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Schwabing: So geht’s uns nach der Bombe

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Anna Köll (75) in ihrem Wohnzimmer - sie hat gerade neue Fenster bekommen

München - Auch vier Monate nach der Bombensprengung in Schwabing gibt es noch Schäden. Die Anwohner nehmen die Folgen der Bombe mit ins neue Jahr. Wir waren vor Ort.

Was war das für eine Aufregung! Ganz München hatte gezittert, als die 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe Ende August in der Schwabinger Feilitzschstraße gesprengt werden musste. Kilometerweit ist der rote Feuerball der Explosion zu sehen. Die ganze Republik blickt nach München.

Ausnahmezustand in Schwabing: Am 27. August, einem Montag gegen 12 Uhr, entdecken Bauarbeiter die Bombe. Bis zum Abend müssen 2500 Schwabinger ihre Häuser verlassen und in Notunterkünfte ziehen. Stündlich hätte die Fliegerbombe hochgehen können – die Sprengmeister Andreas West und Günther Sobieralski können den chemischen Langzeitzünder nicht entschärfen. 34 Stunden später gibt’s den großen Knall: Um 21.54 Uhr wird die Bombe gesprengt.

Danach totales Chaos. Die Feuerwehr muss Dachstuhlbrände löschen. Häuserfassaden rund um die Feilitzschstraße sind massiv beschädigt – die Druckwelle hat Schaufenster zersplittert, Türen und Wände verzogen. Das Herz von Schwabing – tagelang ist es außer Takt. Auch vier Monate später gibt es noch Schäden. Die Schwabinger nehmen die Folgen der Bombe mit ins neue Jahr …

Der Tag danach: Bilder aus Schwabing

Der Tag danach: Bilder aus Schwabing

„Hauptsache, wir sind wohlauf“

Endlich ist bei Anna Köll (75) wieder Ruhe eingekehrt. Die Rentnerin wohnt in der Feilitzschstraße 3 – direkt neben ihrem Haus wurde die 250-Kilogramm schwere Fliegerbombe gesprengt. In ihrer Küche ist oben an der Decke frischer Kitt zu sehen – dort hingen Metallsplitter, und in der Wand war ein dicker Riss. „Aber jetzt ist alles wieder in Ordnung“, sagt die Rentnerin. „Die Maurerarbeiten sind fertig und ich habe gerade neue Fenster bekommen.“

So richtig ruhig wird es aber auch im neuen Jahr nicht werden, denn unten auf der Baustelle laufen schon wieder die Bauarbeiten auf dem Bombenkrater (siehe Text unten). Von ihrer Vorratskammer blickt Anna Köll direkt darauf. „Ich sage jeden Morgen dem Kran grias di. Der Lärm ist schon sehr stark, aber ich habe mich daran gewöhnt.“

Immerhin: Anna Köll fühlte sich im Chaos nach der Sprengung gut unterstützt. „Unsere Hausbesitzerin hat sich ganz toll um all unsere Sorgen gekümmert, ihr möchte ich herzlich danken.“ Ein paar kleinere Risse in der Wand werden der Rentnerin bleiben– es sind Folgen der Druckwelle.

Anna Köll: „Ist nicht schlimm. Hauptsache, mein Mann und ich sind wohlauf.“

Pack ma’s an! Vier Monate nach der Explosion der Schwabinger Bombe sind die Arbeiten in vollem Gange. Der Erdhub ist so gut wie abgeschlossen, jetzt entsteht der Rohbau. Im Sommer soll er fertig werden, zuerst entsteht die Tiefgarage.

Jetzt kommt der Neubau

Im Sommer 2014 ist die komplette Fertigstellung geplant. Dann sind hier, wo die Schwabinger 7 stand, auf sieben Geschossen (mit zwei Untergeschossen) 34 Wohnungen von 53 bis 260 Quadratmetern und Ladenflächen im Erdgeschoss vereint. An der Tatsache, dass hier wieder eine Luxus-Immobilie entsteht, kann man nicht mehr rütteln. Allerdings haben die Anwohner dann doch einen Erfolg feiern können: Sie klagten, dass der Neubau zu nah an ihren Wohnungen entstehen sollte. Mittlerweile habe man sich außergerichtlich geeinigt, über die Modalitäten wurde Stillschweigen vereinbart. Das ging wohl über Geld.

Andreas Thieme

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