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Grüne Insel in Schwabing-West: Anwohner wollen Innenhof vor Bauplänen retten

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Von: Julian Limmer

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Fürchten um ihre Bäume: Die Anwohner des Areals an der Degenfeldstraße protestieren gegen einen Neubau.
Fürchten um ihre Bäume: Die Anwohner des Areals an der Degenfeldstraße protestieren gegen einen Neubau. © Oliver Bodmer

Die Bayerische Versicherungskammer will einen Hof in Schwabing-West bebauen – die Bäume dort sollen gefällt werden. Die Anwohner am Bonner Platz kämpfen um ihre Oase.

München - Auf ihrer kleinen grünen Insel sind sie zusammengekommen, um zu protestieren. Rund 25 Menschen, die um den bepflanzten Innenhof nahe dem Bonner Platz wohnen. Sie alle fürchten, dass es in ihrem Viertel Schwabing-West – ohnehin schon der am dichtesten besiedelte Stadtteil Münchens – bald noch enger wird, dass ihre grüne Oase für immer verschwindet.

Denn die Lücke zwischen den Häusern, in der heute die Bäume kühlen Schatten spenden, soll durch einen Bau geschlossen werden. Dagegen wehren sich die Anwohner – für heute ist eine Menschenkette im Innenhof geplant. „Hier wird eine wichtige Grünfläche unwiederbringlich zerstört und Spielfläche für die Kinder eingeschränkt“, schimpft Anwohnerin Sarah Friedrich (38).

Schwabing-West: Anwohner kämpfen für grüne Insel in der Stadt

Auf dem Areal südlich der Karl-Theodor-Straße soll nachverdichtet werden. Geplant ist, in den kommenden Jahren zwei neue Wohnblöcke mit insgesamt 56 Wohnungen samt Tiefgarage auf dem Innenhof zu errichten. Nach dem Konzept müssten dafür auch 28 Bäume gefällt werden, teils sind sie über 60 Jahre alt. Der Bauträger ist die Versicherungskammer Bayern.

Trotz Widerstands der Anwohner und des Bezirksausschusses Schwabing-West entschied die Lokalbaukommission (LBK) kürzlich positiv über den Bauvorantrag. Das heißt, dass der Bau planungsmäßig zulässig ist. Baubeginn soll frühestens im Jahr 2024 sein, bis die endgültige Genehmigung vorliegt, so der Bauträger.

Grüne kritisieren Entscheidung: „Eine Insel fürs Klima geht durch den Bau verloren“

Die Pläne stoßen auf Kritik: „Eine Insel fürs Klima geht durch den Bau verloren“, sagt Marina Burwitz (Grüne) vom Bezirksausschuss, die selbst Anliegerin ist. Die Anwohner befürchten, dass sich Umgebung und Wohnungen durch das dann fehlende Grün an heißen Tagen deutlich stärker aufheizen werden.

Für Ältere und Kinder sei das kaum mehr auszuhalten, meint Sarah Friedrich: „Der Aspekt Klimawandel und Gesundheitsschutz wird völlig ignoriert.“ Was sie stört: „Dass hier Baurecht vor Baumrecht geht.“ Tatsächlich zeigt eine Erhebung des Bundes Naturschutz, dass die Stadt München in den vergangenen zehn Jahren etwa 21 600 Bäume verloren hat (siehe Bayernteil).

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Versicherungskammer Bayern rechtfertigt Baupläne

Die Versicherungskammer Bayern entgegnet auf Nachfrage, dass die Fläche des ursprünglich geplanten Baus wegen der Bedenken bereits um rund die Hälfte reduziert worden sei. Dadurch soll ein Teil der Erholungsfläche und Bestandsbäume erhalten bleiben.

Mindestens 15 Bäume sollen im Ausgleich zudem neu gepflanzt werden. Marina Burwitz ist skeptisch: „Die neue Begrünung wird nie das aufwiegen, was durch den Bau verloren geht.“ Weitere Proteste gegen das Projekt sollen folgen. (Julian Limmer)

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