Diese Feier hätte ihm gefallen

Liam beigesetzt: "Er wird immer mit uns tanzen"

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Auf dem Nordfriedhof lassen die Trauergäste Luftballons mit Grußkarten für Liam (kl. Foto) steigen.

München - Am Freitag nahmen Freunde und Verwandte Abschied von Liam, der beim Überqueren der Leopoldstraße von einem Auto erfasst wurde und am Tag darauf verstarb.

Da ist Trauer, Wut und Hadern mit Gott. Aber am Ende bleibt vor allem dieses eine bunte Bild in Erinnerung: wie Dutzende weiße Luftballons vom Nordfriedhof in den strahlend blauen Himmel aufsteigen. An ihnen flattern Karten mit den letzten Grüßen an Liam (†14). Ein Zeichen der Hoffnung, dass es stimmt, was Pfarrer Rainer Maria Schießler dem toten Jungen prophezeit: „Gott wird dich in die Arme nehmen und sagen: ‚Gut, dass du da bist.‘“

Liam R., der am Sonntag vor zwei Wochen beim Überqueren der Leopoldstraße von einem Mercedes erfasst wurde und tags darauf an einer Herzprellung im Krankenhaus verstarb (tz berichtete), wurde mitten aus seinem jungen Leben gerissen. Die Trauerfeier am Freitag aber war so ungewöhnlich fröhlich, dass sie den Hinterbliebenen ein Lächeln aufs Gesicht zauberte – und den dringend benötigten Trost spendete.

Selbst Pfarrer Schießler von der Maximilianskirche im Glockenbachviertel, der für seine modernen Gottesdienste bekannt ist, musste zugeben: „Das hier ist auch eine Premiere für mich.“ Denn bei der eineinhalbstündigen Trauerfeier im völlig überfüllten Aetas-Haus wurde gelacht, geklatscht, gesungen und getanzt.

Freunde haben den Sarg bemalt und beschrieben. Vorne: Pfarrer Rainer Schießler.

Liam liebte Basketball, HipHop-Tanz und Rapmusik. „In Sachen Lebensfreude und Style machte dir keiner was vor!“, sagte Liams Cousin bei der Trauerfeier. Und genau so sollte Liam ein letztes Mal gefeiert werden: Den Sarg hatten Freunde und Klassenkameraden gelb, grün und rot bemalt und beschrieben. Mit Sprüchen wie: „Du warst der coolste Tänzer!“ oder „Du bist eine Legende!“. Überall auf dem Holzsarg kleben Fotos von Freunden mit lachenden Gesichtern und coolen Caps oder Mützen auf den Köpfen.

Schon zu Beginn hämmert Rap-Musik aus den Boxen. Dann gibt’s ein Feuerwerk der Lebensfreude, unterbrochen durch Beifall und Gejohle: erst ein fröhliches Gedicht, dann Freunde von Liam, die mit ihrem modernen „Krump“-Tanz den Sarg von Liam antanzen („Wir machen ihm Mut!“). Eine junge Frau singt den Chart-Hit "Read All About It" von Emeli Sande. Dann der Auftritt von Liams Freunden aus dem Jugendzentrum: Sie führen Breakdance vor, drehen sich blitzschnell auf dem Boden – und die Trauergemeinde johlt und wippt im Takt der Musik. Liams Vater, der Münchner Szenewirt Tom Breiter, huscht ein Lächeln übers Gesicht. Er umarmt die Tänzer zum Dank. Diese Feier hätte Liam gefallen.

Ein paar Mal nur, wenn Pfarrer Schießler predigt, wird es ruhig. Alle lauschen gespannt. Zum Beispiel, als er beschreibt, wie er den aufgebahrten Liam im Sarg gesehen hatte. „Mit Jeans und Turnschuhen. Ich hätte am liebsten gerufen: Mensch, steh doch auf! Aber das ist von Gott nicht vorgesehen …“ Bei der anschließenden Beerdigung gab es dennoch viele Tränen. Am Ende des Tages aber überwiegt die Gewissheit, die ein junger Freund von Liam in Worte fasst: „Liam wird immer mit uns tanzen.“

nba

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