Nicht mit Christa

Diese rüstige Rentnerin stellte den Geldboten der Telefonmafia

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Legte den Betrügern das Handwerk: Rentnerin Christa E. 

Immer öfter versuchen fiese Trickbetrüger Senioren um Geld zu prellen. Das mutige Einschreiten von Christa E. aus Schwabing wurde einigen von ihnen jetzt zum Verhängnis.

Schwabing - Den Drahtziehern wurde schon im November der Prozess gemacht, seit gestern sitzt der Geldbote auf der Anklagebank. Jason K. (23) gehörte zu der Betrügerbande, die von Polen aus gutgläubige Senioren übers Telefon um ihr Erspartes gebracht hat (tz berichtete). Auch bei Christa E. (70) aus Schwabing haben sie es versucht. Dabei wurde Jason K. festgenommen. Gestern offenbarte er die dunklen Geheimnisse der Telefonmafia.

Nur ein Viertel der Kohle für den Abholer

„Ich war der Kurierdienst, wie im Drogengeschäft“, sagt der junge Mann mit den rehbraunen Augen und dem weichen Gesicht. Jason K. war der verlängerte Arm der Trickbetrüger, die in einem Breslauer Appartementhochhaus ihre Zentrale des Schreckens eingerichtet hatten – und großen Reibach machen wollten. Ein Viertel der Beute durfte er als Geldabholer für sich behalten. Der Rest ging an die Hintermänner wie Moses K. (29), der im Dezember 2016 zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Er und seine Komplizen gaukelten den Opfern vor, sie seien Verwandte in Geldnot.

Aufgeflogen wegen der Stimme

Der Angeklagte Jason K. vor Gericht.

Auch bei Christa E. klingelte das Telefon. „Hallo Tante“, meldete sich eine zarte Stimme. „Ich dachte, es wäre meine Nichte Nicki“, sagt die Schwabingerin. „Aber g’wundert hab’ ich mich schon, weil ihre Stimme anders war.“ Über 20 000 Euro wollte die Betrügerin abzocken, indem sie Christa E. erzählte, sie wolle von dem Geld eine Wohnung finanzieren. Die Rentnerin fuhr am 1. Dezember 2015 tatsächlich zu ihrer Bank und wollte ihr Konto leerräumen. Die Bank durchschaute den Betrug und gab der Seniorin einen Briefumschlag gefüllt mit Papierschnipsel auf den Weg. Die Polizei war bereits verständigt. Die Beamten versteckten sich in der Wohnung, als Christa E. den Umschlag an K. übergab. Er stellte sich als Notar vor, der von ihrer Nichte geschickt worden war. Als er die Falle bemerkte, war es schon zu spät. Die Polizisten waren ihm gefolgt, in der U-Bahn klickten die Handschellen – und Christa E. hatte großen Anteil daran. „Die Polizei meinte, ich hab’ das richtig gut gemacht“, erzählt sie der tz. Die 70-Jährige ist einerseits stolz, aber auch schockiert, dass es solche Abzockmaschen überhaupt gibt: „Heutzutage darfst sowieso niemandem mehr trauen.“

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