FOS muss für Jahre in Ausweichquartier

Verbannung auf Zeit: Schüler müssen sich auf lange Wege einstellen 

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Bis zum Jahr 2015 war die Fachoberschule an der Schlierseestraße in Obergiesing beheimatet.

Gebäude für Schulen sind Mangelware. Darum soll die FOS Nord nun ab dem kommenden Jahr für fünf Jahre in Freiham zwischengelagert werden, bis sie ihr endgültiges Quartier, einen Neubau im Harthof, beziehen kann. Dieses Hin- und Her kritisieren Anwohner und Elternbeirat gleichermaßen.

Kofferpacken ist die Fachoberschule für Gesundheits- und Sozialwesen in Freimann nichts Neues mehr: Bereits 2015 wurde das Rainer-Werner-Fassbinder-Schulzentrum aus Platzgründen geteilt, und die Schule musste von Giesing an die Heidemannstraße im Münchner Norden umziehen. 2019 endet nun der Vertrag mit dem privaten Vermieter, der dem Vernehmen nach auf keinen Fall verlängern will. Dabei wäre das nach Meinung von Andrea Dietrich, die Freimann seit 15 Jahren ihre Heimat nennt, die einfachste Lösung einer für Schüler und Lehrer gleichermaßen vertrackten Situation. Die „bunte Mischung an Menschen und Möglichkeiten“, die den Charakter des Stadtteils ausmache, sei durch den Wegfall der FOS bedroht, argumentierte Dietrich auf der jüngsten Bürgerversammlung. In Freimann hätten sich in den letzten Jahren zwar einige Privatschulen angesiedelt, der Bestand an kostenlosen weiterführenden Schulen sei allerdings bedenklich gering und würde durch den Wegfall der FOS Nord weiter verschärft.

Nervige Pendelei für die Schüler

An sich sei ein weiterer Umzug kein Problem – wäre da nicht die Wahl des erneuten Zwischendomizils weit draußen im Westen. Einen verlängerten Schulweg und nervige Pendelei von 47 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, bzw. rund 50 Minuten Fahrzeit mit dem Auto bedeute das zumindest für Schüler aus dem Norden und Osten der Stadt, wie Dietrich vorrechnete.

Für die im Norden ansässigen Gesundheits- und Sozialeinrichtungen gibt es noch einen anderen Grund zur Sorge: Die Schüler, die im Rahmen ihrer Ausbildung ein Praktikum in einer der umliegenden Einrichtungen absolvieren müssen, werden ihren Dienst in der neuen Nachbarschaft absolvieren und im Münchner Norden fehlen. Dabei ist der Westen schul- und damit auch praktikantentechnisch bereits gut aufgestellt, denn unweit des künftigen Bildungscampus Freiham, wo die Schule vorübergehend unterkommen soll, befindet sich die staatliche FOS Fürstenfeldbruck, die bereits einen Großteil der ansässigen Schüler beherbergt.

Auch für die Schule selbst sieht Dietrich Nachteile: Sie müsse sich erst einmal eine Weile an einem neuen Standort befinden, bis sie genügend Zulauf erhalte. Sei sie zu wenig bekannt, blieben die Anmeldezahlen niedrig. 2015/16 sei in Freimann „intensive PR-Arbeit“, in Form von freiwilligem Engagement durch die Schulleitung betrieben worden, berichtete Dietrich. Der Erfolg: Der Sozialzweig, der 2016 lediglich mit acht Klassen aufwarten konnte, hat mittlerweile bereits zehn, der Gesundheitszweig steigerte sich von zwei Klassen auf vier. Dieser mühsam erkämpfte Anstieg müsse nun nach grade mal vier Jahren aufgegeben und in Freiham abermals aufwendig erkämpft werden, befürchtet Dietrich – und das angesichts der nahegelegenen Konkurrenz höchstwahrscheinlich weitaus weniger erfolgreich.

Auch Gerhard Grote, Vorsitzender des Elternbeirats der FOS Nord, ist sauer. Es ist nicht so sehr der Umzug, sondern vor allem die „Schweigespirale“ und das verspätete Engagement des Schulreferats bei der Suche nach einer besser passenden Zwischenlösung, die ihm gegen den Strich gehen. Dass niemand ein geeignetes Schulgebäude einfach so herzaubern kann, sei allen klar, doch dass weder der Neubau auf dem Gelände der Willy- Brandt Schule wie geplant 2018/ 19 abgeschlossen sein würde, noch der Mietvertrag verlängert werden könne, sei keine Neuigkeit.

Im Sommer 2019, zum nächsten beginnenden Schuljahr also, soll der Umzug ins zweite Interimsquartier erfolgen. Bis dahin geben der Elternbeirat und Andrea Dietrich die Hoffnung nicht auf, dass sich der Vermieter doch noch zu einer Verlängerung des Vertrags überreden lässt.

Julia Meine

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