Anwohnerin bringt Polizei auf Spur

Neonazi baut Nagelbombe in Schwabing

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Im Erdgeschoss dieses Anwesens befand sich die Bombenwerkstatt

München - Einer aufmerksamen Frau ist es zu verdanken, dass mitten in Schwabing eine Bombenwerkstatt ausgehoben werden konnte.

Der polizeibekannte Neonazi und Hooligan Fabian F. (33) hatte auf dem Küchentisch einen selbst gebastelten Sprengkörper liegen, der jederzeit hätte gezündet werden können.

Freitag, 21.20 Uhr: In der Düsseldorfer Straße beobachtet eine Frau von ihrem Fenster aus, wie zwei Männer mit einer Pistole hantieren. Sie spricht eine Polizeistreife an. Die verdächtigen Männer befinden sich in dieser Zeit in der Wohnung von Fabian F., die von den Beamten observiert wird. Als dieser gegen 22 Uhr das Haus verlässt, wird er kontrolliert.

Der Arbeitslose hat eine geladene Schreckschusspistole bei sich. In seiner Wohnung finden die Polizisten verbotene Monster-Kracher aus Tschechien sowie scharfe Gewehr-Munition. Auf dem Tisch liegt eine fertige und zündbereite Bombe, die nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine erhebliche Sprengwirkung besitzt. Der Behälter ist mit Nägeln und Schrauben gefüllt, die bei einer Explosion wie Geschosse wirken. Auch die NSU-Terroristen hatten bei einem Anschlag eine Nagelbombe verwendet (siehe rechts).

F. (33), der wegen Volksverhetzung vorbestraft ist und ein verbotenes Nazi-Tattoo trägt, wurde bereits dem Haftrichter vorgeführt. Dier erließ zwar einen Haftbefehl, setzte ihn aber gleich wieder außer Vollzug. Das führte zu einem heftigen Krach. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch zur tz: „Wir haben sofort Beschwerde eingelegt, aber zu diesem Zeitpunkt war er schon wieder auf freiem Fuß.“ Die Staatsanwaltschaft erreichte, dass Fabian F. wieder hinter Schloss und Riegel kam. Die Bombe wird derzeit beim Landeskriminalamt untersucht. Ob – und wenn ja, wie stark – F. in der rechten Szene vernetzt ist, ist noch unklar

E.Unfried/J.Mell

Die Kölner Nagelbombe

Am 9. Juli 2004 detonierte in der Kölner Keupstraße eine Nagelbombe: 22 Menschen wurden verletzt, vier davon schwer. Der mit Schwarzpulver gefüllte Sprengkörper befand sich in einem mit Nägeln gefüllten Behälter. Die Polizei ermittelte damals in alle mögliche Richtungen, ein Nazi-Anschlag wurde aber ausgeschlossen. Erst nach dem Selbstmord der NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 4. November 2011 konnte die Tat geklärt werden. In einem Bekennervideo brüsteten sich die Täter mit dem Verbrechen. Der dritten im Bunde, Beate Zschäpe, wird derzeit in München der Prozess gemacht.

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