Zwischennutzung

Münchner Freiheit: Hippe Kunst und Kaffee statt Leerstand

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Die Macher: Benedict Esche (mit Brille) sowie (v. li.) Giacomo Nüßlein, Alexander Tochtermann und Nils Rostek.

Forum Münchner Freiheit: Bevor das Gebäude saniert wird, entsteht dort als Zwischennutzung eine Snackbar mit Design-Ausstellung.

München - Monatelang war es still im traditionsreichen „Café im Forum“ an der Münchner Freiheit – dort, wo mehr als vier Jahrzehnte lang Schwabinger ihren Kaffee und Kuchen genossen haben. Ende 2016 musste die Filiale der Kette „Café Münchner Freiheit“ ihre Türen schließen. Doch heute herrscht in der Seitenpassage am nördlichen U-Bahnausgang wieder reges Treiben.

Zwischen Baumaterial und Folien schleppten hier in den vergangenen Wochen junge Leute Sessel und Sofas über die renovierte Terrasse. Der Testbetrieb lief bereits, nun soll hier in diesen Tagen ein ganz besonderes Café eröffnet werden – als klassische Zwischennutzung. Einen Namen hat das Projekt nicht. Sicher ist nur, dass es hier nicht nur Kaffee und Snacks geben soll, sondern auch Vorträge internationaler Architekten und eine kleine Bibliothek. Der Kopf hinter dem Projekt ist der Architekt Benedict Esche, der wie seine vier Mitstreiter alles ehrenamtlich stemmt.

„Wir wollen einen Ort der Begegnung für Kunst und Architektur schaffen“, sagt der 28-Jährige. Eine offene Plattform, auf der sich die kreative Szene Münchens vernetzen und außerhalb von Studios und Ateliers sichtbar werden könne. So mischen sich unter die auf Flohmärkten und aus Kleinanzeigen zusammengesuchten Möbel auch echte Designerstücke: Die Leuchten entwarf der Münchner Architekt Ben Wirth, die Tische und Schemel stammen aus der Münchner Holzmanufaktur Anton Doll. Auf den 275 Quadratmetern sei noch genügend Platz für weitere Objekte, so Esche. Wer wolle, dürfe hier auch ausstellen. Die Idee: „Kunst und Design zum Anfassen“ – und Kaufen für die Besucher. Zu deren Unterhaltung liegen auch ausleihbare Kunst- und Architekturbücher aus. Dabei stört es Esche nicht, dass ab und zu Wasser aus dem Kaskadenbrunnen über die neuverlegte Holzterrasse schwappt: „Das ist für unser Projekt ganz charmant, aber für einen professionellen Gastronomen natürlich untragbar“, sagt Esche.

In der städtischen Immobilie liegt aber noch viel mehr im Argen. Die Haustechnik ist marode und der Brandschutz veraltet. Als Ende 2016 auch noch ein Abflussrohr platzte, wurde der Pachtvertrag gekündigt. Die aufwendige Generalsanierung in Höhe von zwei Millionen Euro sei nicht während des laufenden Betriebs möglich, sagt Bernd Plank, Sprecher des Kommunalreferats. Dauern soll sie voraussichtlich von Mitte bis Ende 2018. Danach wird die Fläche zur Vermietung ausgeschrieben.

Bis dahin wacht das städtische Kompetenzteam für Kultur- und Kreativwirtschaft über die Räume. „Selbst kürzere Leerstände städtischer Immobilien sind selten“, sagt Leiter Jürgen Enninger. Ein Ladenlokal an einer so prominenten Stelle zu bespielen sei für Kreative eine riesige Chance. Er sei sehr angetan von Esches Konzept. Bis Ende September können die jungen Männer hier nun ihre Ideen umsetzen, danach zieht das nächste Projekt ein – ein niederländischer Pop-up-Store. Esches Hoffnung: dass das Publikum genauso bunt gemischt ist wie das im alten „Café im Forum“. 

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Anna Landefeld

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