. am Telefon: Betrüger wollten ihn abzocken. Seine Frau rief die Polizei

Vorsicht vor falschen Polizisten! Die Masche der Betrüger: Sie rufen Münchner Bürger an und geben sich als Gesetzeshüter aus – wie’s dann weitergeht, erzählt Wilfried P. (72) in der tz.

Er sollte ein weiteres Opfer werden. Doch er durchschaute die Ganoven. Gegen 18.45 Uhr am Donnerstag klingelte bei Wilfried P. in Freimann das Telefon. Es meldete sich ein „Herr Weber von der Kriminalpolizei in der Ettstraße“. „Der Mann erzählte, dass Jugendliche in der Nähe meiner Wohnung aufgegriffen wurden, bei denen Diebsgut gefunden worden sei“, berichtet P. Dazwischen habe ein Notizbuch gelegen, in dem der Name des 72-Jährigen stehe. Dann erkundigte sich der Mann, ob P. Wertgegenstände habe. „Von dieser Betrugsmasche habe ich schon in der Zeitung gelesen“, sagt P. So ahnt er schnell, dass er mit einem Betrüger sprach. „Ich habe meiner Frau ein Zeichen gegeben: Wähl den Notruf!“ P. vermutet, dass der Betrüger dies gemerkt hat. „Vielleicht, weil sich meine Stimme verändert hat.“ In dem Moment, als die Frau die 110 wählt, legt der Betrüger auf.

P. will warnen. „Zu dem Anrufer hätte man Vertrauen fassen können. Er sprach ruhig, sachlich und zielgerichtet.“ P. und seine Frau haben alles richtig gemacht. Im Gegensatz zu fünf Opfern, die den Gaunern auf den Leim gingen. Die Polizei meldet eine Beute von rund 130 000 Euro. Und betont: Die Zahl der betrügerischen Anrufe steigt und steigt. Seit Januar gab es 300 Stück.

Die Masche ist nicht neu, aber verbreitet

„Von einem Callcenter im Ausland aus rufen die Täter Hunderttausende Leute an“, weiß Konrad ­Raab, Leiter des Kommissariats für Trick- und Taschendiebstahl. Das Vorgehen ist immer ähnlich:

Die Kriminellen geben sich als Polizisten aus und sagen, in der Nähe sei eingebrochen worden. Bei den Tätern habe man ein Notizbuch mit dem Namen des Angerufenen gefunden. Nun befürchte man, dass auch beim Angerufenen eingebrochen werden soll.

Die Gauner empfehlen, Geld und Wertgegenstände in Sicherheit zu bringen und schlagen vor, es einem Kollegen zu geben, der das Geld abholt.

Betrüger nutzen technische Tricks

Dann taucht ein Abholer beim Opfer auf. Wird das Opfer misstrauisch, empfiehlt der Betrüger, die Auskunft anzurufen und die angezeigte Nummer zu wählen. Dreist: Häufig nutzen die Täter das sogenannte „Call-ID-Spoofing“. Dabei wird durch technische Manipulation die angezeigte Nummer des Anrufers verändert. Auf dem Display steht so die Nummer der echten Polizei (2910-0 oder 110)!

Raab empfiehlt, traditionelle Vornamen aus dem Telefonbuch entfernen zu lassen. „Die Polizei fordert niemals telefonisch Geld“, betont Raab. Er rät: „Immer die 110 wählen!“

Weitere Betrugsmaschen 

Nicht nur als falsche Polizisten geben sich Betrüger aus. Eine weitere Masche ist, sich als Microsoft-Mitarbeiter auszugeben. In gebrochenem Deutsch oder Englisch weisen sie ihre Opfer auf ein angebliches Computer-Problem hin. Gegen Bezahlung würden sie die Reparatur übernehmen. Dann leiten sie ihre Opfer per Telefon an, ein entsprechendes Programm herunterzuladen. Mit fatalen Folgen: Dieses Programm verschafft den Tätern Zugang zum PC ihres Opfers. Wer einen unerwarteten Anruf der Krankenkasse erhält, sollte ebenfalls misstrauisch sein. Die Betrüger geben sich auch als Mitarbeiter verschiedener Krankenkassen aus. Vorsicht ist auch bei vermeintlichen Anrufen der Verbraucherzentrale geboten. Betrüger versprechen einen Preisvergleich der Gas- und Energieanbieter. Die Zentrale warnt: Sie melden sich nicht zu Werbezwecken.

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