Mieter haben Angst – nicht unbegründet

Alt-OB Ude über Pläne für dieses denkmalgeschützte Haus empört

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Alt-OB Christian Ude an der Bauerstraße – in dem Eckhaus hinter ihm wohnte er als kleiner Bub in der Mansardenwohnung im vierten Stock.

Es ist ein geschichtsträchtiges Haus, das an der Bauerstraße 9 steht. 1928 errichtet, ist es heute denkmalgeschützt. Münchens Alt-OB Christian Ude (Jahrgang 1947) ist darin aufgewachsen. Doch nun sorgt er sich um das Haus seiner Jugend.

Die Mieter fürchten, der neue Eigentümer könnte das Dachgeschoss ausbauen und das Leben im Haus nachhaltig verändern. Das haben sie kürzlich im örtlich zuständigen Bezirksausschuss Schwabing-West (BA 4) beklagt. Ein Mieter, der schon seit Jahrzehnten in dem Haus lebt, fürchtet, „dass dort Luxus-Wohnungen entstehen und diese die traditionelle Mieterstruktur zerstören“. 

Weitere Modernisierungen im Haus könnten folgen, die die Mieten in den 15 Wohnungen in die Höhe treiben, so die Sorge. Von den Bauplänen haben die Bewohner erfahren, als der Eigentümer das Haus Anfang des Jahres weiterverkauft hat. Er musste dafür den Mietern ein Vorkaufsrecht für ihre Wohnungen einräumen. In den Kaufverträgen, die er den Mietern zukommen ließ, hätten die Pläne für eine Bauvoranfrage beigelegen: Der Dachboden soll komplett ausgebaut werden! Letztlich machte keiner der Mieter von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch, weil die Preise für sie schlichtweg viel zu hoch waren. Seitdem haben sie Angst, dass das Dach ausgebaut wird – mit allen negativen Folgen für sie. Und sie fürchten, dass auch der Denkmalschutz sie nicht davor bewahren mag. 

Fragen zu den konkreten Plänen habe der neue Vermieter, die Carat Immo Project GmbH, abgeblockt, klagen die Mieter. Auch auf Anfrage unserer Zeitung hat das Unternehmen nicht reagiert. Christian Ude ist ebenfalls entsetzt angesichts der Entwicklungen in seinem langjährigen Wohnsitz. „Ein klassisches Beispiel, wie optimale Mietverhältnisse durch Verkauf und Geldgier neuer Eigentümer verdorben werden, obwohl jahrzehntelang beste Verhältnisse herrschten, für Mieter und Vermieter“, sagte der Alt-OB zur tz. Eigentümer war früher die Kurhessische Stiftung. „Die Mieter fühlten sich deshalb auf ewig sicher“, sagt Ude. 

In den 80ern wollte die Stiftung dann auf einmal mehr Geld sehen. „Ich habe die damaligen Mieter noch anwaltschaftlich vertreten und akzeptable Kompromisse erreicht“, berichtet Ude. Später wurde die Immobilie dann abgestoßen und wechselte heuer letztmals den Eigentümer, dessen Pläne jetzt für Aufruhr sorgen.

Die Adresse: Bauerstraße 9 in München

Ude lebte seine gesamte Kinder- und Jugendzeit in dem Haus an der Bauerstraße 9. „Meine Eltern hatten eine 120 Quadratmeter große Mansardenwohnung im vierten Stock“, erzählt er. „Meine Schwester und ich hatten dort eine ausgesprochen glückliche Kindheit.“ Eine Besonderheit in dem Haus war damals ein Lift hinter einem Drahtgitter mit Holztüren. „Das war schon sehr ungewöhnlich“, erinnert sich der eingefleischte Schwabinger. „Immer wenn wir Gäste bekamen, rannte ich schnell runter und spielte für sie den Lift-Boy.“ Über der Wohnung der Udes waren damals schon die Lager-Abteile sowie ein großer Speicher zum Trocknen der Wäsche, die nun allesamt ausgebaut werden sollen.

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Sven Rieber, Sören Götz

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