Röhre durch den Englischen Garten

83 Prozent der Münchner wollen hier einen Tunnel

Der tatsächliche Verlauf des Isarrings heute

München - Laut einer Umfrage unter Münchnern wollen 83 Prozent einen Tunnel unter dem Englischen Garten. Die Stadt steht dem Projekt auch aufgeschlossen gegenüber, hat dennoch andere Prioritäten.

Seit über drei Jahren rührt das Schwabinger Architekten-Ehepaar Hermann Grub und Petra Lejeune mit seiner Initiative "Ein Englischer Garten" die Werbetrommel für einen Tunnel unter dem Englischen Garten, in dem der Isarring verschwinden soll. Der jüngste Coup des Paares: eine Umfrage unter den Münchnern, nach der 83 Prozent der Bevölkerung die Röhre begrüßen würden.

Der Isarring zerschneidet den Englischen Garten seit den 60er Jahren. Nach der Eröffnung des Richard-Strauss-Tunnels vor vier Jahren wurde der Isarring die große Staufalle am Ring. Die Stadtverwaltung prüft darum die Machbarkeit einer zusätzlichen, oberirdischen Fahrspur Richtung Westen, für die etliche Bäume im Englischen Garten gefällt werden müssten.

So würde es mit Tunnel aussehen.

Für Grub und Lejeune Anlass genug, die Trennung des Parks durch die Stadtautobahn mit einer Röhre zu überwinden: „In einem Tunnel wäre sogar Platz für sechs Fahrspuren, womit auch die Staus Richtung Osten der Vergangenheit angehören würden,“ so Grub. Die Stadtpolitik steht dem Projekt aufgeschlossen gegenüber, räumt aber anderen Röhren an der Landshuter Allee oder an der Tegernseer Landstraße höhere Priorität ein, da dort Anwohner vor Staub und Lärm geschützt werden sollen. Lejeune: „Das eine schließt das andere nicht aus.“ Die Finanzierung wollen Grub und Lejeune mit Spenden vorantreiben. Grub: „Das hat bei der Pinakothek der Moderne auch geklappt.“ Die Baukosten für die fünfte Fahrspur schätzt er auf fünf Millionen Euro, für den Tunnel mit sechs Spuren auf 60 Millionen Euro.

Englischer Garten: Viele Worte, kein Geld

Der Tunnel im Fakten-Check:

Der Mittlere Ring soll auf einer Länge von einem Kilometer zwischen Dietlindenstraße und Ifflandstraße abgesenkt werden, in der Mitte würde er in einer 375 Meter langen Röhre verschwinden.

Der Tunnel wird um zwölf Meter nach Norden verschwenkt, sodass der offene Teil des Rings weiter vom Kleinhesseloher See abrücken würde, sodass man die Autos nicht mehr sieht.

Pro Richtung soll es drei Spuren geben, das würde eine Maximal-Kapazität von 110 000 Autos täglich bedeuten.

Auf der Tunneldecke ist eine zwei Meter dicke Erdschicht geplant, sodass man oben auch große Bäume pflanzen könnte.

An den Tunnelportalen sollen Lärmschutzwände dafür sorgen, dass man im Englischen Garten nichts mehr vom Verkehr hört.

Während des Baus soll eine 600 Meter lange Lärm- und Schallschutzwand die Besucher des Englischen Gartens vom Lärm abschirmen.

Johannes Welte

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